Auslandsstudium Nicht nur für Surfer

Wieso die Universität Flensburg auf Bali einen Campus betreibt

DIE ZEIT : Bali gilt als Surferparadies. Verbringen Ihre Studenten mehr Zeit am Strand als im Seminar?

Uwe Rehling : Nein, sie arbeiten meist sogar mehr als in Deutschland. Die Seminare beginnen um 8.30 Uhr und dauern bis 14 Uhr; danach sitzen die Studenten nicht selten bis Mitternacht an Fallbeispielen oder Präsentationen. Zwar bleibt neben dem Studium durchaus Zeit für einen Surfkurs, im Vordergrund steht aber etwas anderes.

DIE ZEIT : Nämlich was?

Rehling : Wir wollen Wirtschaftsstudenten, die einen Bachelor- oder Masterabschluss anstreben, mit den ökonomischen Besonderheiten des asiatischen Raums vertraut machen. Dazu bieten wir ein sechsmonatiges Programm »International Management« an; der Schwerpunkt liegt auf Asien-Pazifik-Themen. Bali ist als Standort dafür bestens geeignet, es befindet sich mitten in der dynamischsten Wirtschaftsregion der Welt, zwischen China und Indien im Norden und Australien im Süden.

DIE ZEIT : Ähnliche Programme bieten diverse Universitäten in Asien an…

Rehling : …und zurück in Deutschland, gibt es lange Gesichter, weil die Seminare nicht angerechnet werden. Das Besondere am European Overseas Campus (EOC) ist, dass unser Programm auf in Deutschland akkreditierten Bachelor- und Masterstudiengängen basiert. Daraus folgt: Die 30 Kreditpunkte, die Studenten bei uns erwerben können, entsprechen dem europäischen ECTS-Standard. Man bekommt sie an jeder deutschen Uni und grundsätzlich auch an jeder europäischen Hochschule im Bologna-Raum angerechnet – sofern die Module in das Curriculum des Studiengangs passen. Diese Qualitätsgarantie ist unser Markenzeichen.

DIE ZEIT : Bali lebt von Landwirtschaft und Tourismus. Verbringen Wirtschaftsstudenten nicht besser ein Semester in Finanzmetropolen wie Singapur oder Mumbai?

Rehling : Bali ist kein bedeutender Wirtschaftsstandort, trotzdem können Studenten hier etwas sehr Wichtiges lernen: interkulturelle Kompetenz! Die Studenten wohnen nicht im Hotel, sondern Tür an Tür mit einheimischen Familien, die Unterkunft und unsere Seminarräume befinden sich auf dem Campus der Udayana-Universität in Jimbaran. Dadurch haben unsere Studenten engen Kontakt zur indonesischen Bevölkerung und erleben den Alltag. Bevor das Programm beginnt, erhalten sie von balinesischen Dozenten eine zweiwöchige Einführung in die Sprache, Geschichte und Kultur.

DIE ZEIT : Spielt interkulturelle Kompetenz auch in den Seminaren eine Rolle?

Rehling : Permanent. Dafür sorgen schon unsere Professoren, die aus Asien, Australien und Europa kommen. Sie beleuchten den Stoff aus verschiedenen kulturellen Perspektiven. Außerdem kooperieren wir mit indonesischen Unternehmen. Vor Kurzem haben wir mit einem nationalen Energieversorgunger ein Seminar zum Thema Projektmanagement durchgeführt. Es war interessant, wie unterschiedlich die Beteiligten – Vertreter der Firma einerseits und unsere Studenten andererseits – die Dinge anpackten. Wie hält man sich an Vorgaben, wie verteilt man Aufgaben, wie plant und kontrolliert man ein Projekt? In solchen Fragen herrscht in Indonesien ein völlig anderes Verständnis als in Europa.

DIE ZEIT : Ein Semester am EOC kostet inklusive Unterkunft rund 3600 Euro Gebühren. Hinzu kommen Kosten für Flüge, Visa und Essen. Ist das Programm nur etwas für Gutbetuchte?

Rehling : Auf sechs Monate umgerechnet, zahlen Studenten bei uns nicht viel mehr als für Miete und Lebensunterhalt in Deutschland. Davon abgesehen, gibt es Finanzierungsmöglichkeiten: Mehr als die Hälfte unserer Teilnehmer erhält Auslandsbafög. Masterstudenten können außerdem ein DAAD-Stipendium für unser Programm beantragen.

DIE ZEIT : Was planen Sie Neues für die Zukunft?

Rehling : Diesen März starten wir ein zweites Semesterprogramm, Thema: »International Tourism Management«. Auch dafür ist Bali prädestiniert. Zusätzlich zu Seminaren werden die Studenten Praktika in Hotels oder Reiseagenturen absolvieren.

Uwe Rehling ist Direktor desEuropean Overseas Campus

Interview: Marc Hasse

 
Leser-Kommentare
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    Gähn..

    Ich würde jedenfalls keine 3600 € zahlen, um indonesisches Projektmanagement zu lernen. Dann lieber ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen, um an einer richtigen Uni im Ausland zu studieren wo ich nicht nur anderen Deutschen und Pauschaltouristen über den Weg laufe....

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    Persönlich kenne ich mehrere Studenten, die den European Overseas Campus für ein Auslandssemester besucht haben und voller neuer Einblicke und Erkenntnisse begeistert zurück gekehrt sind. Zu Ihren Anmerkungen:
    Die Studierenden des EOC erhalten als erstes einen Grundkurs in Bahasa Indonesia. Zum "Saufen" haben sie nicht viel Zeit. Anders als an anderen Auslandsuniversitäten (vielleicht verwechseln Sie hier etwas?) werden pro Semester höchstens 20 Studierende zugelassen, die aus aller Welt kommen. Die Professoren aus Asien, Australien, Neuseeland, Europa und den USA fordern ein überdurchschnittliches Niveau und überdurchschnittlichen Einsatz.
    Der EOC ist eine "richtige" Uni, wie Sie es nennen, angesiedelt am Campus der Udayana University (die zu den fünf besten Indonesiens zählt) und per Ministeriumserlass als angeschlossener off-shore Campus der Universität Flensburg anerkannt.
    "Indonesisches Projektmanagement" bildet nun nicht den Schwerpunkt der Studieninhalte. Zu diesen können Sie sich hier einen näheren Einblick verschaffen: www.overseas-campus.info.

    Persönlich kenne ich mehrere Studenten, die den European Overseas Campus für ein Auslandssemester besucht haben und voller neuer Einblicke und Erkenntnisse begeistert zurück gekehrt sind. Zu Ihren Anmerkungen:
    Die Studierenden des EOC erhalten als erstes einen Grundkurs in Bahasa Indonesia. Zum "Saufen" haben sie nicht viel Zeit. Anders als an anderen Auslandsuniversitäten (vielleicht verwechseln Sie hier etwas?) werden pro Semester höchstens 20 Studierende zugelassen, die aus aller Welt kommen. Die Professoren aus Asien, Australien, Neuseeland, Europa und den USA fordern ein überdurchschnittliches Niveau und überdurchschnittlichen Einsatz.
    Der EOC ist eine "richtige" Uni, wie Sie es nennen, angesiedelt am Campus der Udayana University (die zu den fünf besten Indonesiens zählt) und per Ministeriumserlass als angeschlossener off-shore Campus der Universität Flensburg anerkannt.
    "Indonesisches Projektmanagement" bildet nun nicht den Schwerpunkt der Studieninhalte. Zu diesen können Sie sich hier einen näheren Einblick verschaffen: www.overseas-campus.info.

  2. Persönlich kenne ich mehrere Studenten, die den European Overseas Campus für ein Auslandssemester besucht haben und voller neuer Einblicke und Erkenntnisse begeistert zurück gekehrt sind. Zu Ihren Anmerkungen:
    Die Studierenden des EOC erhalten als erstes einen Grundkurs in Bahasa Indonesia. Zum "Saufen" haben sie nicht viel Zeit. Anders als an anderen Auslandsuniversitäten (vielleicht verwechseln Sie hier etwas?) werden pro Semester höchstens 20 Studierende zugelassen, die aus aller Welt kommen. Die Professoren aus Asien, Australien, Neuseeland, Europa und den USA fordern ein überdurchschnittliches Niveau und überdurchschnittlichen Einsatz.
    Der EOC ist eine "richtige" Uni, wie Sie es nennen, angesiedelt am Campus der Udayana University (die zu den fünf besten Indonesiens zählt) und per Ministeriumserlass als angeschlossener off-shore Campus der Universität Flensburg anerkannt.
    "Indonesisches Projektmanagement" bildet nun nicht den Schwerpunkt der Studieninhalte. Zu diesen können Sie sich hier einen näheren Einblick verschaffen: www.overseas-campus.info.

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