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Der PR-Auftritt war Balsam auf die Physikerseelen. »Das Cern ist ein wunderbarer Ort«, schwärmt Tom Hanks, »hier wird Zauber nicht gemacht, hier wird Zauber erklärt.« Vergangene Woche stellte der Hollywoodstar am europäischen Teilchenforschungszentrum in Genf seinen neuen Film Angels & Demons vor, in dem der Vatikan vernichtet werden soll – mit Antimaterie aus dem Cern. Das ist zwar pure Science-Fiction, doch in Genf war man froh über etwas Ablenkung von der rauen Realität.

Denn die Lage am Cern ist wenig zauberhaft. Nach einer schweren Panne im September steht der neue Riesenbeschleuniger LHC seit Monaten still. Immer wieder wurde der angekündigte Neustart verschoben. Das Krisenmanagement des Cern machte dabei denselben Fehler wie so mancher Bankvorstand: Um für Beruhigung zu sorgen, hielt man mit missliebigen Nachrichten hinter dem Berg und propagierte wackelige Gewissheiten, die sich bald als falsch herausstellten. Nun hat der neue Cern-Chef Rolf-Dieter Heuer angekündigt, »Ende September« werde es endgültig losgehen.

Dabei ist noch immer ungeklärt, warum eigentlich eine Verbindung zweier supraleitender Magneten durchschmorte und tonnenweise Kühlflüssigkeit auslief. »Die Evidenz ist evaporiert«, bedauert Heuer. Ob es sich um einen Materialfehler oder menschliche Nachlässigkeit handelte, wird man nie erfahren. Die Beweisstücke sind rückstandslos verpufft. Neue Sicherungssysteme sollen verhindern, dass sich Ähnliches wiederholt.

Unterdessen wittern die Amerikaner ihre Chance, das lange gesuchte Higgs-Teilchen doch noch als Erste zu finden. Denn frühestens im Sommer 2010 wird der LHC gegenüber dem Tevatron-Beschleuniger in Chicago konkurrenzfähig sein. Das Rennen um das sogenannte Gottesteilchen ist also wieder völlig offen. Dabei hat das Cern zumindest in einem die Nase vorn: in puncto Glamour. Im September soll niemand Geringeres den Startknopf des LHC drücken als Tom Hanks.

Weiterführende Links:

Homepage des LHC

Aktuelle Pressemeldung zum geplanten Neustart im September


Workshop in Chamonix, bei dem über den Stand der Reparaturarbeiten diskutiert
wurde


Debatte über die Chamonix-Ergebnisse auf dem Blog "Not even wrong" von Peter
Woit