Fernsehen Unser Gott, die QuoteSeite 6/6
Fernsehen heißt, dass Tiersendungen schön und unterhaltsam zu sein haben. Früher gab es im ZDF eine Sendung, die Vorsicht Tiere hieß, es ging auch um Tiertransporte, Tierfarmen und Tierversuche. Unmöglich im Jahr 2009.
Fernsehen heißt heute, von einem Hochhaus auf eine Welt zu blicken, die dem Fernsehen entgleitet. Die Generation Internet liest keine Programmzeitschriften mehr, verabredet sich nicht mehr um 21.45 Uhr mit Claus Kleber, lässt sich durchs Netz treiben. Das Fernsehen rennt flüchtenden Zuschauern hinterher, stellt Nachrichtenclips online, sucht Anschluss, irrt herum.
Was tun, Herr Herres? Erst seit dem vergangenen November ist Volker Herres Programmdirektor im Ersten. Als politischer Journalist machte er sich einen Namen, war für die Sendung Brennpunkt in der ARD mitverantwortlich. Jetzt sitzt er in seinem Zimmer im Münchner ARD-Haus und rutscht auf seinem schwarzen Ledersofa hin und her. Nur die Einschaltquoten, die über den Fernsehapparat in seinem Büro laufen, geben seinem suchenden Blick einen gewissen Halt. Was ist ihm wichtig? »Unsere strukturelle Mehrheitsfähigkeit müssen wir erhalten«, antwortet Volker Herres. Bloß keine Zuschauer abgeben.
2009 werde ein schwieriges Jahr, weil die ARD keine sportlichen Großereignisse übertragen könne, keine Fußball-WM, keine EM, nichts. Die weitaus besten Quoten bringen nämlich Sendungen, die das Fernsehen nicht erfinden muss.
»Mir ist es nicht egal, was wir senden. Deswegen bin ich ja beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen geblieben«, sagt Volker Herres, aber er sagt nicht, wohin er will. Steht er nicht am Mischpult der Nation und bedient die Regler? Die Sprache der Planungsherrlichkeit spricht Volker Herres. Wir wissen. Wir wussten. Wir werden erleben. Er redet über das Fernsehprogramm wie über ein Naturgesetz.
Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich auf eine gefährliche Reise in die Gefahrlosigkeit begeben. Es wird nichts mehr riskiert, nichts ausprobiert. Die Angst vor der Quote hat sich zu einem Syndrom verfestigt, das den Programmplanern die Kraft raubt, noch ihren journalistischen Instinkten zu trauen.
»Fernsehen ist auch ein Entspannungsmedium«, sagt Herres, aber davon merkt man bei ihm nichts. Er springt vom Sofa auf, richtet seine Krawatte, wirft sich in die Brust und spricht von seiner Leidenschaft fürs Fernsehen. Mit fuchtelnden Händen umzingelt er dieses großartige Wort, damit es sein Zimmer nicht verlassen kann. Leidenschaft.
Rote Rosen, sagt er, die Telenovela mit Maike und Thomas und Charlotte und Erik, die in Lüneburg spielt und täglich im Ersten läuft, sei seine Lieblingsserie. Und Volker Herres, erster Direktor im Ersten, Gebieter über den deutschen Abend, Zauberpriester der Telekratie, stellt sich vor den Bildschirm mit den Balkendiagrammen und sieht sofort, was er sehen will. Rote Rosen, 16 Prozent, eine traumhafte Quote. Er hat es doch wieder gewusst.
- Datum 01.06.2009 - 14:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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Soweit ich weiß, wurde die Erfassung der Einschaltquoten eingeführt, um den Wert eines Werbeplatzes zu bestimmen. Kann mir mal jemand erklären, warum die Einschaltquote einer Sendung relevant sein sollte, wenn in ihrem Umfeld überhaupt keine Werbung gesendet darf (wie im Abendprogramm des Öffentlich-rechtlichen Fernsehens)?
Es besteht also kein Grund, zu Gunsten der Quote auf Inhalte zu verzichten. Außerdem: Wenn jemand sich nicht bilden will, dann kann ihn niemand dazu zwingen, auch im Fernsehen nicht, aber Gelegenheit macht bekanntlich Diebe.
Wieso sollten sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender damit selbst abschaffen? Was können die Anstalten dafür, wenn das Volk so verdummt ist, daß es Schund sehen will?
Ich stimme dem Autor zu, jede Woche rege ich mich darüber auf, warum die wirklich interessanten und kritischen Themen zu unterirdischen Zeiten kommen, und wieso man um 19.00 Uhr nur unwichtige Soaps und Serien sieht, welche auf den privaten Sendern schon oft genug laufen.
Die Öffentlich-Rechtlichen sollen nach ihrem Grundsatz politisch und rechtlich unabhängig sein, warum versuchen sie dann, nach diesem Artikel, die Wünsche der Politik zu erfüllen. Mittlerweile hat man, ähnlich wie in den privaten Sendern, Werbung zwischen den Sendungen, wofür bezahlen wir überhaupt unsere GEZ Gebühren?
Die wichtige Frage bei diesem Thema ist doch eigentlich:
Sind die Bürger/innen der Bundesrepublik überhaupt noch bereit sich informative Programme anzusehen, oder sind Talkshows oder gewisse Zaubershows wichtiger?
Ihr Ansatz ist aus meiner Sicht zu kurzsichtig. Im Artikel wird ja schon angedeutet, dass die Quote nicht das allein maßgebliche ist: Nicht die Zuschauer sorgen ursächlich für das Problem (wobei sich der Zuschauer natürlich weitgehend anpasst), sondern diejenigen, die wirklich bestimmen was gesendet wird.
http://zmag.de/artikel/Wa...
Ich denke auch z.B. als das Privatfernsehen eingeführt wurde wussten die maßgeblichen Politiker ganz genau was sie taten. Man kannte ausreichend Beispiele aus anderen Ländern. Die "Verdummung" war ausdrücklich erwünscht.
Ihr Ansatz ist aus meiner Sicht zu kurzsichtig. Im Artikel wird ja schon angedeutet, dass die Quote nicht das allein maßgebliche ist: Nicht die Zuschauer sorgen ursächlich für das Problem (wobei sich der Zuschauer natürlich weitgehend anpasst), sondern diejenigen, die wirklich bestimmen was gesendet wird.
http://zmag.de/artikel/Wa...
Ich denke auch z.B. als das Privatfernsehen eingeführt wurde wussten die maßgeblichen Politiker ganz genau was sie taten. Man kannte ausreichend Beispiele aus anderen Ländern. Die "Verdummung" war ausdrücklich erwünscht.
Ich habe bereits seit einiger Zeit das Gefühl, daß die Öffentlich-Rechtlichen nur noch existieren um die GEZ zu rechtfertigen. Vom Inhalt ist bereits eine vollständige Nivellierung zu den Privaten erfolgt.
Bei Sportübertragungen von Premiere ist noch dazu eher weniger Werbung zu ertragen wie bei ARD Und ZDF, die Ihre Sendungen ja von Pfefferminzia und Co präsentieren lassen und nicht müde werden, dies bei jeder Gelegenheit uns Fernsehzuschauer wissen zu lassen.
Apropos Politiker und die Qualität des TV im Ausland: Sagt diesen Schnöseln doch mal, daß dort das Wahlvolk keine Zwangsabgaben für das bescheidene Programm zu leisten hat.
Zetti
wenn sie denn wenigstens die privaten Sender kopierten.
Man schaue sich Stefan Raabs als selbstironisches Projekt gestarteten Bundesvision Songcontest an der zu einem riesigen Erfolg wurde und wo wirklich viele tolle deutschsprachige Bands eine Plattform bekommen und in Folge auch so manchen weiteren Auftritt. Damit hat man mehr für gute deutschsprachige Musik getan als mit jeder schwermütigen Diskussionsrunde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in denen dann als Gipfel der Realsatire die chauvinistische französische Sprachpolitik mit "Französischquote" im Radio gar als Vorbild herausgearbeitet wird. Derlei Kontraste setzen sich fort. Und wenn, ohne Schleichwerbung zu machen, bei "Planetopia" auf Sat1 dem Zuschauer genau erklärt wird welche technischen Fehler in vielen alltäglichen Techniken steckt und zB Homebanking unsicher machen dann hat man damit mit Sicherheit auch einen sog. "Bildungsauftrag" erfüllt - etwas was die öffentlich-rechtlichen neben Ausnahmen die man mit der Lupe suchen muss (Quarks und Co) nicht bieten.
Und der Gipfel des Ganzen ist wenn man sich die Zahlen anschaut: die Privatsender machen ein tolles vielfältiges Programm mit einem Bruchteil dessen was die öffentlich-rechtlichen dem Bürger abverlangen per Zwangsabgabe (ohne natürlich auf Werbung im Programm zu verzichten).
Es gibt zig separate "Rundfunkanstalten", dieser Name schon, mit jeweils eigener beamtenmäßiger Administration, kompletter Sendetechnik und Studios, eigenen Außenteams.. dennoch schafft man es nicht das HD-TV einzuführen worauf die Privatsender nur warten - Pro Sieben hat seinen Testbetrieb inzwischen wieder aufgegeben, ohne die öffentlich-rechtlichen gibt es kein HD TV und ohne die analogen Frequenzen abzuschalten gibt es aber keinen Platz für die digitalen HD Frequenzen.
Und auch das sog. "Kritische" (was KEIN Selbstzweck ist!) was dann immer angeführt wird ist auch nicht zu finden. Die ach so politischen Sendungen kommen allesamt sehr reißerisch und larmoyant daher, Tenor: "Die pösen Politiker, die gierigen Manager, der arme abgezockte Bürger". Jaja böse Welt.. die Tagesschau mag ein Ritual für ältere Semester sein, die beste Nachrichtensendung ist sie aber mitnichten. Man schaue sich die britische BBC oder die amerikanischen NBC Abendnachrichten an und weiss wie moderne aber grundseriöse Nachrichten gemacht gehören.
Wie lange habe ich auf diese Fernsehkritik gewartet. Schön lang und hervorragend recherchiert und argumentiert! ... Es war einmal... so kann ich mich erinnern, da wurde z.B Report Baden-Baden unter Günther Gaus um 20.15 ausgestrahlt auf ARD!!! - Ich zahle R u n d f u n kgebühren, leider wird mit meinem Geld auch der seichte Fernsehschund der Öffentlich-Rechtlichen finanziert, aber eben auch der Rundfunk, ein letztes Paradies für alle Bildungsbeflissene germo
Eine sechsseitige Analyse des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland, der man nur zustimmen kann. Eine solche inhaltliche Tiefe wünscht man sich auch dem Fernsehen. Wie kurzsichtig müssen denn die verantwortlichen Redakteure und Journalisten sein, die nur auf die Quote gucken? Würde man das ganze Programm, das ganze öffentlich-rechtliche System wieder mehr dem Bildungsauftrag annähern und sich wieder vom Einfluss der Privaten entfernen, müssten sich die Zuschauer damit eben abfinden. Dokumentationen, Inhalt über den man nachdenken muss, das strengt nunmal an.
Mag sein, dass sich die Zuschauer einer solchen, erneuerten Programmstruktur erst anpassen müssten. Aber sie würde ganz sicher auch akzeptiert werden. Am verhängnisvollsten ist jedoch noch immer die Ausweichmöglich zu den abgeflachten Privatsendern. Dem Politiker, der den Mut hat, das Privatfernsehen wieder abzuschaffen, einen Orden! Oder, wie es im wirtschaftsdeutsch heißt, einem Orden dem Politiker, der die Privatsender reguliert und ihnen gewisse Programmrahmenvorgaben macht.
Günther Oettinger spricht vom "Scheiß-Privatfernsehen". Wo war dieser Mann, als seine Partei unter dem Einfluss von Lobbyisten das Privatfernsehen einführte? Wenn es Marktversagen gibt, dann dort.
zu Bertelsmann tragen?
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