Kaleidoskop KRITIK IN KÜRZE: Benedikt Erenz Johanna Kinkel

Das Buch erscheint unter dem Reihentitel Europäische Komponistinnen – nun, eine Komponistin war sie auch, die erstaunliche Johanna Kinkel; Schumann und Mendelssohn Bartholdy schätzten sie, in den Tagen der Revolution von 1848 gelangen ihr kraftvoll schöne Lieder. Und doch führt’s ein bisschen in die Irre. Denn bekannt wurde sie (und bedeutend bleibt sie) als Parteigängerin der Freiheit, als deutsche Demokratin. Entschlossen stritt die junge Johanna Mockel aus rheinisch-katholischem Bürgerhaus um ihr Glück, wagte, in enger Ehe gefangen, selbst den Weg ins Freie, floh nach Berlin, ließ sich scheiden, feierte Erfolge in den Salons, kämpfte für ein selbstbestimmtes (Frauen-)Leben – und an der Seite ihres zweiten Mannes Gottfried Kinkel schließlich für ein freiheitlich selbstbestimmtes Deutschland. Die Niederlage 1849 traf sie bitter und zwang die Kinkels ins Exil nach England, wo Johanna 1858, erst 48-jährig, starb. Monica Klaus hat eine warmherzige Biografie geschrieben, die Mensch und Zeit lebendig werden lässt; nie pathetisch, sondern empathetisch zeichnet sie das Bildnis einer musikalischen Romantikerin und politischen Avantgardistin.

 
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