MEINUNG BERLINER BÜHNE Große Mutter Merkel

Von Nordkorea lernen heißt schweigen lernen – gerade in der Krise

Was die drängenden Fragen der Massen anlangt, stürmt Nordkorea mit kühner Antwort voran: Das Land schießt demnächst einen Satelliten vom Typ Kwanmyongsong-2 in den Orbit – das zeigt Tatkraft an, das weist nach vorn, wenn nicht nach oben, und klingt nach überholen, ohne einzuholen. So muss man Krisen kontern. Wer am Nachthimmel nach einem vergnügt seine Kreise ziehenden Punkt sucht, spürt den knurrenden Magen kaum noch.

Unser Kwangmyongsong-2 heißt Freiherr zu Guttenberg-1 und gibt im Augenblick eine Reihe von Interviews mit der Botschaft, dass, wer von der Krise rede, sie vertiefe. Weist diese Botschaft nach oben? Nein, höchstens zur Seite. Nordkorea mag in einer Zeit leben, in der die Wunderwaffe noch immer geholfen hat, aber wir leben nicht mehr in einer Welt der goldenen Interviews. Das erhöht den Druck auf die Kanzlerin. Sie möge uns, heißt es nun ungeduldig, das Ganze erklären, die Wahrheit sprechen inmitten der Szenarien des Untergangs, kurz: führen. Man sieht die Basis der CDU auf Knien liegen und mit aufgerissenen Augen fragen: »Große Mutter, warum enteignest und verstaatlichst du?« Und die Basis erntet nur Schweigen. Denn die wahre Antwort auf ihre Frage ist: Wer jetzt auf den Knien herumrutscht und sinnlose Fragen stellt, hat nichts anderes verdient als das Schweigen der Großen Mutter. Bitte schweigen Sie weiter, Frau Merkel, irgendjemand muss den postnaiven Weltzustand verkörpern! Wenn es Erklärung, Plan, kurz: Führung gäbe, wäre das ja auch gar keine Krise. Thomas E. Schmidt

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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    • Schlagworte Bühne | Nordkorea | CDU | Botschaft
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