Legalisieren wir das afghanische Opium!
Andrea Böhm: »Vergesst den Sieg« Zeit Nr. 7
Leider greift die Analyse von Andrea Böhm zu kurz und benennt – weil tabu – die einzig praktikable Lösung nicht. Selber seit zehn Jahren in Hilfsprojekten der Dritten Welt tätig, kann ich beschwören: mehr zivile Helfer werden die Probleme in Afghanistan ebenso wenig lösen wie mehr Soldaten. Nur wenn es gelingt, die finanzielle Basis der Taliban und von al-Qaida zu zerstören, kann das Land befriedet werden. Dazu muss man den afghanischen Bauern das Opium abkaufen, und zwar offiziell, landesweit und tonnenweise, anstatt gelegentlich und halbherzig ein paar Mohnfelder zu verwüsten.
Medizinisches Morphium wird in der Schmerztherapie reichlich benötigt, überschüssiges Opium könnte man schlimmstenfalls vernichten. Mit einem Bruchteil der Kosten für andauernde Militäreinsätze und ohne Blutzoll ließe sich diese gar nicht so revolutionäre Lösung umsetzen. In der Türkei leben Zehntausende Bauern vom legalen Anbau des Schlafmohns, unter staatlicher Kontrolle verdienen sie anständiges Geld und können ihre Familien ernähren. Warum sollte das in Afghanistan nicht funktionieren?
Johannis R. Jappen, Dortmund
- Datum 19.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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