Da ist sie wieder, die Gelfrisur mit den straff nach hinten gekämmten Haaren. In den letzten Jahren schien es fast, als sei sie aus der Öffentlichkeit verschwunden und nur noch in ihrem Ursprungsmilieu der Boulevardjournalisten, Türsteher und nahöstlichen Bonvivants anzutreffen.

Mit dem neuen Bundeswirtschaftsminister ist sie ins Scheinwerferlicht zurückgekehrt. Appetitlich schimmert und glänzt es Tag und Nacht auf dem Haupt des Freiherrn Karl-Theodor von und zu Guttenberg. Nur eines stört: Für eine klassische Feuchtfrisur ist das Haar im Nacken etwas zu lang. Und noch etwas irritiert. Es handelt sich um keine der üblicherweise in Adelskreisen bevorzugten Haartrachten. Junge Männer neigen dort eher zu einer nur schwach gebändigten Schüttelfrisur, ausrasiert im Nacken, aber mit langem Deckhaar und Scheitelsträhnen, die immer wieder aus der Stirn vertrieben werden müssen. Vielleicht legt Guttenberg Wert auf das Signal, sich von seiner konservativen Herkunft getrennt und ganz auf die Seite der jungen Fortschrittsfreunde aus dynamischen Aufsteigerkreisen geschlagen zu haben.

Zu einer solchen Botschaft passen im Übrigen auch seine hellen Anzüge und Krawatten, die deutlich der FDP näher stehen als dem oberfränkischen Traditionsmilieu der ländlichen CSU, wo noch die bockige Lodenjacke und dunkle Paisley-Schlipse zu Hause sind. Tatsächlich wird der Politiker Guttenberg nicht müde, ein FDP-nahes Bekenntnis zum Marktliberalismus abzulegen, und es ist ja auch wahr, dass die Gelfrisur, wenn sie nicht im Rotlichtmilieu auftrat, seinerzeit eine Haartracht der New Economy, der Börsenspekulanten und smarten Geschäftemacher war. Aber ist es tatsächlich eine gute, eine politisch erfolgversprechende Idee, im modischen Erscheinungsbild noch einmal an jene Zeit der längst gründlich desavouierten Schlawiner zu erinnern?

Vielleicht ist es aber auch etwas ganz anderes, nämlich spezifisch Münchnerisches. In München, das schon immer die heimliche Hauptstadt der Schlawiner war und bleiben wird, hat sich die Feuchtfrisur junger Männer über alle Krisen hinweg erhalten. Soll man von einer barocken oder einer Casino-Mentalität sprechen? Der Einsatz von Wetgel, der die morgendliche Selbstbeschäftigung fördert, ersetzt womöglich nur die gepuderte Perücke, die im 18. Jahrhundert die Liebe zum männlichen Ego dokumentierte.