Diskothek DVD Einfach töten können
Bewegungslos den Gegner fixieren, im Kugelhagel einfach stehen bleiben: Japanische Filmhelden können das. Takeshi Kitano ist der Beste von ihnen. Ob Gangster oder Cop – Kitano spielt das eine mit den Mitteln des anderen und umgekehrt. Seine Polizisten sind gewalttätig und bedienen sich der Methoden, die sie eigentlich bekämpfen müssten. Als Mitglied der japanischen Mafia wiederum, der Yakuza, zeigt Kitano in Momenten der Ruhe eine Verletzlichkeit, die seine Helden aus dem Genrekino hinauskatapultieren.
Mit Hana-Bi gewann der Regisseur und Schauspieler 1997 den Goldenen Löwen in Venedig. Sein filmisches Universum zeigt sich dort allerdings schon zum Arthouse-Kino aufgehübscht. In seinem Frühwerk, das nun erstmals in einer DVD-Box vorliegt, kann man noch Kitanos Ecken und Kanten bestaunen. Die drei Filme Violent Cop, Boiling Point und Sonatine etablierten ihn als Regisseur und gaben die Richtung vor, wohin sich sein Kino später entwickeln sollte. Der lakonische Ton, der unvermittelte Ausbruch von Gewalt, die Stilisierung von Komödie und Massaker finden sich hier in ihrer schnörkellosen Essenz.
Violent Cop erzählt eine Art Dirty-Harry -Geschichte, die sich von westlichen Rache-Feldzügen schon allein durch ihr abgründiges Ende unterscheidet. Gut und Böse sind bei Kitano Teil ein und desselben Spiels. Seine Helden wissen das. »Einfach töten können, heißt einfach sterben können« – in Sonatine sagt dies eine junge Frau, die Kitano in seiner Rolle kurz zuvor vor einer Vergewaltigung bewahrte. Es könnte als Motto über allen drei Filmen stehen. Markus Zinsmaier
Takeshi Kitano Collector’s Box
Violent Cop, Boiling Point, Sonatine;
Rapid Eye Movies, 3 DVDs, 282 Min.
- Datum 19.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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