USA ... und wir sind schuld
Bankrotte Staaten, stürzende Regierungen, Aufruhr überall - Washingtons Vordenker zeichnen ein bedrohliches Bild von der Welt in der Krise

© Mario Tama/Getty Images
Krisenzeiten: Vor der Börse in New York, Februar 2009
Washington DC - Haben Sie wirklich gerade gesagt, die Wirtschaftskrise gefährde den Weltfrieden?«, fragten die Senatoren Amerikas neuen Geheimdienstchef. »Ja«, erwiderte Dennis Blair während seiner Anhörung. In einer Expertenrunde vor dem Auswärtigen Ausschuss zielte Senator John Kerry in dieselbe Richtung: »Ist die Wirtschaftskrise Ihrer Meinung nach tatsächlich bedrohlicher als der Terrorismus?« – »Ja«, antworteten fünf einvernommene Ökonomen und Politikwissenschaftler nachdrücklich. Bankrotte Länder, stürzende Regierungen, Arbeitslosenheere, Aufruhr, Handelskämpfe und Kriege dominierten die Prognosen. Kein Land bleibe verschont, doch am schlimmsten treffe es die Ärmsten. Sinkende Rohstoffpreise, schrumpfende Exportchancen und sündhaft teure Kredite – das sei »die Formel für den Niedergang«, erklärte ein Harvard-Professor.
In der Expertenrunde im Raum 419 des Senatsgebäudes Dirksen konnte man das Fürchten besonders gut lernen. Nur wenige Zuhörer durften lauschen, Saaldiener zogen die schweren Brokatvorhänge zu und sperrten die Wintersonne aus. Nichts sollte die Runde ablenken. In der Mitte saßen rund um dunkle Eichentische drei Senatoren und die Experten aus Universitäten und Denkfabriken. Mit straffer Hand dirigierte Senator John Kerry, der gern selbst neuer Außenminister geworden wäre, die Fragestunde. Sobald einer der Professoren sich in Wolkigkeit verlor, unterbrach Kerry: »Bitte bleiben Sie konkret! Wo sind Ihre Beweise für die Gefahren? Wir wollen es genau wissen!«
Die Fachleute reichten Blätter mit Zahlen und schwindelerregenden Kurven herum. Ihr werde ganz schwarz vor Augen, bemerkte eine Senatorin angesichts der Nachrichten aus Europa und Asien. Im Stakkato trugen die Professoren vor: Island ist ruiniert und hoch verschuldet in Moskau, weil westliche Verbündete die Hilfe verweigerten. Russland winkt mit Geld und macht sich trotz sinkender Öl- und Gaspreise und schwindender Devisenreserven seine Nachbarn gefügig; Kirgistan zum Beispiel erhielt soeben eine Geldspritze und schließt im Gegenzug den amerikanischen Stützpunkt für Afghanistanflüge.
Osteuropa befürchtet den Kollaps, weil seine Exportmärkte zusammenbrechen. Libyen rettet europäische Banken. EU und Euro stehen vor einer Zerreißprobe. Griechenland, Portugal, Italien, Spanien und Irland, meinten die Experten, könnten nicht mehr lange im europäischen Feld mithalten, Spaniens Arbeitslosigkeit sei bereits von acht auf 14 Prozent geschnellt und werde bis Ende des Jahres wahrscheinlich auf 18 Prozent steigen. »Das muss eine junge Demokratie erst einmal aushalten können«, so der Harvard-Politologe.
Überdies: In Japan sinkt der Export um 30 und die Industrieproduktion um zehn Prozent, Hightech- und Autobranche entlassen Zehntausende, der Finanzminister musste soeben zurücktreten. In Südkorea ist die Lage ebenso verheerend und eine Besserung nicht in Sicht. Laut der Experten müsse China seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von dreizehn auf sechs Prozent reduzieren, alles unter acht Prozent sei schlimm, Millionen von Wanderarbeitern würden keine Anstellung mehr finden. Die Wut auf Amerika als den Verursacher der Krise werde wachsen. In dieser Woche will Außenministerin Clinton versuchen, die Wogen in Asien zu glätten.
Schließlich: Das Erdbeben auf der Wall Street hat Pakistans kleine, aber wichtige Mittelschicht unter sich begraben. In Indien, in Ägypten, in Iran und im Gaza-Streifen wächst das Heer arbeitsloser junger Männer. Weltweit verschwinden gegenwärtig etwa 50 Millionen Jobs. Die Folgen, wurde den Senatoren erläutert, seien offenkundig: Extremismus, Hungeraufstände, Unterdrückung, alte und neue Kriege. In Kongo und Sri Lanka zum Beispiel seien die Kämpfe erneut wieder heftig aufgeflammt. Eine gutes Viertel aller Regierungen rund um den Globus sei bereits in Bedrängnis geraten. Im Angesicht des Volkszorns würden vielerorts Bürgerfreiheiten beschnitten. In Wladiwostok gehe Russlands Polizei schon seit Monaten brutal gegen Demonstranten vor, die gegen höhere Steuern für Importautos protestierten.
»Und was, wenn inmitten des Chaos Nordkorea und Iran die Atombombe bauen?«, fragte Kerry dazwischen. »Wir können da nicht beruhigen«, lautete die Experten-Auskunft, »manche Staaten werden mit dem Feuer spielen. Und in der Weltwirtschaftskrise verlieren leider auch die Löschzüge an Kraft.« Die Geschichte zeige: Statt gemeinsam zu handeln, denke jeder nur noch an sich selber. Dieser Egoismus sei hochgefährlich. In Großbritannien gingen bereits Tausende auf die Straße und forderten »Arbeit nur für Briten«, und Amerikas Regierung würde mit dem Geld aus ihrem Rettungsplan am liebsten nur nationale Firmen und Produkte bedenken. »Wir steuern auf neue Handelskriege zu«, warnen die Ökonomen im Raum 419.
»Noch mehr Kriege?«, bemerkte John Kerry einigermaßen deprimiert, klopfte auf den Tisch und schloss die Sitzung. Auf dem Flur steckten alle für einen kurzen Moment die Köpfe zusammen. Ein Teilnehmer bemerkte ironisch: »Vielleicht sollten unsere Nachrichtensatelliten statt Raketenstellungen lieber die nationalen Wirtschaftslagen beobachten.« Dann eilten Kerry und die beiden anderen Senatoren von dannen. Sie mussten über Amerikas 780 Milliarden US-Dollar teuren Sanierungsplan abstimmen.
- Datum 29.04.2009 - 09:33 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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Experten und Wissenschaftler haben ein Bild gemalt, das sehr, sehr düster ist. Was auffällt, sind die dünnen Indizien für die kataklysmische Entwicklung in diesem Artikel. Ich halte es mit Kennzahlen.
Beispiel 1:
Wichtig ist der inländische Konsum. Die privaten Konsumausgaben von 1380 Mrd. € verschwinden nicht von heute auf morgen von der Bildfläche. In diesem Umfange werden Produktionskapazitäten gebunden bleiben und auch Personal und damit Arbeitnehmer benötigen. Die Konsumausgaben des Staates im Umfange von 440 Mrd. € sind ebenfalls nachfragewirksam und können nicht einfach so reduziert werden.
Beispiel 2:
Nazideutschland war gerade untergegangen. Das Land begann damals wieder aufzusteigen aus Trümmern, hatte Eingliederungslasten zu tragen und stellte dennoch einen Mindestkonsum sicher. Es kam damals nicht zu Hungerunruhen und Revolten.
Diese beiden Beispiele zeigen, es kommt immer anders und viel disziplinierter als Wissenschaftler und Experten denken. Der Otto-Normal-Verbraucher ist pragmatisch und passt sich auch widrigen Gegebenheiten schnell an. Ich bin mir ganz sicher, dass in schweren Zeiten - wie in diesem Artikel beschrieben - Solidarität und Leistungsbereitschaft sich gegenseitig befruchten.
Unsere Experten und Wissenschaftler in Deutschland geben Jahr für Jahr Gutachten ab, die dann das Papier kaum wert sind, auf dem die Szenarien beschrieben sind. Unsere Politiker tun gut daran, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was uns die Wissenschaft letztlich anbietet. Es gibt nun einmal kein Frühwarnsystem für Entwicklungen. Wir müssen auf Entwicklungen vorbereitet sein und richtig handeln, wenn es geboten ist.
Et küt, wie et küt - Prozesse kann man nicht aufhalten. Man darf jetzt nicht zu schnell sein Pulver (Schuldentätigkeit und Steuersenkungen ) verschießen.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
…würden jetzt an die erste Weltwirtschafskrise, an die Große Depression erinnern. Sie würden sagen, dass die Krise Hitler an die Macht brachte, dass der den Zweiten Weltkrieg in Gang setzte. Und sie würden Jean Jaurès, den französischen Sozialisten und Historiker zitieren: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“ Was natürlich in dieser Gewissheit nicht stimmt. Es hieße besser: „Der entfesselte, finanzmarktgetriebene Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“ Kriegsähnliche Zustände könnten aber vermutlich nur in solchen Ländern entstehen, die ohnehin schon arm sind und in denen die Arbeitslosigkeit dann auf Raten der Weimarer Republik (40–50 %) ansteigt.
„Der entfesselte, finanzmarktgetriebene Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“
der Kapitalismus ist immer entfesselt! Regierungen haben (wenn sie überhaupt wollen), nicht die Kraft dem Finanzkapital Fesseln anzulegen. In Deutschland ist es nicht mal möglich, Steueroasen trockenzulegen! Wir lassen uns von Lichtenstein auf der Nase rumtanzen! Wie sollen da dem globalen Finanzkapital Fesseln angelegt werden? Wenn sich die Chance auf Profit ergibt, finden sich auch immer Leute, die auch zugreifen.
„Der entfesselte, finanzmarktgetriebene Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“
der Kapitalismus ist immer entfesselt! Regierungen haben (wenn sie überhaupt wollen), nicht die Kraft dem Finanzkapital Fesseln anzulegen. In Deutschland ist es nicht mal möglich, Steueroasen trockenzulegen! Wir lassen uns von Lichtenstein auf der Nase rumtanzen! Wie sollen da dem globalen Finanzkapital Fesseln angelegt werden? Wenn sich die Chance auf Profit ergibt, finden sich auch immer Leute, die auch zugreifen.
...Expertenrunden dazu zu sagen. Brauche ich immer die Amerikaner, um die Weltlage einmal realistisch einzuschätzen.
Noch besser: Können wir in Berlin oder Brüssel einmal sogar die Weltlage einschätzen, bevor uns die Amis in den verdammten Schlamassel reißen.
Nicht von gigantischen Boni erblindete Finanzexperten haben mit Sicherheit die Katastrophe gesehen. Wieso wurden die Spekulationen ohne Eigenkapital und außerhalb der Bilanzen nicht rechtzeitig verboten??????????????????
Genau! Weil keine amerikanische Expertenrunde dies empfohlen hatte.
Der uralte und nervige Lehrer-Spruch: "Selber Denken macht schlau", scheint bei den europäischen "Eliten" keine Bedeutung mehr zu haben. Sie brauchen ihre Sufleure aus Amerika. Prost Mahlzeit, kann ja richtig lustig werden mit diesem Europa...
Hochmut kommt vor dem Fall, würde ich das nennen ...
Viel zu viele US-Dollar seit Jahrzehnten und ein "Draufloskonsumieren" der USA machte aus einer Leitwährung längst ein Spielwährung.
Ein neue sichere Währungs-(Säule) hätte der EURO werden können, wenn weniger "Globalosierungswahn" und mehr soziale "Stabilität" - heißt bessere soziale Balance im Fokus dieser "neuen Leitwährung" gestanden hätte.
Aber all' die schlauen Bänker und die in den Medien zu Hauf präsentierten "Finanzgenies" wußten nur einen Rat, lasst das Rad laufen - konkret, tauscht eure Werte weltweit ein (am besten gleich die EUROS) gegen DOLLARS. Fragt sich nur woher kamen diese tollen Initiativen - wer hatte den Nutzen davon.
O.K. das Spielgeld lohnt inzwischen schon nicht mehr den "Spieleinsatz echten Geldes" da hilft es nicht, immer mehr Spielgeld "draufloszudrucken". So denkt eben eine "Elite gewachsen in einer Konsumgesellschaft": Haben wir das neue XYZ- Produkt noch nicht, kaufen wir es - haben wir kein Geld mehr "drucken wir welches".
Schlimm ist's nur für die, die gar nicht erst an das Spielgeld drankommen, denen man vorgaukelt, das Spielgeld ist echtes Geld und das kann man nicht durch Arbeit bekommen. Gesellschaftsordnungen die das Recht auf Arbeit, und das zu angemessenen Lebensbedingugen, mit Füßen treten müssen sich nicht wundern wenn zurück getreten wird.
Die Adoptierung des Euro als Leitwährung oder als Ölwährung war bislang noch nie eine reale Möglichkeit, sondern lediglich eine politische Parole. Wer darauf hereinfiel, wie Ahmadinedschad, der seine Öldollars tatsächlich in Euro umtauschte, verlor 25% seiner Milliarden. Inzwischen fließt das Geld weltweit zurück in den Dollar, und zwar sogar ohne Zinsen.
Die Adoptierung des Euro als Leitwährung oder als Ölwährung war bislang noch nie eine reale Möglichkeit, sondern lediglich eine politische Parole. Wer darauf hereinfiel, wie Ahmadinedschad, der seine Öldollars tatsächlich in Euro umtauschte, verlor 25% seiner Milliarden. Inzwischen fließt das Geld weltweit zurück in den Dollar, und zwar sogar ohne Zinsen.
„Der entfesselte, finanzmarktgetriebene Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“
der Kapitalismus ist immer entfesselt! Regierungen haben (wenn sie überhaupt wollen), nicht die Kraft dem Finanzkapital Fesseln anzulegen. In Deutschland ist es nicht mal möglich, Steueroasen trockenzulegen! Wir lassen uns von Lichtenstein auf der Nase rumtanzen! Wie sollen da dem globalen Finanzkapital Fesseln angelegt werden? Wenn sich die Chance auf Profit ergibt, finden sich auch immer Leute, die auch zugreifen.
Wenn sich die Chance auf Profit ergibt, finden sich auch immer Leute, die auch zugreifen.
Dann heißt es : der ist ein cleverer Geschäftsmann! - und wer möchte das nicht sein?
Wenn sich die Chance auf Profit ergibt, finden sich auch immer Leute, die auch zugreifen.
Dann heißt es : der ist ein cleverer Geschäftsmann! - und wer möchte das nicht sein?
Wenn sich die Chance auf Profit ergibt, finden sich auch immer Leute, die auch zugreifen.
Dann heißt es : der ist ein cleverer Geschäftsmann! - und wer möchte das nicht sein?
dat et küt wie et küt - ist gewiss eine Weisheit.
Dass jetzt auf einmal der Inlandmarkt wichtig ist - nach der ganzen Globalisierungs-Hysterie - wäre eine Hoffnung - wären da nicht zu viel extrem niedrige Löhne ... und die wieder steigenden Arbeitslosen.
Aber Geld kann man ja drucken - wie wir gesehen haben. Nur die Kleinen werden das am eigenen Leib zu spüren bekommen -so lange wie sie das eben aushalten.
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