Ich schlaf oben!
Von Pubertätsnöten, Gerüchen und Ritualen beim Duschen – sechs Autoren erinnern sich an prägende Erlebnisse in der Jugendherberge
Stockbett
Es heißt oft, aus der oberen Etage eines Stockbetts falle man im Schlafe nicht raus, aber die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen, wollen in den Nächten danach doch lieber unten schlafen. Am besten fällt man, wenn es wider die Regel passiert, mit Decke und Kissen zusammen, dann kann man auf dem Boden gleich weiterschlafen. Oder im unteren Stockwerk. Untenschläfer sind vor runterfallenden Obenschläfern nicht sicher. Es kommt vor, dass ein fremder gefallener Obenschläfer versucht, sich ins untere Stockwerk dazuzulegen, tastend, betrunken, und dass die Untenschläferin ihn dann verstößt. Auch weil der Obenschläfer weder oben noch unten dauerhaft etwas zu suchen hat, er gehört nämlich ins Jungszimmer nebenan, und oben ist nur vorübergehend für ihn genug Platz gewesen, bis der Schlaf kam. Es wird meiner Erfahrung nach ohnehin zu wenig über das Provisorische von oben und unten in Stockbetten geredet, denn man hört ja, dass morgens, auf der Klassenfahrt, drei kleine Mädchen zusammen in einem unteren Bett aufwachen, von denen zumindest zwei die Nacht irgendwo oben begonnen hatten und dann nach unten gerieten, ohne dass eine beim Aufwachen wüsste, wann und wie es geschah. Man erlebt auch, dass sämtliche Zimmerbewohner von unten die Nacht redend oder spielend mit den anderen auf den oberen Betten verbringen, bis sie im Morgengrauen da einnicken, wo sie sind. Und es gibt, siehe oben, die sogenannten Pärchen. Denn die oben, die sieht man nicht.
Elisabeth von Thadden
- Datum 18.02.2009 - 10:16 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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