Technik Ganz schön verpackt

Eine Plane über der Ladung könnte Containerschiffe windschnittiger machen. Das spart Energie – aber ist es auch praktisch?

Ein Rennboot kann man aus Containerschiffen nicht zaubern. Aber eine Plane könnte den Luftwiderstand mindern

Ein Rennboot kann man aus Containerschiffen nicht zaubern. Aber eine Plane könnte den Luftwiderstand mindern

Auf den Weltmeeren herrscht selbst in der Wirtschaftskrise reger Betrieb: Kaffee, CD-Player, Pullover und Äpfel werden mehr oder weniger sinnvoll zwischen den Kontinenten hin- und hergeschippert. Aber der Preisdruck ist groß, denn wenn die Reise der südafrikanischen Aubergine auf dem Containerschiff nach Hamburg mehr als einige Cent kostet, lohnt sie sich nicht mehr. Treibstoff sparen ist angesagt. Seit Neuestem versuchen Techniker, einen bislang eher vernachlässigten Faktor zu optimieren: den Luftwiderstand.

Natürlich kann man aus einem Schiff, auf dem sich die Container kantig und turmhoch über der Bordwand stapeln, kein windschnittiges Rennboot machen. Aber etwas optimieren lassen müssten sich die Ozeanriesen doch, vermutete eine Forschergruppe an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, und stellte Modelle von Containerschiffen in den Windkanal. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Waren die Container-Bauklötze an Deck mit einer Plane überspannt, sank der Luftwiderstand um bis zu zwei Drittel. »In den Lücken zwischen den Containern bildet der Wind Wirbel«, erklärt Versuchsleiter Eberhard Schuckert, «das bremst enorm.«

Die Versuche wurden in Zusammenarbeit mit dem Germanischen Lloyd durchgeführt, einer Schiffsklassifikationsgesellschaft, die auch in der technischen Beratung für Reedereien sehr aktiv ist. Dort sind die Fachleute optimistisch, was das Einsparungspotenzial angeht. Zwar ist der Luftwiderstand bei ruhiger See nur für einige Prozent des Gesamtverbrauchs verantwortlich. Aber wann erleben Seeleute schon dergleichen? »Bei Fahrten über den Nordatlantik herrschen teilweise starke Winde«, sagt Bettar el Moctar, der das Projekt beim Germanischen Lloyd leitete. Im Sturm könne der Anteil des Windwiderstands am Verbrauch auf bis zu 60 Prozent ansteigen.

Abgesehen davon wäre selbst bei den Routen über den ruhigeren Indischen Ozean eine Ersparnis im Prozentbereich nicht zu vernachlässigen. Der Treibstoff für ein großes Containerschiff kann leicht 60.000 Euro kosten – pro Tag. »Und die Brennstoffkosten werden voraussichtlich wieder steigen«, prophezeit el Moctar. Also lässt man nichts unversucht. Muschelabweisende Silikonanstriche für den Schiffsrumpf haben sich bereits bewährt, wieso nicht auch eine Plane für mehr Windschnittigkeit?

Bislang setzen die meisten Reeder jedoch wann immer möglich auf das Drosseln der Geschwindigkeit, denn dort ist das Einsparungspotenzial weitaus größer. Fährt ein Schiff statt mit 25 mit 20 Knoten oder 37 Stundenkilometern, sinkt der Treibstoffverbrauch um bis zu 50 Prozent. Wenn der Reeder sich die Verzögerungen leisten kann, ist im Vergleich dazu die Ersparnis durch eine Plane eher marginal.

Zudem ist die praktische Umsetzung der Idee problematisch. Schließlich müsste die Abdeckung vor jedem Be- und Entladen des Schiffes ab- und wieder aufmontiert werden; das kostet Zeit, und die ist an Containerterminals teuer. Außerdem: Wohin mit der Plane, wenn das Schiff einige Tage im Hafen liegt? Schon in den frühen neunziger Jahren gab es Containerschiffe mit abnehmbarer Überdachung, doch das Konzept erwies sich als unpraktisch. »Damals waren auch alle begeistert«, erzählt Fred Deichmann von der Reederei Hamburg-Süd. »Aber der Aufwand für das Bewegen der Dächer war zu groß«.

 
Leser-Kommentare
    • carol
    • 23.02.2009 um 18:02 Uhr

    mann, bin ich gut..

    :)

  1. Interessant wird es aber erst wenn sich bei nem schönen Sturm mal so eine Plane selbstständig macht. Da möchte ich persönlich nicht in der Nähe sein!
    Ich habe gehört das früher Schiffe mit Planen (Segeln) fortbewegt wurden. Vielleicht entfaltet die Plane ja eine solche segelartige Wirkung und zieht den Kahn wer weis wohin.

    Die "Experten" welche da ja so optimistisch sein sollen, scheinen nicht oft aus ihrem Labor rauszukommen.

    • carol
    • 24.02.2009 um 13:13 Uhr

    wie ich sehe, werde ich für meinen ersten beitrag ziemlich schlecht bewertet. vielleicht hätte ich meine idee ein wenig mehr ausführen sollen.

    anstatt das dach in jedem hafen als ganze plane ab- und aufzubauen, sollte man ein "Fahrbahres Faltdach" installieren. man kann sich das wie ein "Bierzelt" vorstellen, dessen wände und dach auf rollen gelagert sind.

    und weil mir das so schnell eingefallen war, habe ich mich noch selbst gelobt.

    • pekka
    • 24.02.2009 um 19:31 Uhr

    Ich stelle mir auch die Frage, wie stabil das ganze ist, der angreifende Wind ist die eine Sache, dazu hatte DasunheimlicheHolg schon genug geschrieben.
    Meine Frage wäre: Was passiert, wenn so eine Reihe Container umkippt. Reißt dann die Folie und das ganze wird dadurch noch verschlimmert? Da wäre das "fahrbare Faltdach dann doch besser.

  2. Mein Vorschlag: Die Container so stapeln, dass möglichst wenig Lücken entstehen und den Wind für den Vortrieb nutzen.

    siehe: http://www.skysails.info/

    Mast- u. Schotbruch
    Ludger

    • carol
    • 25.02.2009 um 18:56 Uhr

    container werden nicht einfach so auf ein schiff gelegt, sondern fest mit einander verspannt und verzurrt. trotzdem sind die angreifenden windkräfte in der lage diese zu lösen. eine windschnittige plane könnte dieses schon minimieren.

    das lückenlose stapeln wird wohl nicht so einfach sein. damit ein schiff gut ausbalanciert ist, werden ladecomputer verwendet die homogenes stapeln erschweren. zusätzlich müssen die container so gestapelt werden, dass wenn man einzelne container in unterschiedlichen häfen ent- oder belädt, möglichst wenig mehrarbeit verursachen.

    was ich persönlich schlimm finde, dass alles nur unter ökonomischen gesichtspunkten gesehen wird. man sollte möglichst schnell alle optimierungsmöglichkeiten wahrnehmen und alle hätten ein besseres gewissen. solange diese schwefelmonster auf den meeren tuckern schlafe ICH halt schlechter..

    • FA39MD
    • 25.02.2009 um 21:17 Uhr

    Mittelpunkt dieser "Ideenwettbewerbe" ist ja die Problematik des Verbrauchs fossiler Brennstoffe. Gäbe es andere Antriebskonzepte - wo die Brennstoffkosten vom Einkaufspreis unabhängig sind, die verwendeten "Neuen" alternativen Brennstoffkomponenten billig/fast umsonst sogar on Bord reproduzierbar wären - brauchte man sich über Kosten durch Strömungsverluste nicht unterhalten. Im Übrigen, man kann eine Plane zur Mitte von beiden Seiten motorisch aufrollen. Aber insgesamt ist die Praxistauglichkeit einer Plane schlecht. Denn Gebrauchsschäden, unsachgemäße Handhabung infolge Zeitdruck und bei Sturm kann man im Hafen keine Plane handhaben. Man sollte im Vergleich die Handhabung mit einem Großsegel vergleichen. Auch auf Segelboten wird ja das Tuch eingerollt. Bei starken Winden ist das Einholen von Segeln immer mit materiellen Risiken verbunden. Das Ganze muss man sich bei einem Containerschiff vorstellen - wenn die Größe der Plane etwa 18.000qm beträgt. Eigengewicht, Schwerfälligkeit, Aufwand, Preis. Dann lieber ein Antrieb auf Basis der Brennstoffzelle und eine Windleiteinrichtung für das Vorschiff. Auch eine grundsätzliche Frage, ob wegen der Globalisierung der Märkte nun JEDES Produkt wegen seines billigen Preises über den langen Seeweg transportiert und ob nicht ein Großteil solcher Produkte im Lande selbst wieder produziert werden kann. Ich denke mal, insgesamt wird die Suche nach der Ökonomie grundsätzlich falsch betrachtet - weil bisher die Transportkosten noch irgend wie rentabel gerechnet wurden - das kann sich bald ändern. Auch Leerfahrten/Unterladung sind bei Containerschiffen üblich.

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  • Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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  • Schlagworte Technik | Planet | Schiff | Hamburg
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