Energiewende im Eigenheim

Mit 2,8 Milliarden Euro subventioniert die Regierung in diesem Jahr den Bau und die Sanierung von Ökohäusern. Wie sich Hausbesitzer im Förderdschungel zurechtfinden

Es sind nicht nur die Banken, die der Staat in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit an die Hand nimmt. Und es sind nicht allein die Gebrauchtwagenhändler, die sich seit Einführung der Abwrackprämie über mangelnde Kundschaft nicht länger beklagen können. Die Bundesregierung verteilt mit ihrem Konjunkturpaket auch 2,8 Milliarden Euro an all jene, die sich ein Haus bauen, das wenig Energie verbraucht, oder ihr Heim so sanieren, dass es nicht mehr so viel verschwendet. Denn Gebäude sind wahre Klimasünder. Heizung und Warmwasser verschlingen allein in Privathaushalten rund 85 Prozent des gesamten Energieverbrauchs, das Einsparpotenzial ist riesig. Und nebenbei erhofft sich die Regierung in der Krise natürlich etwas Belebung auf dem Arbeitsmarkt: Schließlich sichert eine Milliarde Euro, die der Staat im Bausektor investiert, bis zu 25000 Arbeitsplätze im Jahr. Zwar ist das »Green Building«, das ökologische Bauen, in diesen Tagen in aller Munde, doch in der Praxis verheddern sich Privatleute nur allzu oft in einem Geflecht aus Richtwerten, Anträgen und Zuständigkeiten. Wer kann schon ein Passivhaus von einem KfW40-Haus unterscheiden? Verschiedene Ministerien rangeln um die Kompetenzen, so mischt die KfW Förderbank genauso kräftig mit wie die Deutsche Energie-Agentur oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Dabei scheint die Bundesregierung diese Fördermaßnahme klug gewählt zu haben, schließlich entscheiden sich immer mehr Deutsche für die private Energiewende, freilich nicht allein aus altruistischen Gründen, also um den Klimawandel aufzuhalten, sondern wegen der steigenden Energiekosten. Unternehmen jedenfalls, die sich auf den Bau von Ökohäusern spezialisiert haben, können sich vor Aufträgen kaum retten. »Wir erleben seit Jahren eine steigende Nachfrage«, sagt Nina Popp vom Öko-Fertighausanbieter Baufritz. »Das Energiebewusstsein der Leute hat stark zugenommen.« Das Unternehmen aus dem Allgäu hat sich auf moderne Holzhäuser spezialisiert und liefert sie auf Wunsch mit Holzpelletheizung oder Solaranlage. 200 Fertighäuser verkauft Baufritz im Jahr, ab 280000 Euro das Stück.

Private Immobilienbesitzer, die die eigenen vier Wände sanieren wollen, kommen an der KfW Förderbank nicht vorbei. Deren wichtigster Topf, das CO₂-Gebäudesanierungsprogramm, wird seit Jahren stark nachgefragt. Allein im vergangenen Jahr stieg das Kreditvolumen gegenüber 2007 um 50 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Die Richtwerte, die Hausbesitzer erreichen müssen, damit die KfW überhaupt Zuschüsse gewährt, legt die Energieeinsparverordnung fest. Das Regelwerk, das zum Jahresende verschärft werden soll, hat den Deutschen nicht nur Höchstverbrauchsmengen eingebracht, sondern auch den Energieausweis, der den Energiebedarf einer Wohnung dokumentieren soll.

Für Privatleute bietet die Förderbank zwei Varianten: Wer sich einen Kredit besorgt und die Kriterien der KfW erfüllt, erhält einen Tilgungszuschuss von bis zu 12,5 Prozent – also de facto ein zinsgünstiges Darlehen. Oder er wählt die Cash-Version, die einen direkten Zuschuss von bis zu 8750 Euro gewährt. »Je energieeffizienter man saniert, desto mehr Geld erhält man«, sagt KfW-Bauexperte Holger Schwabe.

Wer sich für KfW-Geld entscheidet, braucht allerdings ein wenig Geduld. Erst muss er die Zuständigkeiten durchschauen: Wer das zinsgünstige Darlehen möchte, muss sich an seine Hausbank wenden, Der direkte Zuschuss hingegen muss bei der KfW beantragt werden. Aber zunächst einmal gilt es, das passende Programm zu finden. Das »CO₂-Programm« wendet sich vor allem an Hausbesitzer, die ihren Altbau energieeffizient trimmen wollen. »Wohnraum modernisieren« unterstützt dagegen auch einzelne Baumaßnahmen, etwa den Austausch des veralteten Heizkessels. An klimabewusste Häuslebauer richtet sich »Ökologisch bauen«. Außerdem braucht der Baumeister einen Architekten oder einen Sachverständigen, der die Pläne begutachtet.

»Bauen ist eben eine anspruchsvolle Sache«, sagt Schwabe. Denn am Ende sollte sich ein Umbau auch rechnen. Schließlich kann eine komplette Dämmaktion inklusive neuer Heizung einen sechsstelligen Betrag kosten. »Bis sich eine Sanierung amortisiert«, sagt Hyweon Seo, zuständig für nachhaltiges Bauen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, »können schnell zwanzig Jahre vergehen.«

 
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