Film Die Reifeprüfung
Heike Makatsch war das Girlie der Nation. Jetzt ist sie Hildegard Knef – als Hauptdarstellerin in einer großen Kinoproduktion. Wird das deutsche Publikum sie in ihrer neuen Rolle akzeptieren?
Jetzt sind es noch drei Wochen. Dann wird sich entscheiden, ob Heike Makatschs Plan aufgegangen ist. Es wird sich nicht nur zeigen, ob das deutsche Publikum Hilde, die Verfilmung des Lebens der Unterhaltungskünstlerin Hildegard Knef, sehen möchte. Es wird sich auch zeigen, ob aus Heike Makatsch, 37 Jahre alt, dem Ex-Girlie der Nation, ein Filmstar geworden ist, der die Kinosäle des Landes füllen kann.
Sie hat in einigen guten und einigen weniger guten Filmen mitgespielt in den letzten Jahren, aber keine große Kinoproduktion war so ausschließlich auf ihre Person, auf ihren Namen, auf ihr Strahlen zugeschnitten wie Hilde . Sie weiß das, auch wenn sie versucht, den Druck weit weg zu schieben, "lassen Sie uns nicht weiter darüber reden", sagt sie, "ich bin froh, dass ich das alles bislang erfolgreich verdrängt habe". Und fügt leise hinzu: "Ich werde mich diesmal nicht verstecken können. Das ist kein Arthouse-Film, nichts für die Programmkinos. Das Ziel ist, möglichst viele Leute damit zu erfreuen."
Es ist stiller geworden um Heike Makatsch in den letzten Jahren. Sie hat sich nicht oft in der Öffentlichkeit gezeigt, was auch daran lag, dass sie zwei Jahre lang um die Finanzierung von Hilde gekämpft hat. Woche für Woche, Monat für Monat, hat sie andere Angebote abgesagt, weil sie die Hoffnung nicht aufgab, dass es doch noch klappen würde. Eigentlich sollten die Dreharbeiten im Herbst 2006 beginnen, erst im Sommer 2008 war es so weit.
Der Film wird eine Weggabelung in ihrer Laufbahn, "so oder so wird er für mich professionelle Konsequenzen haben", sagt sie. Er wird, um es in der Sprache der Filmbranche zu formulieren, die Frage beantworten, ob Heike Makatsch ein Publikumsmagnet ist oder Kassengift.
In einer bewegenden Szene von Hilde steht Hildegard Knef auf einer Bühne in Berlin und erzählt, sie könne erst jetzt die Frage beantworten, die ihr vor Jahren einmal gestellt worden sei: Wer ist Hildegard Knef? Stellt man diese Frage Heike Makatsch, hört man eine lange, emotionale Antwort und ist zwischendurch verwirrt, weil gar nicht mehr eindeutig ist, ob die Makatsch jetzt nur über die Knef oder auch ein bisschen über sich selbst spricht.
Heike Makatsch sagt über Hildegard Knef: "Sie ist eine Frau, die viele Gegensätze in sich vereint. Immer wenn man denkt, ach, so ist sie, fragt man sich, ob sie nicht doch eine Maske trägt. Immer schimmert etwas durch, was sie noch nicht zeigen will, etwas Trauriges, Verletztes, gar nicht so Starkes, Unsicheres, Geliebt-werden-Wollendes. Andererseits ist sie mutig und tut, was sie für richtig hält."
Und wer ist Heike Makatsch? "Das will ich in keinster Weise beantworten. Das könnte ich auch nicht", sagt sie und sieht ihr Gegenüber an. "Das überlässt man lieber den anderen."
Gibt es einen Schlüssel zu der Frage, wer diese Frau ist, die in der Umfrage einer Boulevardzeitung im vergangenen Sommer zur "beliebtesten Deutschen" gekürt wurde? Heike Makatsch ist früh zur Sprecherin ihrer Generation erklärt worden. Sie war das Girlie der Nation, das sich mit der Frauenbewegung anlegte. Im Alter von 22 Jahren wurde sie 1993 das Gesicht des neu gegründeten Jugendsenders Viva . Ihre Karriere und ihr Privatleben werden seitdem von der Öffentlichkeit verfolgt.
Eine Biografie im Zeitraffer: Moderationen bei Viva und Bravo TV, erste Filmrolle in Männerpension, mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nebendarstellerin bedacht. Später in Doris Dörries Bin ich schön? und in Aimée und Jaguar zu sehen. Dem Fernsehpublikum bekannt durch Die Affäre Semmeling , Das Wunder von Lengede und als Margarete Steiff. Sieben Jahre lang lebt sie in London, liiert mit dem Schauspieler Daniel Craig, der damals noch nicht James Bond war. Seit fünf Jahren wohnt sie in Berlin mit ihrem Freund, dem Musiker Max Schröder von der Band Tomte, dem Vater ihrer zweijährigen Tochter. Ende des Zeitraffers.
- Datum 04.03.2009 - 17:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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Nein, das ist doch Käse! Die Reifeprüfung hat Heike Makatsch längst hinter sich. Oder ist hier das Reifen analog eines Käses gemeint? Dann wäre diese These vertretbar.
Nicht die Stimme, sondern die Persönlichkeit ist entscheidend
Die Makatsch hat schon so viel probiert! Und hat sich auch nicht durch Rückschläge vom Weg abbringen lassen. Wer den Bogen von viva bis Magarete Steiff schafft, der bewältigt auch andere, neue Aufgaben. Und in Hilde hat sie viel investiert. Hat sogar das Singen geübt.
Ella Fitzgerald hat über Hildegard Knef gesagt, sie sei die beste Sängerin, die nicht singen könne.
Sollte Heike Makatsch - wider Erwarten - mit dem Hilde-Film nicht reüssieren, dann würde ich ihr trotzdem sagen wollen, sie sei die beste Schauspielerin, die nicht spielen könne. Aber es wäre nur ein verbogenes Zitat. Die Wahrheit ist auf Zelluloid - und ab dem 12. März 09 im Kino zu sehen.
Würde gerne wissen, wer hier durch die Reihen schleicht... und Kommentare von ganz bestimmten Userinnen und Usern engstirnig-einsternig bewertet.
AnaisAnais hat hier Ihre Meinung zur Schauspielerin Heike Makatsch und zum Filmausschnitt "Hilde" geschrieben. Das muss doch nicht wirklich mit "schlecht" (1 Stern) benotet werden. Steckt dahinter vielleicht Eifersucht oder Neid?
Für Dich, AnaisAnais, soll's heute roten Rosen regnen! Oder schenkt man die gar nicht zum 37. Geburtstag?
Auf jeden Fall die Beste deutsche Schauspielering, die Makatsch! Hübsch auch noch nebenbei.
"Er wird, um es in der Sprache der Filmbranche zu formulieren, die Frage beantworten, ob Heike Makatsch ein Publikumsmagnet ist oder Kassengift."
Sollte nicht auch die Frage gestellt werden, ob das Publikum eine Biographie von Hildegard Knef sehen will?!?
Ich habe einige Ausschnitte gesehen und finde es schade, die Knef so von einem dünnen Ding ohne Leben im Gesicht verhunzt zu sehen. Da wäre, wenn man schon meint, das verfilmen zu müssen, mehr drin gewesen, als Frau Makatsch rein zu pressen und mit viel Werbung zu vermarkten.
Generell halte ich nicht so viel von biographischen Filmen, weil man ja doch nicht an die Personen wirklich nah heran kommt. Es sei denn, wenn die Biographie von verschiedenen Historikern erstellt wurde, dann kann ich vergleichen und mir ein eigenes Bild machen, sonst bleibt vieles vermutet was oft in wirklichkeit ganz anders geschah. Als Moderatorin hatte mir Heike Makatsch bei VIVA oder war es MTV sehr gut gefallen. Auch erst als Margarete Steiff ist sie mir als handwerklich gute Schauspielerin aufgefallen. Dennoch: die Stimme der Knef hatte sowas tiefmelancholisches sehr unverwechselbares, wie soll das gehen, wie kann man sie glaubhaft nachspielen? Und die Knef selbst fand ich als Persönlichkeit nicht so sonderlich beeindruckend um einen Film von ihr sehen zu wollen, vielleicht gibt es da interessante Geschichten um sie herum? Ich denke, mir reicht es Ihre Filme anzuschauen, da fühl ich von ihrer Person mehr als wenn jemand ähnlich aussehender ihre Art und Weise kopieren würde. Soll jetzt Tom Amandes Jimmy Stewart spielen weil er ihm so ähnlich sieht und nahezu die gleiche Stimme hat, soll Brad Pitt Clark Gable nachspielen? Ach ja der wurde ja schon von einem anderen Schauspieler nachgespielt, der inzwischen schon so berühmt geworden ist, daß er wohl auch bald nachgespielt werden wird. Dann wird gezeigt wie er sich schwer tat Clark Gable zu spielen, sowie Gable versuchte wieder einen anderen berühmten Schauspieler nachzuspielen, ach halt, das hat er nicht gemacht. Gott sei Dank! Ja dann solle man ihn schon allein deshalb nachspielen!
Eine filmische Biographie von Napoleon Bonaparte finde ich viel aufregender. Zwischen den Historikern wird es verschiedene Meinungen geben, durch die verschiedenen Filme kann ich dann wie schon anfangs erwähnt, mir selber eine Meinung bilden. Von der Knef wird es aber wohl nicht in naher Zukunft mehrere Filme über sie geben. Ich werde dann keinen Vergleich ziehen können. Darüberhinaus ist sie für mich nicht so interessant. So sehr uns auch Schauspieler faszinieren, mich interessieren sie mehr in der Aktion wenn ich sie als Medium erlebe, wenn sie jemanden nachspielen. Dagegen ist ein Schauspielerleben nicht wirklich interessant, weil er ja nur die interessanten Menschen nur nachspielt aber selber nicht wirklich ein eigenes interessantes "bluterdiges" Leben führt, er ist mehr ein Vermittler, eine biegsame Erscheinung die das wiederspiegelt was sein kann. So sehr uns Schauspieler faszinieren neigen sie uns wenn sie sich zeigen wie sie wirklich sind uns zu enttäuschen. Letztlich ist ein Schauspieler ein luftiges Wesen, daß auf der Bühne, auf den Brettern die die Welt bedeuten, Urlaub von seinem Ich selbst macht, dabei Applaus kassiert und nicht selten anschließend als leere Hülle, darauf hoffend bald wieder jemanden andern spielen zu können, nachhause kommt. Schauspielerei ist eine vornehme, oder auch edle Form des Lügens. Verstehen sie mich nicht falsch. Ich bewundere Schauspieler, wurde selber beinahe einer, habe viele kennengelernt, jedoch gibt es leider Grund genug daß viele Schauspieler ihr wahres Ich vor der Öffentlichkeit lieber verbergen, manchmal auch vor sich selbst. In eine andere Rolle zu schlüpfen wird zur Zuflucht, dann kommt der Applaus, die Akzeptanz des Publikums, aber nur in Verbindung mit der Schauspielerischen Leistung und weniger in Verbindung mit dem was der Mensch wirklich ist. Wenn ohnehin Menschen, die in der Öffentlichkeit standen seelisch indirekt be und verhindert wurden, weil man sie mit neugierigen Blicken durchlöcherte, ihnen den Rückzug zur Anonymität aus Schaulustigkeit schwer machte, blieb ihnen als Gegenwehr dann nichts mehr anderes übrig als die ihnen zugedachte Rolle weiter zuspielen, was ist dann da wirklich so interessant an jenem Öffentlichkeits-Chamäleon, daß ich sein Leben verfilmen muß? Spencer Tracy ist doch unbestritten ein großes Kaliber, der vielleicht beliebteste Mime auf dem Erdball. Tatsächlich war er innerlich zerissen, schwerer Alkoholiker. Die meisten Schauspieler in Hollywood vergötterten ihn so sehr daß ihm die Last nur noch schwerer wurde. Sollen wir nun einen biographischen Film über Spencer Tracy machen? Wer könnte ihn spielen? Dieses beeindruckende Gesicht ist nicht leicht noch einmal auf unserem Erdball zu finden und dann noch bei einem Schauspieler? Und wenn wir dann einen gefunden haben, der tatsächlich genauso ausschaut und genauso spielen kann, wollen wir dann alles über ihn zeigen, so wie er gelebt hat? Wär ihm das auch recht? Hätte die Knef nichts dagegegen nach ihrem Tod mehr über sie als Mensch zu zeigen, auch wenn es gerade das ist, was sie um Gottes Willen niemals von sich der Öffentlichkeit preis geben wollte? Aber macht ja nichts, jetzt ist sie ja tot, sie kann sich nicht mehr wehren. Dennoch wünsche ich der Makatsch alles Gute, schließlich hatte sie für die Realisierung des Filmes viel geopfert und wer weiß vielleicht ist das Leben der Knef doch interessant genug, daß er mir gefallen wird? Dennoch bleib ich skeptisch. Zuletzt gebe ich Napoleon Bonaparte das Schlußwort: "Geschichte ist eine Lüge auf die man sich geeinigt hat."
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