George P. Shultz – Mann für alle Ämter An den Wänden hängt eine Fotorevue seiner Regierungsjahre. George P. Shultz mit Nixon und Reagan, mit Deng Xiaoping und Gorbatschow, mit Johannes Paul II. und mit Helmut Schmidt. Und tanzend mit Nancy Reagan! Dazu eine Titelseite der New York Post , deren Schlagzeile Libyens Staatschef Gadhafi warnt: »You had it … Pal!«◗ ◗ ◖Shultz ist immer noch eine imposante Erscheinung, auch mit 88 Jahren. Groß gewachsen, aufrecht betritt er den Konferenzraum im zweiten Stock der Hoover Institution. Hier, in der konservativen Denkfabrik auf dem herrlichen, weitläufigen Campus der kalifornischen Stanford-Universität, arbeitet er seit 1989, seit mit der Regierung Reagan auch seine Amtszeit als amerikanischer Außenminister endete.◗ ◖Was für eine Karriere: Dissertation am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Wirtschaftsprofessur an der Universität Chicago, Berater Eisenhowers, Kennedys und Johnsons. 1968 beruft Richard Nixon ihn zum Arbeitsminister, macht ihn 1972 zu seinem Finanzminister. Die Watergate-Affäre bringt die beiden auseinander, Shultz wechselt an die Spitze des Baukonzerns Bechtel nach San Francisco, wo er bis heute wohnt. Unter Ronald Reagan kehrt er nach Washington zurück, ist von 1982 bis 1989 Außenminister. Es sind Jahre des Umbruchs, das Ende des Kalten Krieges zeichnet sich ab. ◗ ◖Kein Regierungsamt, das man dem pragmatischen Republikaner in Washington nicht zugetraut hätte. Henry Kissinger schrieb über ihn: »Wenn ich einen Amerikaner nennen sollte, dem ich die Nation in einer Krise anvertrauen würde, es wäre George Shultz.«◗ ◖Vor 20 Jahren hat Shultz die Regierung verlassen – aber einfach immer weitergearbeitet. Gerade erst hat er ein Buch zur Gesundheitsreform herausgegeben. Am Tag nach unserem Gespräch wird er in Richtung Washington fliegen, um eine Studie über die atomare Abrüstung vorzulegen. Kein Thema liegt ihm mehr am Herzen. Nicht weniger als »eine Welt ohne Nuklearwaffen« ist sein Ziel, dem er sich mit den alten Weggefährten Henry Kissinger, Sam Nunn und William Perry verschrieben hat. Und die Welt merkt auf, in Washington und nun auch in Berlin. Sie haben noch etwas zu sagen, die Alten. ◖Matthias Nass◗
- Datum 19.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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