DIE ZEIT: Haben Sie Ihre Sachen gepackt?

Ulrike Gaul: Noch nicht, aber ich bin mittendrin, unseren Umzug zu organisieren. Am kompliziertesten ist es, die Fliegen nach Deutschland zu schaffen.

ZEIT: Die Fliegen?

Gaul: Drosophila melanogaster, unsere Versuchstiere. Da steckt jahrelange Forschungsarbeit drin, verschiedene Mutanten zu züchten. Die ziehen jetzt mit nach München. Und sie müssen im Flugzeug reisen. Eine Überfahrt mit dem Schiff halten die Fliegen nicht durch.

ZEIT: In den USA haben Sie doch Arbeitsbedingungen, von denen deutsche Forscher nur träumen. Warum kehren Sie jetzt, nach zwanzig Jahren, zurück?

Gaul: Die mit der Humboldt-Professur verbundenen Ziele reizen mich sehr: Zum einen soll die Wissenschaft in Deutschland internationaler werden, zum anderen sollen neue Forschungsgebiete entwickelt werden. Da kann ich einiges beitragen.

ZEIT: Was haben Sie vor?

Gaul: Ich möchte zum Beispiel eine Summer School für mein Fach, die Systembiologie, organisieren; da lade ich befreundete Wissenschaftler aus Amerika, Europa, Israel ein. So was gibt es an deutschen Unis noch nicht so häufig.

ZEIT: Was haben die Studenten davon?

Gaul: Das Tolle an dem Preis ist, dass man sehr gute Wissenschaftler mal nicht nur an die Forschungsinstitute holt, sondern an die Universitäten. Ich finde es enorm wichtig, dass die Studenten sehen, wie spannend Wissenschaft ist. In Deutschland kommen solche Kontakte oft zu spät zustande, wenn überhaupt.

ZEIT: Woran liegt das?

Gaul: Hier sind viele Spitzenleute an Forschungsinstituten tätig.

ZEIT: Wären Sie denn auch ohne den Humboldt-Preis zurückgekehrt?

Gaul: Die Ludwig-Maximilians-Universität war schon vorher auf mich zugekommen. Das ist in Deutschland ungewöhnlich. Die normalen Berufungsverfahren sind umständlich und langwierig.

ZEIT: Aber Sie hatten sich noch nicht entschieden?

Gaul: Ich wollte mich erst umschauen. Es gibt ja Gründe, warum ich damals weggegangen bin. Ich habe dann eine richtige Deutschlandtournee gemacht, durch bestimmt zwanzig Institute, und habe mit vielen Forschern gesprochen. Ich wollte wissen: Wie ist es jetzt wirklich?