Kolumne Wörterbericht
Vermasseln
Es gibt viele jiddische Wörter und Begriffe im Deutschen, die aus dem Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken sind und doch kaum als solche wahrgenommen werden. Wie Massel. Ihn in Krisenzeiten zu haben ist gar nicht so einfach. Die Lottospieler, die unlängst den 35-Millionen-Jackpot geknackt haben, hatten jedenfalls einen. Massel stammt vom hebräischen Mazal ab, was Glück oder Schicksal bedeutet. Davon abgeleitet ist vermasseln, denn durch ungeschicktes oder fehlerhaftes Verhalten wurde das Glück vertrieben. Dann steckt man im Schlamassel, also in einer misslichen Lage. So wie Barack Obama. Der amerikanische Präsident hat in einem Fernsehinterview Fehler bei der Nominierung des Gesundheitsministers Daschle freimütig zugegeben: »I screwed up« – »Ich habe es vermasselt«. Diese Offenheit ist sehr ungewöhnlich, hat doch sein Amtsvorgänger Bush immer beharrlich geschwiegen, wenn Fehler angesprochen wurden. Doch auch andere geben nicht gern zu, etwas vermasselt zu haben. So wie die Bahn, die Daten von zahlreichen Mitarbeitern überprüft hat und bei der nun Hartmut Mehdorns Stuhl wackelt. Der Bahnchef würde gut daran tun, Tacheles zu reden, dann käme er vielleicht aus dem Schlamassel wieder heraus.
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- Datum 19.02.2009 - 07:21 Uhr
- Serie Audio
- Quelle DIE ZEIT, 19.02.2009 Nr. 09
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