Autokonzerne Zeit der roten Zahlen

Die deutschen Autobauer kommen in die kritische Phase. Akut ist nur Opel gefährdet – aber sicher ist keiner mehr

Wer hat die prächtigsten Automuseen auf der Welt? Deutschland natürlich. BMW in München, VW in Wolfsburg, Audi in Ingolstadt, Mercedes und Porsche in Stuttgart. Alle nagelneu, alle sündhaft teure Zeugen glanzvoller Zeiten. Am Montag dieser Woche hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche die Medien zur Einstimmung auf die Bilanzzahlen in den achten Stock des Mercedes-Benz Museums geladen. »Einen solchen Prachtbau könnte heute keiner mehr anfangen«, sagt ein Manager leise. »Vielleicht rollen ja demnächst die letzten Autos direkt vom Band ins Museum«, ätzt ein Besucher.

Solche Töne mag Zetsche nicht hören. Er sieht die weltweite Autoabsatzkrise als Zäsur – und als Chance. Fragt sich nur, worauf. Am nächsten Tag stellt er die Bilanz für 2008 vor. Da redet er vom »Absturz der Märkte«, dem sich Daimler nicht entziehen könne. Nicht bloß im Westen, auch in den Hoffnungsmärkten Chinas, Russlands oder Brasiliens steht seit Monaten ein dickes Minuszeichen vor den Zulassungszahlen. Es trifft alle, die Hersteller von Luxuslimousinen und von schlichten Kleinwagen, von Hybrid-Ökoautos aus Japan und monsterartigen Geländewagen aus Amerika.

Anzeige

Der Januar war miserabel, der Februar laufe nicht besser, sagt Dieter Zetsche. Aber Daimler stelle sich der Krise »aus einer Position der relativen Stärke«. Sein Unternehmen sei besser als Konkurrenten auf schlechte Zeiten vorbereitet, weil man bis Mitte 2008 Rekordzahlen geschrieben habe. Früh hätten er und seine Leute die Kosten gesenkt und den Konzern neu organisiert, sodass Herstellung und Verwaltung deutlich produktiver wurden. Außerdem freut er sich, dass sein Konzern zu Beginn der Krise kräftig Barreserven gehortet hat.

Zetsche ist ein Mutmacher, aber Daimler ist Teil des deutschen Problems. Die Autoindustrie ist schon angeschlagen in die Krise hineingeraten, und jetzt muss sie ums Überleben kämpfen. Am schlimmsten geht es Opel, dem deutschen Autobauer in Händen des maroden US-Riesen General Motors. Doch auch den anderen Herstellern bricht der Absatz weg, und die Kosten drohen das Kapital aufzufressen.

Daimler etwa macht seit September zusehends weniger Gewinn, und für die ersten drei Monate dieses Jahres erwartet der Chef einen Verlust. Für die Zeit danach mag er zurzeit nichts sagen. Eine Trendwende lässt sich auf Sicht nicht erkennen.

Am besten lief es zuletzt noch beim VW-Konzern. Doch auch dessen Finanzchef Hans Dieter Pötsch hat vorsorglich rote Zahlen für das erste Quartal avisiert. Vergessen der Rekordgewinn für 2008, vergessen die Hoffnung, der Hersteller kleinerer Autos könnte sich als krisenresistent erweisen – die meisten Modelle verkaufen sich in diesen Wochen immer schlechter. Ganz ähnlich bei der VW-Tochter Audi: Dort hatte man 2008 – mit größter Anstrengung – erstmals die magische Verkaufszahl von einer Million Fahrzeuge knapp überboten. Und jetzt? Schon im Januar brach der Verkauf um mehr als ein Viertel ein.

Nur Porsche geht es noch gut, könnte man sagen. Aber nicht wegen des Autoabsatzes, sondern weil das Unternehmen von den riesigen Gewinnen zehren kann, die es vergangenes Jahr durch den Einstieg bei VW und die Spekulation mit VW-Anteilen machte. Und Porsche ist im Vergleich zu den anderen ein Miniaturunternehmen – zu klein, den Autostandort D. durch seine Herstellung am Leben zu erhalten.

Leser-Kommentare
    • xyto
    • 19.02.2009 um 12:38 Uhr

    Das ist also der Betrag den ein deutsches Autounternehmen in 2(!) Jahren alleine für Forschung und Entwicklung aufbringen wird.

    Es ist genau derselbe Betrag, den auch die EU, Russland, Japan, China, die USA und noch ein paar andere für den Bau und Betrieb des Fusionsreaktors ITER investieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Habe lange gesucht aber nix gefunden.

    Habe lange gesucht aber nix gefunden.

  1. Bei all den Zahlen die sich aus den Bilanzen ergeben darf man eines nicht vergessen. Die Renditeanforderungen der Aktionäre sind dort bereits enthalten und tragen ihren Teil zu den schlechten Zahlen bei.

    Die Entlassungen bei BMW etwa resultieren u.a. auch daher das die Rendite, wie vom Hauptaktionär gefordert, erhöht werden müsse....

    Was dürfen wir alle nun von den im Hintergrund agierenden "Besitzern" erwarten? Beteiligung im Sinne von Rendite und Profit Minimierung und dem Zulassen von Verlusten... für einmal was hergeben von den kumulierten Mrd. aus vergangenen guten Zeiten...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  2. Habe lange gesucht aber nix gefunden.

    Antwort auf "10 Milliarden Euro"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xyto
    • 19.02.2009 um 15:44 Uhr

    1. diese Seite aufrufen: http://www.zeit.de/2009/0...

    2. strg+f
    3. "Milliarden" im Suchfeld eingeben
    4. sich die (2) Ergebnisse ansehen, das zweite ist es

    • xyto
    • 19.02.2009 um 15:44 Uhr

    1. diese Seite aufrufen: http://www.zeit.de/2009/0...

    2. strg+f
    3. "Milliarden" im Suchfeld eingeben
    4. sich die (2) Ergebnisse ansehen, das zweite ist es

  3. ich weiss nicht, aber ich verstehe die Aufregung nicht. Jahrelang wurden Milliardengewinne eingefahren und grosszügig wieder verteilt, Unternehmen kauften sich gegenseitig mit Beträgen auf, die jenseits jeder normalen Vorstellung waren und stellen nun auf einmal fest, dass man auch einmal weniger verkaufen kann???

    Ist doch komisch, da sitzen höchstbezahlte Manager gottgleich auf ihren Stühen und hören den Knall nicht??? Wo ist denn all das Geld der fetten Jahre geblieben? Keinerlei Vorsorge getroffen, keinerlei Gedanken dazu gemacht, dass es nicht permanenten Wachstum geben kann? Wie dumm muss jemand sein, der solch eine Entwicklung NICHT absehen kann. Aber das wäre ja zu weit vorgewagt, es zählt das Quartal und sonst nichts. Naja, und das rächt sich jetzt eben. Aber keine Sorge, wir entlassen die Leiharbeiter und dann stimmt der Gewinn schon wieder. Irgendwie. Und bis zum nächsten Knall.

    Verrückte Welt!

    • xyto
    • 19.02.2009 um 15:44 Uhr

    1. diese Seite aufrufen: http://www.zeit.de/2009/0...

    2. strg+f
    3. "Milliarden" im Suchfeld eingeben
    4. sich die (2) Ergebnisse ansehen, das zweite ist es

    • MKer
    • 19.02.2009 um 22:38 Uhr

    Was an der Stelle aus meiner Sicht auch hervorgehoben werden sollte: Trotz eines bereits sehr starken cash flow Problems werden z. B. von Daimler immer noch relativ hohe Erfolgsbeteilungen von 1900 Euro an jeden Tarifmitarbeiter gezahlt. Und das in einer Zeit, in der das wegen der aktuellen Kassenlage "richtig weh tut".

    Die Höhe der Dividenden hält sich damit im Vergleich zur Beteiligung der Mitarbeiter absolut im Rahmen. Dividenden wurden wesentlich stärker gekürzt, als Sonderzahlungen an Mitarbeiter.

    Zur Mobilität in der Stadt braucht man keine Autos. Ob große Städte und eine entvölkerte Fläche aus allen Gesichtspunkten besser sind, wage ich zu bezweifeln. Öffentliche Verkehrsmittel sind in meiner früheren Heimat keine Alternative mehr. Wer nur bei Tageslicht mit Öffentlichen fahren möchte, hat (noch) ein kleines Angebot.

    Ökologisch möchte ich den öffentlichen Nahverkehr damit keineswegs in Frage stellen. Aber man müsste ihn dann auch entsprechend fördern und das Angebot verbessern.

    In der deutschen Wirtschaft wird man die Automobilindustrie noch viele Jahre brauchen, weil man nicht adhoc Millionen von Arbeitnehmern in anderen Branchen unterbringt. Dass die Lage kritisch ist und man möglichst einen Technologiesprung beim Antrieb benötigt, wird niemand bestreiten.

  4. Ausbaden müssen es die Mitarbeiter.
    Schon jetzt stehen alle Mitarbeiter aus der Automobilbranche auf der Blacklist einiger Banken.

  5. Einige Länder der Welt besitzen Staatsfonds, die unter anderem in Unternehmen investieren (bspw. Norwegen).
    Bevor der deutsche Staat Bürgschaften übernimmt, sollte man vor allem in diesen Zeiten darüber nachdenken.
    Im Beispiel GM wird das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 1 Mrd. Dollar gehandelt. Der deutsche Staat kann also Opel aus der Zweckmühle für ca. 750 Mio. Euro retten.
    Der deutsche Staat soll also die Mehrheit der Aktien übernehmen, Opel raus holen, und GM an die Amis kostenfrei abgeben. Ich glaube nicht, dass die Amis den Niedergang von GM mit tausenden von Mitarbeitern zulassen werden.
    Wenigstens Opel wird nach Hause kommen!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service