Urmenschen-Code
Die Gene der Neandertaler sollen bald den Menschen erklären
»Eine philosophische Wende im Verständnis von uns Menschen« sah ein Kollege angesichts der Ergebnisse der Leipziger Max-Planck-Forscher um den Paläogenetiker Svante Pääbo heraufziehen. Pääbo hatte vergangene Woche verkündet, die erste, wenn auch lückenhafte Skizze des Erbguts der Neandertaler erstellt zu haben: 63 Prozent der Erbinformation des Urmenschen und nächsten Verwandten des Menschen seien bereits gelesen.
Es ist ein bemerkenswerter Erfolg, den noch vor einem Jahrzehnt niemand (Pääbo eingeschlossen) für möglich gehalten hätte. Doch die Arbeit ist noch nicht getan. Pääbos Ziel ist weniger, Art und Wesen der Urmenschen zu erforschen. Der als ehrgeizig bekannte Forscher will weit Größeres: das Geheimnis der Einzigartigkeit des Menschen lüften. Worin das biologische Elixier seines überragenden Verstandes besteht, soll eine Art Triangulation der Gendaten von Homo sapiens, Schimpanse und Neandertaler enthüllen.
Das ist eine ungeheure Herausforderung. Pääbo weiß das. Um sie zu bewältigen, hat er sich jetzt mit einer Reihe der besten Spezialisten des Gewerbes zusammengetan. Das Neandertalprojekt ist nun nicht länger ein deutsches, sondern ein globales Unternehmen. Wenn es aber gelingt, ist ein deutscher Nobelpreis sicher. Ulrich Bahnsen
- Datum 19.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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