Forschungsstation Wer trägt den Müll raus?

In der Antarktis haben deutsche Polarforscher die neue Station Neumayer III bezogen. Ein Anruf bei dem Meteorologen Mathias Zöllner

Viele Pakete sind noch unausgepackt, Computer provisorisch installiert, Werkzeugkisten stehen herum. Aber sonst ist Neumayer III jetzt, am Ende des antarktischen Sommers, für das Abenteuer Überwinterung und die wissenschaftliche Arbeit vorbereitet. Mathias Zöllner, Meteorologe und bereits zum zweiten Mal »Überwinterer«, sprach mit der ZEIT am Telefon darüber, wie sich die neue deutsche Antarktisstation anfühlt.

DIE ZEIT: Herr Zöllner, wo sind Sie, und wie ist die Aussicht?

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Mathias Zöllner: Ich sitze im meteorologischen Labor. Das hat vier Fenster in Richtung Südost, wo das schlechte Wetter herkommt. Draußen ist es sonnig, kaum Wind, die Temperatur liegt knapp unter null Grad. Ich schaue auf Schnee, in der Ferne sehe ich die Eisberge in der Atkabucht, wo unsere Versorgungsschiffe anlegen. In einigem Abstand sieht man das luftchemische Observatorium. Das liegt weit weg, damit wir dort reine, von der Station nicht kontaminierte Gase messen können. Dorthin darf man nicht einmal fahren. Die zuständige Überwinterin muss die 1,5 Kilometer täglich zu Fuß zurücklegen.

ZEIT: Und wie halten die anderen sich fit?

Zöllner: Der Sportraum mit Laufband und Fahrradergometer ist noch nicht eingerichtet. Ich selbst muss regelmäßig zum meteorologischen Messfeld laufen. Das ist ein verkabelter Bereich mit einem Messmast, an dem in zwei und zehn Metern Höhe Lufttemperatur und -feuchte, Windstärke und -richtung und die Sonneneinstrahlung gemessen werden.

ZEIT: Gibt es ein Privatleben? Darf man Bilder an die Wand nageln?

Zöllner: Wenn wir Überwinterer in drei Wochen allein sind, hat jeder eine eigene Kammer. Dann packe ich meine Bilder und Fotos aus und klebe sie an die Wände. Mit Nägeln bin ich vorsichtig.

ZEIT: Wird in der Antarktis gelesen?

Zöllner: Im Prinzip ist es wie zu Hause. Manche lesen, andere schauen Video. Aber das erste Jahr in einer neuen Station macht viel Arbeit, weil wir in dieser Phase eine Menge Probleme entdecken und beheben müssen.

ZEIT: Man kann auch an der Bar rumhängen.

Sechs Meter über dem Eis erhebt sich der Außenteil der Sation Neumayer III, in dem es auch eine Lounge mit Panoramablick gibt. In den tiefergelegenen Ebenen ist eine Garage für Schneefahrzeuge untergebracht

Sechs Meter über dem Eis erhebt sich der Außenteil der Sation Neumayer III, in dem es auch eine Lounge mit Panoramablick gibt. In den tiefergelegenen Ebenen ist eine Garage für Schneefahrzeuge untergebracht

Zöllner: Es gibt eine Lounge mit Bar. Normalerweise ist die Aussicht beschränkt, weil um den aus Containern bestehenden Innenbereich herum in drei Metern Abstand eine Außenhaut konstruiert ist. Das hat man in der Lounge anders gemacht – hier ist der Blick kaum gestört.

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    • Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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    • Schlagworte Müll | Polarnacht | Antarktis
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