Donnerstalk Es ist nie zu spät
Alfred Dorfer rät allen Politikern im Ausgedinge, öffentliche Vorlesungen zu halten
Wenn ehemalige Politiker in ihrem neuen Leben endlich reüssieren, so ist dies ein Grund zu aufrichtiger Freude. Alfred Gusenbauer etwa betreut seit Kurzem das wertvolle EU-Referat der Arbeiterkammer NÖ. Doch dieser nervenaufreibende Job vermag den nunmehr nach einer Ayurveda-Kur gertenschlanke Tausendsassa nicht auszulasten. Deshalb hält er zusätzlich Vorlesungen in den USA. Vor 25 Studenten erklärt der Experte brisante Themen wie die EU-russischen Beziehungen oder beantwortet beinharte Fragen zum Aufstieg der extremen Rechten in Österreich. Seine Antworten seien »sehr diplomatisch«, heißt es, was keinesfalls »nichtssagend« umschreiben soll. Besonders stolz ist das frisch gebackene Mitglied des akademischen Lehrkörpers auf seine Magnetkarte, die ihm alle Uni-Türen öffnet. Wie sehr hätte man ihm, der auf die Wähler nie magnetische Anziehungskraft ausübte, in der Vergangenheit eine ähnliche Karte gewünscht, die ihm den Zugang zu den Herzen der Menschen erschlossen hätte. Andere Politgranden von anno dazumal sollten sich an dem Exkanzler ein Beispiel nehmen. So könnte Stimmungskanone Willi Molterer in Kindergärten die kleinen Rabauken mit Einschlafmärchen ermüden. Ganz zu schweigen von Karl Heinz Grasser. Er könnte über seine Erfahrungen als Grüßaugust des Swarovski-Konzerns plaudern, Gärtnerlatein zu seiner Paradeiserzucht auf Fionas Terrasse erzählen und erklären, wie das alles mit der Finanzkrise zusammenhängt, die er längst gelöst hätte, wenn ihn damals nicht die Partei hätte hängen lassen. Selber schuld.
- Datum 26.02.2009 - 12:47 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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