MEINUNG WIDERSPRUCH Entscheidet Euch

Warum Migranten nur einen Pass haben sollten

Unter der Überschrift Warst du auch mal Deutscher? (ZEIT Nr. 8/09) schilderte Miltiadis Oulios die Probleme von jugendlichen Migranten, die sich zwischen zwei Staatsangehörigkeiten entscheiden sollen. Bei Oulios klingt es so, als würde man von diesen Menschen verlangen, entweder ihre eigenen Wurzeln oder aber ihre deutschen Bürgerrechte aufzugeben.

Doch davon kann keine Rede sein. Jeder will, dass Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland gut integriert werden. Doch das ist nur möglich, wenn sie auch ein Stück weit bereit sind, sich anzupassen – und Anpassung bedeutet immer auch Aufgabe. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt, nach einer endgültigen Auswanderung in ein anderes Land diesem als Bürger voll und ganz zuzugehören. Das bedeutet nicht, dass damit die Traditionen oder gar die Religion aufgegeben werden müssen. Doch das Innehaben zweier Staatsbürgerschaften, vor allem bei den Kindern von Migranten, stellt von vornherein eine dauerhafte Abgrenzung zu den von Oulios als »Urdeutsche« bezeichneten Mitbürgern dar.

Auch sind die USA, auf die Oulios verweist, sicher kein geeignetes Beispiel für Toleranz gegenüber Einwanderern. Dass ein afroamerikanischer Präsident selbst im Jahr 2009 noch eine Sensation ist, zeigt, dass es in den USA Menschen anderer Herkunft schwer haben – was immer andere Herkunft heißen mag in einem Land, in dem die Ureinwohner nur noch eine verschwindend geringe Minderheit ausmachen. Wäre Barack Obama im Übrigen kenianischer Staatsbürger, hätte er niemals Präsident werden können.

Es geht nicht um die Frage, womit man sich verbunden fühlt, sondern wo man dazugehört – man kann schließlich auch nicht gleichzeitig Mitglied in der CDU und in der SPD sein, aber sehr wohl in einigen Punkten mit der einen und in wieder anderen Punkten der anderen Partei sympathisieren. Was jedoch die offizielle Zugehörigkeit angeht, da muss man sich entscheiden.

Melanie Draude ist Abiturientin aus Hofheim am Taunus

Jede Woche erscheint an dieser Stelle ein »Widerspruch« gegen einen Artikel aus dem politischen Ressort der ZEIT, verfasst von einem Redakteur, einem Politiker oder einem ZEIT-Leser. Wer widersprechen will, schickt seine Replik (maximal 2000 Zeichen) an widerspruch@zeit.de. Die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzungen vor

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service