Dessous Geblümtes!

Was trägt Deutschland drunter? Die Dortmunder Schau »Wäsche und mehr«

Tief Quinten hat Deutschland am Wochenende in Schnee und Eis gelegt, aber in Dortmunds Westfalenhalle ruft »Wäsche und mehr«, die Messe für Dessous und Bademoden. Gegensätzlicher geht es kaum: Draußen schafft man keinen Meter ohne Mütze und Schal, drinnen warten Bikinis und Höschen.

Bei aller Lebenslust, die das Thema verspricht – hier herrscht die Nüchternheit von Einkauf und Verkauf. Man ist sich einig: »Fein abgestimmte Blumendrucke sind im Kommen.« Denn in wirtschaftlicher Unsicherheit wächst die Sehnsucht nach Romantik. Sind die Aussichten nicht rosig, sind es die Motive. »Zarte Pudertöne« schonen die Netzhaut. Und die Herren? Schlüpfen in die Ganzkörper-Unterwäsche, den »Long John«, gemustert im Schottenkaro oder im Hahnentritt. Die Botschaft: Warm anziehen! Wie seltsam, ist doch die Traditionsmarke Schiesser gerade in die Hose gegangen.

Zwischen beerentönigen Push-ups und gestreiften Schlafanzügen schaut sich Ada Wolters um. Sie betreibt ein Wäschegeschäft in Iserlohn. Läuft das? Also, die Krise sei bei ihr nicht zu spüren. Ihr Geschäft bediene ein gehobenes Segment an Stammkunden – da müsse sie vor allem individuell beraten und aussuchen.

Ist die Messe da wichtig? »Ja, sehr«, sagt sie, die Anbieter kämen aus dem ganzen Land. Und kommt man auch, um sich zu treffen? »Nein! Ich bin hier nur zum Einkaufen.« Eben war sie noch ernst, nun kann sie sich das Lachen nicht verkneifen.

An die 300 Kollektionen gibt es zu sehen, 100 Aussteller und 600 Einkäufer sind da. Sie reden leise und konzentriert. Da sind das Knacken der Bockwürste und das Klappern des Bestecks aus der Kantine schon lauter. Nirgends läuft Musik.

Dafür gibt es Models. Ein junger Mann dreht im offenen Bademantel seine Kreise. Mal trägt er einen Retroslip, mal Boxershorts, mal »Trunks«, zu Deutsch »Kofferraum«, jene eng anliegende Kombination aus beidem.

Die jungen Hostessen eilen immer wieder in die Kabine, um die Dessous zu wechseln. Der Stoff wird dünner, die Blicke gehen von unten nach oben. Das muss doch ein seltsames Gefühl sein! »Nein, gar nicht«, sagt Model Alina, 26, aus Florenz. Die gebürtige Brasilianerin findet die Rolle der Betrachter schwieriger. »Die wissen oft gar nicht, wo sie hinschauen sollen«, sagt sie. »Schade, dass Sie eben nicht hier waren, da hatte ich was sehr Knappes an« – die Zeigefreudigkeit gehört dazu.

Volker Halbauer aus Münster ist Sales Representative der Marke Jockey. Funktional und sportlich sind seine Artikel. »Ist die Messe wichtig für die Firma?« – »Kann man so sagen.« Und? »Manche bestellen etwas weniger, aber nur aus Vorsicht.« Eine Woche zuvor hätte in Düsseldorf die Body Look stattfinden sollen, die größte deutsche Wäschemesse. Doch sie wurde abgesagt und findet jetzt nur noch einmal im Jahr statt, im Juli. Wie es heißt, fließe nicht mehr so viel Geld ins Marketing. So ist es in der Modebranche wie anderswo: Die Krise ist da und auch nicht.

Nun zu den Edeldessous. Ohne gute Passform habe man am Markt keine Chance, erzählt Maria de Matos, die das spanische Label Andres Sarda vertritt. Früher habe man mehr Modenschauen gemacht, das sei mittlerweile »Luxus«. Die Produkte sind Blickfang genug, fantasievoll, aufwendig gearbeitet. Und teuer, im Laden zahlt man gerne 400 Euro für ein Set aus BH und Höschen, das ist dann schon ein kleines Konjunkturpaket.

Am anderen Ende des Wäscheuniversums arbeiten Ingo und Maria Steen von der Dessous Company Deutschland. Sie importieren Preisgünstiges für Sexshops und die kleinen Gibt-alles-Läden. Ihre Waren hängen nicht offen aus, sondern eingepackt. Statt feiner Spitze glitzern Dollarzeichen auf den Strapsen. Richtige Reizwäsche, wie man sie am Bahnhof findet! Am Stand ist es ruhig. »Das ist der McDonald’s-Effekt«, sagt Maria Steen. »Keiner kauft unsere Sachen, aber wir leben davon.« Ingo Steen fügt hinzu: »Wenn sich ein Einkäufer zu uns verirrt, dann stört er sich daran, dass man in unseren Sachen nicht zwölf Stunden herumlaufen kann. Dann sag ich ihm: Wenn man unsere Produkte länger als zehn Minuten trägt, dann haben sie ihren Zweck verfehlt.«

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 21.02.2009 um 15:31 Uhr

    einen logischen Zusammenhang: wenn die Krise ja so manchem bekanntlich das letzte Hemd kostet, so ist klar, dass der Blick auf die Dessous fällt und diese zum Gesprächsgegenstand werden...

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