Spielen Schach
William Shakespeare lässt im Wintermärchen einen alten Schäfer sagen: »Ich wollte, es gäbe gar kein Alter zwischen 10 und 23 oder die jungen Leute verschliefen die ganze Zeit: Denn dazwischen ist nichts, als den Dirnen Kinder schaffen, als die Alten ärgern, als stehlen und prügeln.«
Gelegentlich scheint es davon Ausnahmen zu geben: Der mittlerweile 18-jährige Magnus Carlsen aus Norwegen hat nämlich zu alldem gar keine Zeit. Sein erklärtes Ziel ist es, Schachweltmeister zu werden. Jugendliche Hirngespinste? Der Weltmeister Viswanathan Anand jedenfalls kann sich einen anderen als Carlsen kaum als seinen Nachfolger vorstellen.
Bereits als Dreikäsehoch verblüffte Magnus alle mit seinem außerordentlichen Gedächtnis. Doch der unerbittliche Zahn der Zeit nagt bereits an diesem. Magnus: »Mein Erinnerungs- vermögen nimmt schon ab – eine Folge des Älterwerdens. Ja, wirklich!«
Nun, solange es noch zum Schachweltmeister reicht, hält sich der Schaden wohl in Grenzen. Anand warb eine Zeit lang für Gedächtnispillen, Magnus tuts für Omega-3-Fettsäuren, angeblich ja auch eine Wohltat für Körper und Geist.
Sollte er etwa beim Bundesligakampf für seinen Club Baden-Baden gegen den Polen Socko von Berlin-Kreuzberg im Dezember seine Pille nicht eingenommen haben?! Oder ist es doch schon das fortgeschrittene Alter? Wie auch immer, als Weißer landete er in dieser beklagenswerten Stellung. Wie gewann Socko als Schwarzer am Zug unter Ausnutzen des Zugzwangs?
Helmut Pfleger
Lösung aus Nr. 8:
Opfermutig brachte Weiß am Zug siegbringend einen seiner Bauern zu einer neuen Dame durch. Wie? Nach dem doppelten Bauernopfer
1.a5! bxa5
(sonst 2.a6)
2.b6! cxb6 3.d6
macht dieser Freibauer das Rennen und verwandelt sich vor dem schwarzen a-Bauern in eine neue Dame – auch der schwarze König kann ihn nicht mehr aufhalten
- Datum 02.04.2009 - 14:29 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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