Es wird einem ganz mulmig

Götz Hamann, Marcus Rohwetter u. a. »Google weiß, wo du bist« ZEIT Nr. 7

Bei der Aufzählung der bereits regelmäßig von Google erhobenen Daten und der geplanten zusätzlichen Funktionen, die das neue Google-Handy ermöglicht, wird einem sehr mulmig. Page/Brin geht es ums Geschäft. Dem Staat oder Unternehmen auch. Da trifft es sich doch hervorragend, dass der Bürger/Konsument/Angestellte überall kleine virtuelle Tapser hinterlässt, die man auswerten und kontrollieren kann. Die jüngsten Datenskandale bei Telekom und Bahn zeigen, wie anfällig die modernen Datenwelten für Überwachung und Kontrolle sind. Berücksichtigt man zusätzlich die von Journalisten beklagten Einschränkungen der Internetnutzung bei der Olympiade in Peking, erscheint eine Welt à la Orwell nicht mehr weit weg.

Was ist schon eine Ordnungswidrigkeit im Tausch gegen massenhafte fristlose Kündigungen wegen geschäftsschädigendem Verhalten? Weshalb nicht das Google-Handy anzapfen, um nachzusehen, ob der Angestellte während der Arbeitsunfähigkeit tatsächlich nur zum Arzt und zur Apotheke geht? Und warum nicht die Reisegewohnheiten der Bürger kontrollieren, um anschließend die braven Liechtenstein-Touristen von den Zumwinkels zu unterscheiden? Die Macht, die Google durch das ungehinderte und durch den Nutzer unvermeidbare Sammeln privater und persönlichster Daten akkumuliert, ist nicht nur beunruhigend, sondern wird erhebliche Begehrlichkeiten wecken. Persönliche Freiheit und informationelle Selbstbestimmung werden ausgehöhlt, Grundrechte werden mit Verweis auf den großartigen Nutzen des unbegrenzten Zugangs zu Information abgeschafft. Als ob man personenbezogene Daten, Hobbys, Interessen und die Lohnsteuerkarte am Schwarzen Brett aushängen müsste, bevor man Zugang zur Universitätsbibliothek erhielte.

Da mag Herr Page freundlich lächelnd darauf hinweisen, dass er nur im Dienst des Kunden handle und lediglich das Angebot für die Kunden verbessern wolle. Was er nicht sagt, ist, wer seine Kunden sind.

Dr. David Wolff, München

 
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