Innerer Orient
Da sitzt also Hannah Höch, diese noch immer nicht angemessen gefeierte deutsche Großmeisterin des Dada, im Sommer des Jahres 1945 in den dampfenden Resten Berlins und schneidet mit ihrer wundersamen Text/Bild-Schere ein »Bilderbuch« zusammen, mit dem sie sich aus der grauen Stunde null hinausfantasiert in einen inneren Orient, ein Fabelreich, in dem die Tiere »Rennquicke« heißen und »Döfchen«. Dass diese verschmitzt-versponnenen Collage-Gestalten samt ihren beigestellten Kurzgedichten nun endlich aus Höchs Nachlass heraus den Weg in unsere Bücherregale gefunden haben, verdanken wir dem kleinen Berliner Avantgarde-Verlag The Green Box ( Hannah Höch: Bilderbuch ; 44 S., 24,– €). Selbst der »Unzufriedel« (rechts) scheint da ein kurzes Lächeln übers Gesicht zu huschen. F.I.
- Datum 26.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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