Das dolle Ding der Woche
Was Sie dahinten rechts sehen, dieses Bunte, das ist ein dolles Ding, wie vieles, von dem man so erfährt, von dem man eigentlich gar nichts wissen will, das man aber schon wahrnimmt, was ja gleich morgens im Radio losgeht mit dem Minister, den wir nicht kannten, von dem wir nichts ahnten, dessen Namen, wären wir ihn zu nennen gebeten worden, uns wohl kaum eingefallen wäre, obwohl er doch seit Jahren nicht nur für uns zuständig war, sondern sogar von uns bezahlt wurde, aus sauer entrichteten Steuern, die womöglich auch er mitgepumpt hat in diese sogenannten Geldinstitute, aber das ist noch ein anderes Ding, und der, nachdem er maulend abgetreten ist, einen Nachfolger mit Gelfrisur bekommen hat, von dem wir jetzt schon wissen, dass wir uns seinen Namen nie werden merken können, weil er zehn oder dreizehn oder noch mehr Vornamen hat, nur eben nicht den Vornamen Wilhelm, wie die »Bild«-Zeitung, die wir nie lesen, fälschlich berichtet haben soll, Wilhelm nicht, das haben wir kapiert, das wurde ja überall gesagt, geschrieben, gesendet, im Internet angezeigt, auf dem Nachhauseweg im Auto nochmals durchgegeben, und zudem nennt sich der neue Mann Freiherr, aber nicht mit von und zu, sondern nur mit zu und ohne von und ohne es zu merken, haben wir jetzt an dem bunten Ding vorbeigeschrieben und voll den Faden verloren, ’tschuldigung, man wird ganz konfus von dieser Informationsgesellschaft. Was Sie da sehen, ist ein Gehirn aus Wolle. Die amerikanische Psychiaterin Karen Norberg hat es nach Feierabend gestrickt. Doll, oder?
- Datum 19.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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