Wirtschaftskrise Werdet endlich nüchtern!
Warum Amerikas Eliten in der Krise versagt haben und wie Präsident Obama Vertrauen zurückgewinnen kann. Ein ZEIT-Gespräch mit George Shultz, dem ehemaligen Finanz- und Außenminister der USA
DIE ZEIT: Mr Shultz, für viele Amerikaner – und für Menschen überall auf der Welt – war die Inauguration von Barack Obama ein magischer Moment. Auch für Sie?
George P. Shultz: Präsident Obama erhält eine fast beispiellose Unterstützung; die Leute wollen, dass er Erfolg hat. Die Wahl ist ein weiterer Schritt, die Idee von den Vereinigten Staaten als einer breiten demokratischen Meritokratie zu verwirklichen. Lange Zeit mussten Sie ein protestantischer, weißer Mann sein, um eine Chance zu haben, Präsident zu werden. Inzwischen haben für beide Parteien Frauen kandidiert. Eine Frau war nahe dran, von den Demokraten nominiert zu werden. Und dann wird ein Afroamerikaner gewählt! Jetzt können wir sagen, dass die Hautfarbe kein entscheidendes Kriterium mehr ist. Wir versuchen schlicht, die beste Person, den besten Amerikaner für den Job zu finden – ob er nun schwarz, weiß oder gelb ist, ob Jude, Katholik, Protestant oder was auch immer.
ZEIT: Einige der ersten Entscheidungen Obamas waren ein Bruch mit dem Bush-Erbe: Guantánamo zu schließen, brutale Verhörmethoden zu verbieten.
Shultz: Gemeinsam mit anderen habe ich eine Erklärung unterschrieben, dass wir keine Folter anwenden sollen. Auch John McCain hat hierzu eine sehr klare Haltung gehabt, und ich bin in diesem Punkt immer auf seiner Seite gewesen.
ZEIT: Kann Obama die politische und moralische Glaubwürdigkeit Amerikas wiederherstellen?
Shultz: Wir haben jede Menge Glaubwürdigkeit! Ich laufe nicht herum und mache mir deswegen groß Sorgen. Wir müssen tun, was richtig ist. Wir müssen tun, was funktioniert. Und wir müssen uns dabei an unsere Normen halten. Dann verfügen wir weiterhin über eine Menge Glaubwürdigkeit.
ZEIT: Henry Kissinger hat geschrieben, die Tatsache, dass Barack Obama mitten in einer schweren Finanzkrise ins Amt komme, eröffne »eine einzigartige Gelegenheit für kreative Diplomatie«.
Shultz: Bei der Wirtschaftskrise handelt es sich nicht in erster Linie um eine diplomatische Krise. In der Krise steckt vielmehr die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft und die Weltwirtschaft funktionieren. Um über mein Land zu sprechen: Wir müssen uns fragen, was sind eigentlich die Probleme? Wie sind sie entstanden? Wie weit können wir selber etwas dagegen tun? Natürlich hängt ein Teil unserer Probleme mit unseren Beziehungen zum Rest der Welt zusammen, mit unseren Handels- und Währungsbeziehungen. Die beiden wichtigsten Institutionen der Weltwirtschaft sind der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank. Beide arbeiten auf der Grundlage von Mandaten, die sie am Ende des Zweiten Weltkrieges erhalten haben. Diese sind total überholt! Was uns angeht: Wir haben eine Zeit lang wie wild konsumiert. Wir haben mehr konsumiert als produziert.
ZEIT: Amerika hat über seine Verhältnisse gelebt.
Shultz: Ja, das hat es. Wir müssen zur Ethik des Sparens zurückkehren. Hier kommt die internationale Seite ins Spiel. Denn viele Länder gründen ihren Wohlstand darauf, dass sie mehr exportieren, als sie importieren. Abnehmer dieser Exporte waren die USA. Wenn wir unser Haus in Ordnung bringen, unseren Handel und unsere Zahlungsbilanz ausgleichen, dann müssen eine Menge anderer Leute sich auch anpassen.
ZEIT: Deutsche und Chinesen sollen also weniger sparen und mehr konsumieren?
Shultz: Was soll denn sonst geschehen, wenn Ihre Wirtschaft einen großen Exportüberschuss hat, die Vereinigten Staaten jedoch ihre Bilanz ausgleichen?
ZEIT: Wo sehen Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt die größte Gefahr?
Shultz: Wir sollten uns immer sagen: Denkt nicht nur über Sofortmaßnahmen nach! Denkt an die langfristigen Folgen und versucht, eine Strategie des Wandels zu verfolgen, die sich mit langfristiger Stabilität verträgt.
ZEIT: Haben wir das Schlimmste schon hinter uns? Oder steht es uns noch bevor?
Shultz: Ich beanspruche nicht, in die Zukunft sehen zu können. Ich glaube aber, dass die Situation, in der wir uns befinden, durch armseliges Regierungshandeln herbeigeführt worden ist. Das heißt aber auch, dass man diese Dinge korrigieren kann.
ZEIT: Schlechtes Regierungshandeln in Amerika?
Shultz: Ja. Ich spreche nicht über andere Länder, aber bei ihnen war es ähnlich. Wir hatten eine Phase einer zu laschen Geldpolitik. Die Notenbank hat nicht auf ihren früheren Chef Bill Martin gehört. Der hat einmal gesagt: »Aufgabe der Fed ist es, die Bowle wegzustellen, wenn die Party beginnt.« Wir haben die Bowle zu lange stehen gelassen. Charles Prince hat es auf den Punkt gebracht. Er war Chef der Citigroup, damals unserer größten Bank. »Solange die Musik spielt«, sagte er, »musst du aufstehen und tanzen.« Was ist das nur für eine Geisteshaltung!
ZEIT: Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, die Dinge geraten außer Kontrolle?
Shultz: Ich bin ja gar nicht so sehr in diesem Geschäft zu Hause. Aber man konnte sehen, dass etwas falsch lief. Unsere Finanzinstitutionen haben Geld wie Heu verdient und dabei aus den Augen verloren, was ihre Aufgabe in der Gesellschaft ist. Und was ist ihre Aufgabe? Sie sollen das Schmieröl zur Verfügung stellen, das die Realwirtschaft reibungslos laufen lässt. Die Realwirtschaft, um die geht es.
ZEIT: Wann schwappte die Krise der Finanzmärkte über auf die Realwirtschaft – nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers?
Shultz: So heißt es immer. Aber ich denke, es steckt mehr dahinter. Unsere Leute, die in der Regierung für die Finanzen zuständig sind, sind zum Kongress gegangen und haben dort verkündet: Der Himmel stürzt ein! Wir brauchen 700 Milliarden Dollar, wir können euch aber nicht sagen, wofür wir sie brauchen. Die Botschaft, die ankam, war: Die Lage ist furchtbar, und die zuständigen Leute wissen nicht, was sie tun sollen.
ZEIT: Könnte aus der Krise eine Depression werden wie im Jahr 1929?
Shultz: Das glaube ich nicht. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Was damals geschah, war so viel gewaltiger als alles, was heute zu erwarten ist.
ZEIT: Ist das Zutrauen der Amerikaner in ihre Finanz- und Wirtschaftselite zerstört?
Shultz: Ich glaube, man kann nicht erwarten, dass die Leute, die das Problem geschaffen haben, in der Lage sind, es zu lösen. Man braucht frisches Denken, das Gefühl, dass jetzt Leute von Ansehen und Integrität ans Ruder kommen, Leute, die langfristig denken.
ZEIT: Hat das angelsächsische Modell des Kapitalismus ein Legitimationsproblem?
Shultz: Nein, ich denke, es ist das beste Modell. Wir wissen doch, wie traurig die Alternative ist, die Staatswirtschaft. Funktioniert nicht!
ZEIT: In Europa erleben wir ein Comeback des Staates, Banken werden nationalisiert. Auch in Amerika scheint der Staat zurückzukehren.
Shultz: Das war es, was ich vorhin sagte. Man muss aufpassen, damit das, was man tut, um die unmittelbaren Probleme zu lösen, auch langfristig klappt. Es ist eine Menge Geld in die Banken gesteckt worden; sie sind zwar nicht nationalisiert worden, aber genug Regierungsgeld ist geflossen. Die Citigroup war gerade im Begriff, für 50 Millionen Dollar einen neuen Firmenjet zu kaufen, da hat man ihnen gesagt, lasst das sein. Warum muss ihnen das überhaupt jemand sagen! Werdet endlich nüchtern! Jedenfalls ist es keine gute Idee, dass auf lange Sicht die Regierung Kredite an die Wirtschaft verteilt.
ZEIT: Staatskapitalismus ist also nicht die Alternative?
Shultz: Nein.
ZEIT: Es wird darüber diskutiert, ob es einen neuen Wettbewerb gibt zwischen dem liberalen, marktwirtschaftlichen Modell des Westens und dem autoritären System, das in China oder auch in Singapur ganz gut zu funktionieren scheint.
Shultz: Es ist das Modell des freien Marktes, das uns nach dem Zweiten Weltkrieg diesen erstaunlichen Wohlstand beschert hat. Einfach fantastisch! Es ist zu Exzessen gekommen, die uns derzeit wirklich ernste Probleme bereiten.
ZEIT: Barack Obama hat in seiner Antrittsrede von einem »nagenden Gefühl des Abstiegs in Amerika« gesprochen. Gibt es in den Vereinigten Staaten eine Krise des Selbstvertrauens?
Shultz: Wir haben Massen von fähigen, kompetenten Leuten. Ich hoffe, viele von ihnen finden sich in der Regierung Obama wieder. Unsere Unternehmen, genau wie die deutschen, werden sehr gut geführt, arbeiten sehr tüchtig. Und im Grunde geht es ihnen gut. Wir sind noch immer sehr kreativ. Schließlich bin ich hier an der Stanford-Universität. Schauen Sie sich die Spin-offs an: Hewlett Packard, Google, Yahoo, Cisco, dazu die Biomedizin. Dieser Ort ist eine intellektuell-wissenschaftliche Brutstätte von Ideen.
ZEIT: In jüngster Zeit haben Sie versucht, die Diskussion über die atomare Abrüstung neu zu beleben. Mit Henry Kissinger, dem früheren Senator Sam Nunn und Exverteidigungsminister William Perry haben Sie im Wall Street Journal zwei viel beachtete Artikel über eine »Welt ohne Nuklearwaffen« veröffentlicht. Jetzt scheint die Politik zu reagieren.
Shultz: In Deutschland haben Helmut Schmidt und andere in einem Zeitungsbeitrag unser Anliegen kräftig unterstützt. Und im Weißen Haus hat der neue Präsident Barack Obama eine Website – er ist ein digitaler Präsident! –, auf der unsere Bemühungen ausdrücklich begrüßt werden. Obama sagt dort, er wolle für eine atomwaffenfreie Welt arbeiten. Die Sache kommt also voran. Es ist unser Job als Privatpersonen, den Regierungen zu helfen, wenn sie sich der Sache annehmen. Aber danach ist es deren Baby.
ZEIT: Sie sehen also den politischen Willen, Ihr Anliegen zu unterstützen?
Shultz: Schauen Sie auf Obamas Website! Und der russische Außenminister Lawrow hat vor einem Jahr in Genf eine interessante Rede gehalten, in der er Unterstützung für unsere Idee geäußert hat. Niemand sagt: Was immer sie vorschlagen, ich bin dafür! Es heißt vielmehr: Das ist eine sehr spannende Idee, sie verlangt eine Menge Arbeit; aber wir sind bereit, daran mitzuarbeiten. Wenn die Menschen plötzlich erkennen, aha, die Staatenlenker sind in der Lage, ein ernstes Problem zu erkennen und anzupacken, etwas Konstruktives zu unternehmen, das die Welt sicherer macht, dann werden sie einen Stoßseufzer der Erleichterung tun und sagen, vielleicht gibt es ja doch Hoffnung. Erinnern Sie sich an den alten Cartoon: »Halt die Welt an, ich will abspringen«? Well, die Menschen werden jetzt sagen: Halte die Welt nicht an, ich will draufbleiben! (lacht)
ZEIT: Ende des Jahres läuft das Start-Abkommen aus. Wird es erneuert werden?
Shultz: Es wäre entsetzlich, wenn wir das Abkommen auslaufen lassen würden. In der langen Zeit, in der Russland und die Vereinigten Staaten den Vertrag nun anwenden, ist ein solcher Fundus an Wissen entstanden, wie man Vereinbarungen verifiziert. Das ist entscheidend, um den Abrüstungsprozess fortsetzen zu können.
ZEIT: Es kommt also wieder Bewegung in die Abrüstung und Rüstungskontrolle?
Shultz: Nach dem Ende des Kalten Krieges ist das Thema Nuklearwaffen vom Tisch gefallen. Die Menschen haben es vergessen. Was unsere Artikel vielleicht bewirkt haben: Sie haben die Menschen aufgeweckt und sie ermahnt, dem Abrüstungsthema wieder Aufmerksamkeit zu schenken. Denn wir gehen in die falsche Richtung.
Das Gespräch führte Matthias Nass
- Datum 29.04.2009 - 09:33 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
- Kommentare 30
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Das gehört in die Mottenkiste:
Shultz: Ich bin ja gar nicht so sehr in diesem Geschäft zu Hause. Aber man konnte sehen, dass etwas falsch lief. Unsere Finanzinstitutionen haben Geld wie Heu verdient und dabei aus den Augen verloren, was ihre Aufgabe in der Gesellschaft ist. Und was ist ihre Aufgabe?
Einem "Neuen Denken" gehört die Zukunft !
Für diese Ziele haben Albert Einstein, Josef Rotblat, Carl Friedrich von Weizsäcker, Hans-Peter Dürr und diePUGWASH-Bewegung
http://www.pugwash.org/
jahrzehntelang gekämpft:
ZEIT: In jüngster Zeit haben Sie versucht, die Diskussion über die atomare Abrüstung neu zu beleben. Mit Henry Kissinger, dem früheren Senator Sam Nunn und Exverteidigungsminister William Perry haben Sie im Wall Street Journal zwei viel beachtete Artikel über eine »Welt ohne Nuklearwaffen« veröffentlicht. Jetzt scheint die Politik zu reagieren.
Shultz: In Deutschland haben Helmut Schmidt und andere in einem Zeitungsbeitrag unser Anliegen kräftig unterstützt. Und im Weißen Haus hat der neue Präsident Barack Obama eine Website – er ist ein digitaler Präsident! –, auf der unsere Bemühungen ausdrücklich begrüßt werden. Obama sagt dort, er wolle für eine atomwaffenfreie Welt arbeiten. Die Sache kommt also voran. Es ist unser Job als Privatpersonen, den Regierungen zu helfen, wenn sie sich der Sache annehmen. Aber danach ist es deren Baby.
Von 1974 bis 1982 war George Shultz, Präsident und Direktor von Bechtel.
http://de.wikipedia.org/w...
Seit ihrer Gründung in den 1920er Jahren setzt die Firma ihre enge Beziehungen zu Offiziellen der US-Regierung durch Groß-Staatsaufträge in klingende Münze um. Später führte enge Zusammenarbeit mit der Weltbank zu internationalen Megadeals.
Die maßlose Profitgier des Bechtel-Konzerns demonstriert die Geschichte der Wasserprivatisierung in Cochabamba, einer Halbwüstenregion in Bolivien. 1999 forderte die Weltbank die Privatisierung der kommunalen Wasserwerke von Cochabamba im Rahmen eines Zugeständnisses für International Water, eine Tochtergesellschaft von Bechtel.
Nach Bechtels Übernahme stiegen in der Stadt, in der das Mindesteinkommen weniger als 100 Dollar im Monat beträgt, die Wasserkosten auf 20 Dollar im Monat.
Regen aufzufangen oder Wasserentnahme aus dem Fluß wurde untersagt. Als die Bevölkerung sich mit Generalstreik wehrte, feuerten unbekannte Scharfschützen in die Menge...
"Leasing The Rain"
http://www.pbs.org/frontl...
http://www.newyorker.com/...
ZEIT: Hat das angelsächsische Modell des Kapitalismus ein Legitimationsproblem?
Shultz: Nein, ich denke, es ist das beste Modell. Wir wissen doch, wie traurig die Alternative ist, die Staatswirtschaft. Funktioniert nicht!
Dazu sein Ministerkollege unter Nixon und Reagan, Donald Rumsfeld: "Freie Menschen haben die Freiheit, Fehler zu machen, Verbrechen zu begehen und schlimme Dinge zu tun."
Das Beispiel Irak zeigt: Die Regierung führt Krieg, Bechtel profitiert.
Bechtel: Lizenz zum Plündern
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Wer noch mehr über Bechtel und Co wissen will, kann ja mal "Confessions of an Economic Hit Man" von John Perkins lesen.
Wer noch mehr über Bechtel und Co wissen will, kann ja mal "Confessions of an Economic Hit Man" von John Perkins lesen.
Guten Morgen. Vermutlich ist dieser Artikel keines Kommentars wert, hinsichtlich der Finanzkrise wurde schon viel gesagt.
Allerdings bin ich über den erzeugten Dampf zu verärgert. Shultz scheint zu sein ein Relikt vergangener Zeiten, ein gut trainierter Entertainer, der von Amerika als Weltzentrum und der Wirtschaft als Blasebalg, das man bloß stimulieren müsse, spricht. Der Interviewer kann einem leid tun.
Binnen der letzten Wochen und Monate habe ich Beiträge und Lektüre gelesen, die sich der Materie von einer weniger esoterischen Seite nähert. Aber vielleicht kann Shultz nicht anders, war er doch Finanzminister unter Nixon und Außenminister unter Reagan, demnach ausgerechnet der Ära entstammend, die, soweit ich mich erinnere, aus Angst vor einer Rezession die Deregulierung der Märkte weg von Keynes erst anstieß.
Zudem spricht Shultz davon, dass die Amerikaner mehr konsumiert als produziert hätten. Er beruft sich gewiss auf das Exportdefizit. Aber er macht es sich einfach.
Zwar hatte Herr Joffe vor wenigen Tagen ein Ende der Krise prophezeit, doch ahne ich, dass wenn der Markt beispielsweise der Lebensversicherungen oder eines anderen Finanzpakets, das vergessen wurde, das auch gehandelt wurde, erst einmal zusammenbricht, die Fed, die bei einer gleichzeitigen Verdopplung der Bilanzsumme derzeit eine Eigenkapitalquote von nur 1 oder 2 Prozent aufweist, eine schrittweise Inflation einsetzt, wenn die Fed aus diesen oder anderen Gründen bei Kapitalmangel Geld druckt. Wenn sie das nicht bereits tat. Ohnehin frage ich mich, und leider lese ich hierzu zu wenig, wie die neuen amerikanischen Pakete finanziert werden sollen. Woher noch die Summe für 1.000 Mrd. Dollar, bei einer Wirtschaftsgröße von 14.000 Mrd. Dollar und existierenden Hilfspaketen und nach der größten Übernahme der Wirtschaftsgeschichte (Mae und Mac: Garantien in Höhe von 4.500 Mrd.) aufbringen?
Einmal angenommen, über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren wurde ein gewisses Volumen unsicherer Darlehen vergeben, die wiederum zum Anstieg der Wirtschaft führten. Man könnte nun behaupten, dass ein Teil der Wirtschaft analog zur ersten Wirtschaftskrise nicht den wirklichen Verhältnissen entspricht, über Jahre hinweg wurde mehr produziert, weil mittels eines Darlehen-Booms ein künstliches Konsumvolumen geschaffen wurde, das jetzt kollabiert, da ein Teil der Bevölkerung mittels Darlehen zu einem höheren Konsum angeregt wurde und die Darlehen mit einmal nicht zurückzahlen kann. Hierauf folgt also eine Rezession, bis das tatsächliche Warenverzehrvolumen erreicht wird: auf dem jahrelangen Weg dorthin werden viele Stellen und Fabriken vernichtet.
Dass Glos, ein gewiefter Stratege, seinen Posten aus unprofessionellen Motiven räumt und für den ein Grünschnabel für die Dauer eines Dreivierteljahres eingesetzt wird, entspricht viel mehr der unsicheren Wirtschaftslage als die beschwörerischen Worte eines Shultz. (Und nun gab ich mir auch noch mehr Mühe, als ich wollte; ärgerlich.)
Sich einer Gemeinschaft anschließen, für sie eintreten und persönliche Opfer bringen hat in der Weltgeschichte mit großen Erfolgen bewiesen, wo die Quelle des Fortschritts und eines stabilen Wohlstands ist. Die Geschichte hat für jeden Versuch, selbstherrlichen Einbildungen eine Bresche zu schlagen, schon genug katastrophale Folgen offenbart, dass es nicht mehr die Frage sein kann, ob das verständlich genug war.
Die Frage ist eher: wann werden die illusionären Heilslehren des persönlichen Erfolgs und der Siege über andere endlich die Abfuhr erleben, die ihnen nur eine wirklich zivilisierte Welt geben kann.
Das große Lamentieren über diese existentielle Krise der Profitsucht übertönt momentan noch die vielen Initiativen, wo Menschen füreinander und miteinander planen und vorgehen. Sie werden doch bald die großen Vorteile des Verzichten-könnens sichtbarer als je zuvor unter Beweis stellen können.
Charles Prince hat es auf den Punkt gebracht. Er war Chef der Citigroup, damals unserer größten Bank. »Solange die Musik spielt«, sagte er, »musst du aufstehen und tanzen.« Was ist das nur für eine Geisteshaltung!
Charles Prince hat recht!!
Was bringt es, einsam daneben zu stehen, wenn die absolute Großmacht mit dem Rest der Welt eine tolle Party gibt. Wir haben konsolidiert und auf Teufel komm raus exportiert, haben nun gigantische Überkapazitäten und arbeiten genauso am Rande des Staatsbankrotts wie Amerika u.a.. Nur beim Sekt waren wir nicht dabei. Wir haben lieber dem Konsumverzicht gefrönt. Wozu?? I don't know!
Ausserdem hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass Schulz und sein Amerika niemals irgend so etwas wie schlechtes Gewissen kennen werden. Letztlich sind sie verantwortlich, da eine Party ohne big Amerika nach wie vor nicht möglich ist.
Das gesetzwidrige Verhalten einer ganzen Elite in den USA, von der Kriminalität ihrer Führungsschicht, die Soziologen zufolge dann auftritt, wenn die Elite einer Gesellschaft nicht glaubt, dass die Regeln gelten - für sich selbst gelten.
Gerade deshalb braute sich ein höchst giftiges Gebräu zwielichter Interessen von Privatwirtschaft, Politik und Mafia, von Profitgier und Gangstertum zusammen.
Superreiche Wirtschaftsbosse mit besten Verbindungen zu skrupolosen Politiker Geheimdiensten undm Militärs haben uns das wirtschaftliche Desaster hinterlassen.
Wir können nur hoffen, das Obama um diese Gefahr weis und sich nicht von diesen finsteren Gestalten an die Kette legen läßt
Habe aber so ein ungutes Gefühl, dass seine Gegner bereits auf ihrer todbringenden Lauer im Hinterhalt liegen.
Einige Sätze aus - Barry und die Boys
(Autor:Daniel Hopsicker)
ihr zitat
"Wir können nur hoffen, das Obama um diese Gefahr weis und sich nicht von diesen finsteren Gestalten an die Kette legen läßt
Habe aber so ein ungutes Gefühl, dass seine Gegner bereits auf ihrer todbringenden Lauer im Hinterhalt liegen"
erinnert mich sehr stark an eine sehr weitverbreitende redensart während
des dritten reiches , dieser lautet "wenn es der führer wüsste "
ihr zitat
"Wir können nur hoffen, das Obama um diese Gefahr weis und sich nicht von diesen finsteren Gestalten an die Kette legen läßt
Habe aber so ein ungutes Gefühl, dass seine Gegner bereits auf ihrer todbringenden Lauer im Hinterhalt liegen"
erinnert mich sehr stark an eine sehr weitverbreitende redensart während
des dritten reiches , dieser lautet "wenn es der führer wüsste "
Alles Bilderberger
Insofern ist Nass hier nur Stichwortgeber für seinen Kumpel...
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
"ZEIT: Hat das angelsächsische Modell des Kapitalismus ein Legitimationsproblem?
Shultz: Nein, ich denke, es ist das beste Modell. Wir wissen doch, wie traurig die Alternative ist, die Staatswirtschaft. Funktioniert nicht!"
Fiktives Interview mit Ludwig dem 16., ca. 1780.
TEMPS: Hat das französiche Modell der Monarchie ein Legitimationsproblem?
Ludwig XVI: Nein, ich denke, es ist das beste Modell. Wir wissen doch, wie traurig die Alternative ist, die Demokratie. Ist in Griechenland und Rom gescheitert, und seit 1700 Jahren zu Recht vergessen. Funktioniert nicht!
TEMPS: Demokratie ist also nicht die Alternative?
Ludwig XVI: Nein.
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