DIE ZEIT: Maestro Pollini, Sie nehmen seit Jahrzehnten eine Ausnahmestellung im klassischen Musikbetrieb ein. Wir kennen Sie als einen Künstler, der sich durch eine beispiellose Zurückhaltung gegenüber allen Vermarktungsmechanismen auszeichnet. Haben Sie das von Beginn Ihrer Karriere an bewusst so gesteuert?

Maurizio Pollini: Nein, um Gottes willen…

ZEIT: Sind Sie von Natur aus so zurückhaltend?

Pollini: Mag sein.

ZEIT: Kann ein junger Musiker heute noch Karriere machen, wenn er sich so verhält, wie Sie sich verhalten?

Pollini: Ich hoffe, dass es immer noch möglich ist, Karriere aufgrund von Verdiensten zu machen und nicht aufgrund von Äußerlichkeiten.

ZEIT: Gibt es heute wirklich noch den verkannten Künstler?

Pollini: Ja, es gibt auch heute noch Irrtümer in der Berurteilung. Schlechten Künstlern wird oft die Möglichkeit gegeben, rasante Karrieren hinzulegen, während viel Talentiertere Schwierigkeiten haben, auch nur in einen Konzertsaal zu gelangen. Vielleicht war diese Diskrepanz früher nicht so groß.

ZEIT: Haben Sie sich Ihr Repertoire immer selbst aussuchen können?

Pollini: Ich habe mich nie beeinflussen lassen.

ZEIT: Sie mussten nie Konzertveranstaltern oder Schallplattenfirmen nachgeben, die lieber etwas Populäreres im Programm wollten?