Spielen Lebensgeschichte
Vorzeitig für volljährig erklärt, übernahm der stattliche junge Mann das heruntergekommene Erbe seiner Eltern. Er zog einen lukrativen Weinhandel auf, brachte es zu bescheidenem Wohlstand und pflegte als Markenzeichen ein männliches Attribut. Er war traditionsverhaftet, streng kirchengläubig, mit seinen Landsleuten einig in der Ablehnung aufgeklärter Reformen, sonst aber eher unpolitisch.
Die großen politischen Auseinandersetzungen berührten ihn erst, als neue Landesherren rücksichtslos Neuerungen einführten. Als zudem die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung schwand, wuchs die allgemeine »Erregung«. Gelöbnisse des angestammten Souveräns, er werde seine Exuntertanen nach Kräften unterstützen, bestärkten den (selbst) »ernannten Kommandanten«, gegen die verhasste Fremdherrschaft ins Feld zu ziehen. Die ersten militärischen Erfolge und die Demütigung eines als unbesiegbar geltenden Gegners wurden mit Massenbesäufnissen gefeiert. Während der Kämpfe, die seine Truppen todesmutig mit überraschender Taktik führten, hielt sich der Kommandant allerdings im Hinterland auf. Bemüht, den Überblick zu behalten, gab er pathetische Befehle und bewies, dass er ein schlechter Stratege war.
Sein Drama begann, als der alte Landesherr endgültig unterlag und er von einem Gegner angegriffen wurde, der das ansteckende Beispiel eines Volksaufstandes schnell und brutal aus der Welt schaffen wollte. Noch einmal bewährten sich Taktik und Moral der Aufständischen in der Schlacht. Ihr kurzes Regiment in der Landeshauptstadt allerdings hinterließ blankes Chaos: Der Kommandant, nun »Verwalter« des für seine Landsleute allein legitimen Souveräns, reinigte die Universität und die Schulen von aufgeklärten Lehrern, verbot Tanzfeste und Bälle, ließ sogar die Wirtshäuser während der Gottesdienste schließen. Da er Waffenstillstand und Friedensschluss missachtet hatte, geriet er endgültig zwischen die Mahlsteine. Verzweifelt und verwirrt, schrieb er flehentliche Briefe an seine alten Vertrauten im ehemaligen Herrscherhaus. Immer häufiger alkoholisiert, wurde er zur tragischen Handpuppe eines religiösen Fanatikers und eines Psychopathen. Noch einmal zogen seine Leute in die Schlacht, nach der Niederlage stoben sie in alle Winde davon, und er befahl die Einstellung der Kämpfe.
Einen letzten sinnlosen Aufruf zum Widerstand diktierte ihm ein radikaler harter Kern, doch im ersten Winterschnee war alles vorbei. Er weigerte sich zu fliehen und zog sich in ein Versteck zurück. Dort betete er stundenlang und trank unmäßig, eine Abordnung von Priestern hielt er gar für Abgesandte des Teufels. Er wurde gefangen genommen, nachdem ein Bauer seinen Zufluchtsort verraten hatte, und unter Trommelwirbeln und klingendem Spiel durch die alte Residenzstadt getrieben.
Ein Gericht, das nicht zuständig war, verurteilte ihn zum Tode, am nächsten Morgen wurde der spätere Held für alle Fälle hingerichtet. Wer war's?
Wolfgang Müller
Lösung aus Nr. 8:
Astrid Lindgren, geborene Ericsson, 1907 bis 2002, arbeitete als Sekretärin und Lektorin und wurde dann zur weltberühmten Kinderbuchautorin. Sie erfand Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter und viele andere Kinderhelden. 1999 wählten ihre Landsleute sie zur »beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts«
- Datum 02.04.2009 - 14:29 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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