Kunstmarkt Gibt noch jemand Geld aus für Kunst von der Straße? Eine Londoner Auktion mit Stücken von Banksy wird es zeigen
Es ist schon merkwürdig, wie die Betreiber des Londoner Auktionshauses Bonhams ihre Street-Art-Auktion am 24. Februar ankündigen: als »Belastungsprobe für Banksy und andere Graffiti-Künstler«. Denn eigentlich weiß man, was Banksy, der seine wahre Identität verbirgt, von derartigen Kunstmarkt-Prüfungen hält. Bereits vor zwei Jahren verkündete er auf seiner Website: »Ich kann es kaum glauben, dass ihr Idioten das Zeug wirklich kauft.« Das war, kurz nachdem ein Sammler bei Sotheby’s für das Sprühschablonen-Bild Bombing Middle England 150000 Euro gezahlt hatte.
Auch wenn es also den Künstler selbst nicht juckt, die Vorsicht bei Bonhams ist verständlich. Wer möchte mitten in der Finanzkrise sein Geld in Kunst von der Straße investieren? Auf die Banker, Aktienhändler und Unternehmensberater, die bis vor wenigen Monaten prominenten Sammlern wie Brad Pitt und Angelina Jolie nacheiferten, ist derzeit wenig Verlass.
Sollten Straßenkünstler wie Banksy, Faile und Shepard Fairey tatsächlich floppen, dann behielte der New Yorker Graffiti-Guru Hugo Martinez recht, der 2007 – auf der Höhe der »Banksymania« – erklärte, dass die Kunstwelt in Graffiti immer nur einen »Trend« sehen könne. »Und Trends dauern nun mal höchstens fünf Jahre.«
Martinez, der als Soziologiestudent Anfang der siebziger Jahre Ausstellungen der frühen Sprayer organisierte, muss es wissen – erlebte er doch, wie gefeierte Aerosol-Künstler wieder in der Versenkung verschwanden. Der Moment, in dem junge Wall-Street-Broker erstmals in besprühte Leinwände investierten, fiel mit dem Aufschwung nach der »Reagan-Rezession« 1981 zusammen. Die Hip-Hop-Euphorie hatte die Graffiti-Kunst in den Mainstream gespült. Unter dem Label »Post-Graffiti« zeigten arrivierte New Yorker Galeristen wie Tony Shafrazi oder Sidney Janis Bilder von Futura 2000, Lady Pink, Rammellzee und Fab 5 Freddy. Bei den Vernissagen begrüßte man sich mit ausgeklügelten Handschlag-Choreografien, wie in der Hip-Hop-Szene üblich. Doch schon 1985, als das New York Times Magazine unter der Überschrift »New Art, New Money« den Graffiti-inspirierten Maler Jean-Michel Basquiat auf den Titel hob, war der Boom vorbei. Der Versuch der Galeristen, Straßenkids als rechtmäßige Erben von abstraktem Expressionismus und Pop-Art zu etablieren, war gescheitert.
Man darf gespannt sein, wie die Geschichte diesmal ausgeht. Wird die Auktion ein Flop, kehren die Sprayer womöglich den Galerien den Rücken. Die beste Street-Art wäre dann wieder auf den Straßen zu bestaunen. Kito Nedo
- Datum 19.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren