Umweltgifte Feinstaub im Hirn

Giftstoffe aus Holzfeuerungen gefährden nicht nur Lunge und Herzkreislauf. Sie schaden auch dem Gehirn

Ein kalter Wintertag, Kind und Hund haben im Schnee herumgetollt und wärmen sich nun am Kaminofen. Beide fühlen sich geborgen wie in Abrahams Schoß, der Hund gähnt und nickt ein. Eine Idylle – gäbe es da nicht neue, irritierende Erkenntnisse zu den feinen Stäuben, die dem knisternden Feuer entsteigen. Der Kamin mag Glieder und Herz erwärmen, doch er ist auch eine gefährliche Giftschleuder, deren Emissionen Kind und Hund krank machen können.

Denn ein solcher Ofen verheizt mit primitiver Technik einen der problematischsten Brennstoffe: Holz. Er kann Mengen an Giftgas- und Feinstaub freisetzen, die jene moderner Autos oder Öl- und Gasheizungen leicht tausendfach übertreffen. Politiker kennen das Problem mit dem Luftverschmutzer in der guten Stube. Seit Jahren ringen sie um eine Verordnung für saubere private Schornsteine.

Aber die könnte nun platzen, ausgerechnet wegen eines Streits der drei Bundesministerien für Umwelt, Wirtschaft und Landwirtschaft um eine Abwrackprämie für alte Öfen. Damit wollte die Politik den Kauf umweltfreundlicher Holzheiztechnik fördern; doch eines der drängendsten Umweltprobleme droht auf die lange Bank geschoben zu werden.

Derweil wächst die Liste der Krankheiten, die auf Schadstoffe aus Verbrennungsprozessen zurückgeführt werden. Feinstaub aus Heizungen, der Industrie oder dem Verkehr schädigen laut neuester Erkenntnisse nicht nur unsere Atemwege und das Herz-Kreislauf-, sondern auch das Nervensystem. Gefährdet sind insbesondere die Gehirne von Kindern und Alten. Schon eine Studie der WHO von 2004 schätzte, dass in ihren europäischen Mitgliedstaaten jährlich bis zu 13000 Todesfälle bei Kindern unter vier Jahren auf Feinstaub in der Außenluft zurückgehen.

Nun zeigt eine Pilotstudie im Fachblatt Brain and Cognition erstmals, dass Kinder, die in einer Stadt mit hoher Luftverschmutzung leben, Hirnschäden riskieren. Festgestellt wurden Entwicklungsanomalien vor allem im Vorderhirn. Diese Region ist nicht nur wichtig für soziales Verhalten und Emotionen, sondern auch für vorausschauendes Planen und Handeln. Hier löst der Geist Probleme, hier fällt er Entscheidungen.

Forscher entdeckten Entzündungen im Gehirn – bei Hunden und Kindern

Wissenschaftler aus Mexiko und den USA haben 55 Kinder in der hoch belasteten Metropole Mexico City untersucht und mit sozial ähnlich gestellten Kindern verglichen, die in deutlich saubererer Luft lebten. Sie maßen mit Intelligenztests die geistigen Fähigkeiten und prüften die Hirne im Kernspintomografen. Kinder, die stark verschmutzte Luft atmeten, wiesen auffällig oft kognitive Störungen auf. Informationen verarbeiteten sie langsamer. Ihr Gedächtnis zeigte Lücken, und auch jene Funktionen waren beeinträchtigt, die für das Planen, das Lösen von Problemen und das Fällen von Entscheidungen wichtig sind. Parallel dazu fielen den Forschern in den Kernspinbildern Hirnveränderungen auf. Ein Großteil der Kinder, die in verschmutzter Luft aufwuchsen, wies Schäden in der weißen Hirnsubstanz und Gefäßveränderungen auf.

Wahrscheinlich gehen diese Schäden auf chronische Entzündungen zurück. Bereits frühere Forschungen hatten gezeigt, dass Umweltschadstoffe bei Kindern Entzündungen der Atemwege hervorrufen und sich in deren Kreislauf charakteristische Entzündungsstoffe nachweisen lassen. Da detaillierte Untersuchungen am Kinderhirn unmöglich sind, nahmen die Wissenschaftler als Modellsysteme die Denkorgane junger Hunde unter die Lupe. Die Tiere bekamen belastete Stadtluft zum Atmen. Kernspinaufnahmen ihrer Hirne und Analysen nach deren Tod zeigten, dass ihre Blut-Hirn-Schranke nicht mehr gut funktionierte.

Diese natürliche Schranke soll eindringende Schadstoffe und Krankheitserreger vom Hirn abhalten. Doch bei den untersuchten Hunden waren Feinstaubpartikel offenbar bis in das Frontalhirn eingedrungen. Zudem fanden sich Hinweise, dass den Veränderungen der Hirngefäße entzündliche Prozesse zugrunde lagen – ganz ähnlich wie bei den Kindern. Nervenentzündungen sind typische Begleiter vieler Störungen des zentralen Nervensystems. Sie spielen auch bei der Entstehung von Alzheimer und Parkinson eine Rolle.

Dass Luftverschmutzung nicht nur die physische, sondern möglicherweise auch die geistige Gesundheit gefährdet, bekräftigen weitere Untersuchungen aus den USA und Deutschland: Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie an 200 etwa zehnjährigen Kindern aus Boston kam zu dem Ergebnis, dass mit steigender Luftverschmutzung im Wohnumfeld die kindliche Intelligenzleistung sinkt. Als Gradmesser diente die Menge gemessener Rußpartikel in der Luft. Stieg sie an, zeigten sich in verschiedenen Standard-Intelligenztests signifikant niedrigere Leistungen im sprachlichen und nichtsprachlichen Bereich. Belastete Kinder lernten schlechter und konnten sich weniger auf ihr Gedächtnis verlassen.

Am gefährlichsten sind ultrafeine Partikel – sie sind so beweglich wie Gas

Auch Versuche an Ratten und Mäusen zeigen, dass Feinstaub bis ins Hirn vordringen und dort entzündliche Reaktionen hervorrufen kann. Das gilt insbesondere für »ultrafeine« Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 100 Nanometern (ein Nanometer entspricht einem milliardstel Meter). Diese Winzlinge sind typisch für Verbrennungsprozesse in Heizungen oder Motoren. Wegen ihrer Leichtigkeit sind sie fast so beweglich wie ein Gas. Sie können deshalb erstaunlich rasch die Lunge passieren, im Blut und in der Lymphe auftauchen und in zahlreiche Organe gelangen.

Ulrich Ranft vom Institut für Umweltmedizinische Forschung an der Universität Düsseldorf gelangte zur »Hypothese, dass Langzeitbelastungen mit Feinstaub in der Atemluft ursächlich mit Alzheimererkrankungen einhergehen könnten«. Aus diesem Grund untersuchten er und sein Team 149 Frauen im Durchschnittsalter von 71 Jahren, die seit mindestens 20 Jahren am selben Ort in Nordrhein-Westfalen gewohnt hatten – einem Ort mit hoher Feinstaubbelastung. Das vorläufige Resultat: Ranft fand seine Hypothese weitgehend bestätigt.

Die Indizienkette, dass Feinstaub Hirnschäden verursacht, wird durch weitere Beobachtungen gefestigt: So wurde bei Autopsien auch im Hirn von Verstorbenen Feinstaub nachgewiesen. Und epidemiologische Studien zeigen, dass Feinstaub in der Atemluft nicht nur die Zahl der Herzinfarkte, sondern auch jene der ischämischen Schlaganfälle (Hirninfarkte) steigen lässt.

Einer der weltweit führenden Nanotoxikologen, Günter Oberdörster von der University of Rochester im US-Bundesstaat New York, verweist zudem auf die Krankengeschichte von Schweißern: Bei manchen wurden früh, schon mit 46, Parkinsonsymptome beobachtet – 17 Jahre früher als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Oberdörster verdächtigt »ultrafeine Manganoxidpartikel, die in hoher Zahl in dem Rauch auftreten, der beim Schweißen entsteht«. Sind damit die ultrafeinen Partikel als Zerstörer im Kopf überführt?

Der Nanotoxikologe hat als einer der Ersten vor Gesundheitsschäden durch ultrafeine Partikel in der Luft gewarnt. Doch damals, 1994, stieß er eher auf Skepsis und Ablehnung. Jetzt mahnt er zur Besonnenheit – er hat schon zu viele Fehlalarme miterlebt. Oberdörster zweifelt beispielsweise daran, dass Feinstaub hauptsächlich die angeknackste Blut-Hirn-Schranke passiert. »Die meisten Tierversuche deuten darauf hin, dass ultrafeine Partikel über den Riechnerv ins Hirn gelangen«, sagt er. Pharmakologen versuchen sogar, diese Route in den Kopf für einen wirksameren Einsatz von Medikamenten zu nutzen.

Auch Annette Peters vom Helmholtz-Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt in München zuckt bei der Frage »Macht Feinstaub dumm?« zurück. »Wir haben zwar eine heiße Spur, die weiter verfolgt werden muss, aber noch lange keinen Beweis.« Sie kennt die Studien aus Mexico City und Boston – alle seriös. Die Zahl der untersuchten Kinder sei jedoch klein. Und viele Störfaktoren beeinflussen die Resultate von Intelligenztests: Alter, soziales oder schulisches Umfeld, Verkehrslärm, aber auch weitere Luftschadstoffe wie etwa das nervenschädigende Blei.

Ähnlich argumentieren führende europäische Fachleute. Nino Künzli, Umweltepidemiologe in Barcelona, und Bert Brunekreef von der Universität Utrecht koordinieren Forschungsprojekte der EU zur Luftverschmutzung. Sie halten es für dringlich, die Auswirkungen von Feinstaub auf das Hirn und die geistige Gesundheit in größeren Studien genauer abzuklären.

Doch eine der Haupthürden ist der Mangel an zuverlässigen Messdaten. Ultrafeine Partikel sind sehr schwierig zu messen: Sie verklumpen, sie verbinden sich mit anderen Schadstoffen, und sie sind chemisch hochreaktiv. Pulverisiert man gutmütige Materialien wie Holz, Metalle oder Mehl zu feinstem Schwebstaub, dann werden sie plötzlich explosiv. Genau diese erhöhte Reaktivität macht auch ultrafeine Partikel so aggressiv im Körper: Durch ihre starke Neigung zu oxidieren (verbrennen) verursachen sie »oxidativen Stress«. Im Übermaß führt er zu Schäden und Entzündungen im Körper.

In diesem Zusammenhang erstaunt, dass das EU-Projekt Aphekom, das die politische Kommunikation und Entscheidungsfindung in Sachen Luftverschmutzung und Gesundheit verbessern sollte, ausgerechnet die Holzheizungen in seinem Themenkatalog nicht berücksichtigt. »Ich habe dies vergeblich vorgeschlagen«, sagt Hanns Moshammer vom Institut für Umwelthygiene der Universität Wien. Er vertritt Österreich in diesem Gremium und warnt davor, dass das populäre Umschwenken von Öl- und Gasheizungen auf Holzfeuerungen gravierende gesundheitliche Folgen haben wird. Dieselbe Warnung hatte vor bereits eineinhalb Jahren die Österreichische Akademie der Wissenschaften verkündet. Auch deren Appelle, sagt Moshammer, »sind politisch einfach verhallt«.

Der größte Schmutzfink erhält neue Schonfristen – aus politischen Gründen

Noch fehlen endgültige Beweise dafür, dass Kaminfeuer das Hirn schädigt. Dass das Verbrennen von Biomasse fatale Wirkungen zeitigt, ist jedoch unbestritten. Jährlich sterben Millionen Menschen, weil sie die Abgase offener Koch- und Heizstellen einatmen. Auch der Tabakraucher inhaliert ja nichts anderes als die Schadstoffe, die beim Verglühen von Biomasse entstehen.

Zwar sind moderne Holzheizgeräte viel sauberer als Dritte-Welt-Öfen, aber im Vergleich zu Dieselautos mit Partikelfiltern sind sie noch immer Dreckschleudern. Der Gesetzgeber duldet dies durch lasche Verordnungen. So dürfen aus dem hohen Schornstein wesentlich mehr Schadstoffe quellen als aus dem Auspuff in niedriger Höhe. Und bei der Typprüfung von Öfen wird die besonders kritische Kaltstartphase schlicht ignoriert. Die Heizindustrie hofft – wie einst die Autoindustrie– auf diese Weise ohne Filter auszukommen.

Mit dem Trick, über hohe Schornsteine den Dreck, statt ihn zu vermeiden, einfach besser zu verteilen, ist die Industrie längst gescheitert. Der private Schmutzfink jedoch erhält für seinen Schornstein immer neue Schonfristen. Dies ist nicht medizinisch, sondern nur noch politisch erklärbar: 15 Millionen Holzheizer sind eine Macht, allemal im Superwahljahr.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Ihr Autor Hans Schuh hat mit dem Kaminofen leider den ungünstigsten Aufmacher gewählt und gleichzeitig die schlechteste Empfehlung ausgesprochen. Es gilt bei der Holz- und Pelletsfeuerung nun mal: Je besser die Verbrennung, um so feiner die Stäube.
    Ein gewöhnlicher Kaminofen produziert, bei richtiger Nutzung, durch die Verbrennung mit Naturzug einfach nur Asche und Staub - von Feinstaub kann man hier nur begrenzt sprechen, Feinststäube entstehen höchstens in minimalem Umfang. Wird die Verbrennung optimiert, geschieht das immer mit folgenden Maßnahmen: Zufuhr von Verbrennungsluft durch Saugzuggebläse und Primär- und Sekundärluftreglung; Erreichen von konstanten Verbrennungsbedingungen mit Temperaturen um 1000° C, meist durch Holzvergasung. Dies trifft sowohl für Kleinfeuerungen von 10 KW, als auch für Großfeuerungsanlagen mit 1000 kW zu. Im Unterschied zu Gas und ÖL produziert Holz erhebliche Mengen an Asche, die über Feinstaub zu Flugasche wird. Rußbildung ist bei den allermeisten Holzfeuerungen nur in geringem Umfang das Problem. Und dem ist meist auch einfach abzuhelfen.
    Während für Großfeuerungsanlagen, oft schon ab 100 kW, mit technisch einfach zu realisierenden Zyclonfiltern viel Staub abgeschieden werden kann, muss für eine Feinstfilterung im MW-Bereich eine Abgaswäsche eingesetzt werden. Für Kleinfeuerungsanlagen gibt es jedoch momentan keine adäquate Filtertechnik, sowohl für Fein-, als auch für Feinststäube. Diese wird es für Kaminöfen auch nicht geben, da sich in diesem Preisbereich nur eine rein mechanische Filtrierung anbietet, die sich jedoch gleich wieder wegen des Naturzuges ausschließt. Der natürliche Auftrieb eines Schornsteines, wir sprechen hier von 15 Pa = 15 Hunderttausendstel bar, reicht für die Überwindung des Filterwiderstandes einfach nicht aus. Andere Maßnahmen sind entweder zu teuer, technisch zu aufwendig, oder im Wohnzimmer nicht zu realisieren; meist alles zusammen.
    Es lassen sich also nicht einfach Gesetze beschließen, die dieses Problem schnell lösen könnten. Feinstäube bei Kaminöfen lassen sich nur durch ein Verbot dieser Öfen vermeiden, doch wer will das? Allerdings sind die gewöhnlichen Kaminöfen nun mal nicht die wahren Feinstaub-Bösewichte. Das sind leider die "besten" Kleinfeuerungsanlagen, auch die mit blauem Engel, ob mit Holz oder mit Pellets befeuert.
    Ein Ausweg zeigt sich nur darin, den Nutzern von Kaminöfen das richtige Holzheizen zu vermitteln und da ist ihr kleines Video aus der Schweiz geradezu vorbildlich. Wenn dann noch die Feuerungen, die mit einem Saugzuventilator ausgestattet sind, mit einfacher Filtertechnik per Gesetz nachgerüstet werden, dann ist das Machbare auch schon erreicht.
    Übrigens Energieeinsparung und Sonnenenergie produzieren nahezu keine Emissionen, sondern reduziert bestehende sogar. Hätte Herr Schuh bei der ungeliebten Lobby einmal nachgefragt, hätte er diese Erläuterungen sicherlich auch noch ausführlicher erhalten, aber welches Kind kuschelt schon mit dem Hund vor einem saugzugebläsebetriebenen Holzvergaserkessel im Heizraum. Ich selbst gehöre übrigens keiner Lobby an, bin einfach nur ein Insider.

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    Anmerkung zu hohe Temperaturen:

    Desto höher die Temperatur und umso vollständiger die Verbrennung, je mehr NOx wird produziert.

    Übrigens, beim ersten richtig sonnigen Februartag roch es draußen herrlich nach Ozon in Frankfurt. Das, was sich Umweltpolitik nennt, ist nicht nur zum Kotzen, sondern auch zum Sterben.

    Alaaf, nee, dazu ist's zu ernst.

    ~~~ Herr, lass Hirn vom Himmel regnen ~~~

    Die Aussage, dass bei guter Verbrennung mehr Feinstaub anfällt, als bei primitiver Technik teile ich nicht und auch die Meßwerte des UBA und östereichischer Uni-Institute sagen anderes aus. Seit 3 Jahren betreiben wir eine 25kW-Pellet-Zentralheizung. Die vorgeschriebene jährliche Staubmessung ergab zwei mal 0,04 g/m³ Abgas, letztes Jahr sogar nur 0,02. Der aktuelle Grenzwert beträgt übrigens 0,15g/m³. Moderne Zentralheizungs-Pellet und auch Vergaser-Scheitholzkessel sind nicht das Problem, sondern die vielen alten Einzelfeuerstätten und primitive, neue "Baumarkt"- Kaminöfen:Hier entstehen beim häufigen Anfeuern und intermittierenden Betrieb mit Nachlegen in der Summe höhere Feinstaubmengen.

    Anmerkung zu hohe Temperaturen:

    Desto höher die Temperatur und umso vollständiger die Verbrennung, je mehr NOx wird produziert.

    Übrigens, beim ersten richtig sonnigen Februartag roch es draußen herrlich nach Ozon in Frankfurt. Das, was sich Umweltpolitik nennt, ist nicht nur zum Kotzen, sondern auch zum Sterben.

    Alaaf, nee, dazu ist's zu ernst.

    ~~~ Herr, lass Hirn vom Himmel regnen ~~~

    Die Aussage, dass bei guter Verbrennung mehr Feinstaub anfällt, als bei primitiver Technik teile ich nicht und auch die Meßwerte des UBA und östereichischer Uni-Institute sagen anderes aus. Seit 3 Jahren betreiben wir eine 25kW-Pellet-Zentralheizung. Die vorgeschriebene jährliche Staubmessung ergab zwei mal 0,04 g/m³ Abgas, letztes Jahr sogar nur 0,02. Der aktuelle Grenzwert beträgt übrigens 0,15g/m³. Moderne Zentralheizungs-Pellet und auch Vergaser-Scheitholzkessel sind nicht das Problem, sondern die vielen alten Einzelfeuerstätten und primitive, neue "Baumarkt"- Kaminöfen:Hier entstehen beim häufigen Anfeuern und intermittierenden Betrieb mit Nachlegen in der Summe höhere Feinstaubmengen.

  2. ... ein recht guter Artikel, nur der Aufmacher ist schlecht. Ja was denn nun, doch wieder zurück zur Ölheizung, ist die wesentlich besser?

    Ich stehe konkret vor dem Problem mir eine Holzvergaserheizung einbauen zu wollen, leider gibt es in dem Bereich noch keine bezahlbaren Filter für kleine Heizanlagen. Technisch möglich sind sie wohl:
    http://www.baulinks.mobi/news/2007/1653.htm
    werden bisher aber scheinbar kaum angeboten.

    Und wenn sie dann irgendwann kommen, kann man nur hoffen, dass die Nachrüstung bezahlbar ist. Ich habe keine Lust den jetztigen teuren Kessel wieder verschrotten zu müssen.

    Auf diese Probleme und existierende technische Lösungen hätte man vielleicht auch mal eingehen können, statt nur mal wieder Holzheizungsbashing zu betreiben. Jede Technik hat derzeit halt ihre Nachteile, die ultimative Killerapplikation gibt es nicht. Nur mit Solar und Wärmedämmung kommt man vielleicht in der Pfalz aus, schon im Schwarzwald würde man degegen im Winter erfrieren. Und wenn es um Kaminöfen geht: die laufen bei den meisten Leuten doch eh nur sporadisch, der Gemütlichkeit wegen und nicht als wirklicher Heizungsersatz, oder täusche ich mich? Daraus jetzt ein riesiges Problem zu machen halte ich für unsinnig. Ich kann mich noch daran erinnern, dass alle Leute in unserer Gegend Braunkohle verheizten, das war nicht angenehm, aber wir haben es trotzdem überstanden.

  3. Redaktion

    Nach den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes ist der Ölverbrauch für die Hausheizung in den Jahren 2000 bis 2007 um fast ein Drittel zurückgegangen, der Einsatz von Brennstoffen wie Holz hingegen um gut 20 Prozent deutlich gestiegen. Prima für das Klima, schlecht für die Gesundheit, weil die Schadstoffemissionen dadurch deutlich steigen. Lösen könnte dieses Dilemma zwischen Klima- und Gesundheitsschutz eine zuverlässig funktionierende Filtertechnik, die es in der Tat noch nicht auf dem Markt gibt. Derzeit laufen noch Tests, etwa am Technologie und Förderzentrum TFZ in Straubing mit Elektrofiltern, die auf den Schornstein montiert werden. Besonders wichtig zur Reduktion der Emissionen ist neben besserer Technik auch die Aufklärung, wie man Fehler beim Verheizen von Holz vermeidet. Vorbildliche Aufklärung bieten hier die Schweizer unter www.fairfeuern.ch. Überall, wo sichtbarer Rauch aus dem Schornstein quillt und es nach Rauch riecht, werden feuerungstechnische Fehler gemacht und hohe Feinstaubemissionen gehen damit einher. Dieses Phänomen lässt sich insbesondere morgens beim Anfeuern millionenfach in Deutschland zur Winterzeit sehen und riechen. Dass Kaminöfen besonders sauber heizen ist übrigens eine Mär, die Insider gerne verbreiten. Es gibt massive Emissionen beim üblichen Anheizen und jeweils Emissionsspitzen beim Nachlegen von Holz. Auch die Qualität des Holzes spielt eine wichtige Rolle, etwa die Feuchtigkeit, die Dicke der Scheite, teilweise auch die Baumart. Der Verweis auf Daten, die bei optimaler Verbrennung erhoben werden, blendet einen gewichtigen Teil der Realität aus.

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    Der Rauch

    Das kleine Haus unter Bäumen am See.
    Vom Dach steigt Rauch.
    Fehlte er
    Wie trostlos dann wären
    Haus, Bäume und See.

    Bertolt Brecht, Buckower Elegien

    Ja, ist nun der Rauch das Hauptproblem - oder eher die Bevölkerungsdichte...?

    Der Rauch

    Das kleine Haus unter Bäumen am See.
    Vom Dach steigt Rauch.
    Fehlte er
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    Haus, Bäume und See.

    Bertolt Brecht, Buckower Elegien

    Ja, ist nun der Rauch das Hauptproblem - oder eher die Bevölkerungsdichte...?

  4. ein pauschalurteil, das wohl so nicht stehengelassen werden kann! offene feuerstellen mögen wohl gesundheitsschädlich sein, zählen aber zu den primitivsten möglichkeiten, mit holz zu heizen. heutzutage gibt es pelletsheizungen, die sicher den neuersten stand der technik repräsentieren. oder den guten alten kachelofen. dass hausbrand in städten ein problem darstellt, ist aber auch klar. außerdem sollen nach berichten 10% des erdgases durch schadhafte leitungen verloren gehen. ist das kein problem? hauptsache, vor unserer haustüre ist die welt in ordnung, wir sind weltmeister im exportieren von umweltverschmutzung. und auch nicht besser als die usa.

  5. Leider wird in dem Artikel von Hans Schuh der Eindruck erweckt, dass aller Feinstaub vom Holz ausgeht.
    7/8 des Artikels beschäftigen sich allerdings mit der Feinstaubbelastung allgemein und nur ca. 1/8 des Artikels mit der Feinstaubbelastung durch Holzheizungen.

    Holzheizungen an sich sind ein weites Feld.

    Dass hier alte Holzöfen, Kaminöfen und moderne Holzöfen mit Pellet, Hackschnitzel oder Scheitholz über einen Kamm geschoren werden halte ich für fatal und schlicht falsch.
    Fatal, weil dadurch eine aufstrebende und umweltfreundliche Heizenergieversorgung in Misskredit gebracht wird.
    Schlicht falsch, da moderne Holzheizungen scharfen Grenzwerten unterliegen wie sie auch für Öl- und Gasheizungen gelten. Diese Holzheizungen sind es überwiegend die als Ersatz von Ölheizungen, Gasheizungen und alten Holzheizungen eingesetzt werden.
    Sie bringen also kein Mehr an Feinstaub.
    Sie bringen aber sicher ein weniger an zusätzlichem CO2 in der Luft.

  6. Anmerkung zu hohe Temperaturen:

    Desto höher die Temperatur und umso vollständiger die Verbrennung, je mehr NOx wird produziert.

    Übrigens, beim ersten richtig sonnigen Februartag roch es draußen herrlich nach Ozon in Frankfurt. Das, was sich Umweltpolitik nennt, ist nicht nur zum Kotzen, sondern auch zum Sterben.

    Alaaf, nee, dazu ist's zu ernst.

    ~~~ Herr, lass Hirn vom Himmel regnen ~~~

  7. Der Rauch

    Das kleine Haus unter Bäumen am See.
    Vom Dach steigt Rauch.
    Fehlte er
    Wie trostlos dann wären
    Haus, Bäume und See.

    Bertolt Brecht, Buckower Elegien

    Ja, ist nun der Rauch das Hauptproblem - oder eher die Bevölkerungsdichte...?

    Antwort auf "Holzheizen Filter"
  8. Holzweg. Oder auch - a la U. Jürgens:
    Wir haben alles im Griff, auf unserm schönen Kreuzfrahrtschiff...

    Voll Kraft voraus...!

    Erst vorgestern sah ich, an einer Kreuzung, wie wirklich schwarzer Rauch aus dem Schornstein quoll, soviel trost da gleich, im Stau....Da hat wohl jemand so dann gleich sein Müllproblem gelöst - wie das hier im Osten, nach der Wende, ja nicht selten geschah. Müllgebühr gespart, Kohlen gespart - und der CO2-Bilanz tats wohl auch noch gut...!
    Wenn ich mir das so überlebe, müsste man, wenn man wieder stärker auf individuelle Holzfeuerung umsteigen würde, dann wohl Heizungskontrolleure einstellen und auch die Strafen erhöhen.

    Es gibt in unserer Stadt einen Bürger (sogar aus den ABL kommend), sagten mir Nachbarn, der, in unmittelbarer Nähe eines stark bewohnten Hauses seinen Müll sogar offen im Garten verbrennt. Viele Eingaben der Nachbarn haben bisher nichts bewirkt. Ist ja, fast schon, klar, leben wir doch in einem ultrmodernen Rechtsstaat, und da kommt es auf den eine oder andere Himmelsgestank nun auch nicht mehr an...

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