Diskothek DVD Duell am Kamin
Fernsehen, das zum Kino wurde: »Frost/Nixon – Das Original-Interview zur Watergate-Affäre«
Mehr als 45 Millionen Amerikaner haben dieses Rededuell im Fernsehen gesehen, das bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Es ist ein zeitgeschichtliches Dokument, das den Protagonisten eines der größten Politikskandale der jüngeren Vergangenheit in schonungsloser Offenheit zeigt. 1977 bricht Richard Nixon sein Schweigen nach der Watergate-Affäre und gibt zum ersten Mal seit seinem Rücktritt ein Interview. Sein Gespräch mit dem britischen Talkmaster David Frost ( Frost/Nixon – Das Original-Interview zur Watergate-Affäre ) findet im Wohnzimmer von Nixon-Unterstützern in Kalifornien statt. Das Ambiente ist seriös bis zum Klischee: Bücherregale, Blumenvasen, Kaminsims.
Die Eröffnungsfrage, ob Nixon jemals das Gefühl gehabt habe, die Justiz behindert zu haben, ist für Frost ein vermasselter Start. Nixon beginnt mit einem taktischen Manöver und redet sich heraus: Er wolle erst später antworten. Das Gespräch, das zu Beginn eher fad und unspektakulär ist, gewinnt erst an Dynamik, als Frost selbst die Antwort gibt. Er wirft Nixon vor, die Justiz behindert zu haben: »Als Sie der CIA sagten, sie solle dem FBI sagen: ›Aufhören. Punkt‹, wussten Sie, dass im Endeffekt Kriminelle wie Howard Hunt und Gordon Liddy (Verantwortliche für den Watergate-Einbruch; Anm. d. Red.) geschützt würden. Das ist Justizbehinderung. Punkt.«
Spätestens jetzt entwickelt sich das Gespräch, das Ron Howard für seinen Film Frost/Nixon als Vorlage verwendet hat, zu einer beeindruckenden Charakterstudie. Eine erstaunliche Metamorphose nimmt ihren Lauf. Zu Beginn sitzt im beigen Sessel ein selbstsicherer und redegewandter Expräsident. Am Ende sehen wir einen nervösen und unsicheren Mann. Auch die Kameraeinstellung ändert sich. Zunächst wird Nixon aus der Halbdistanz aufgenommen. Da ist noch Platz für große staatsmännische Gesten und selbstgefälliges Zurücklehnen im Sessel. Später wird er aus nächster Nähe gefilmt. Jetzt entgeht der Kamera keine Träne im Auge, kein Schlucken, kein Schweiß auf der Oberlippe, kein verzogener Mundwinkel. Es sind Bilder, die das Scheitern und die endgültige Demontage eines Politikers offenbaren, der eigentlich auf eine öffentliche Rehabilitierung gehofft hat. Als Nixon sagt: »Ich habe die Amerikaner enttäuscht und diese Last muss ich für den Rest meines Lebens mit mir herumtragen«, wird deutlich wie er diesen Satz aus sich herauswinden muss.
In dem Interview sieht man nicht nur die Bloßstellung eines Expräsidenten, sondern auch einen Talkmaster, der über sich hinauswächst. David Frost wurde von Kollegen als »Scheckbuchjournalist« belächelt, doch die Konfrontation mit Nixon war eine journalistische Glanzleistung. Im Zusatzinterview auf der DVD erzählt Frost, wie er den Politiker, der ihm einige seiner schlimmsten Stunden zu verdanken hat, ein letztes Mal nach den Gesprächen traf. Er sei ihm vorgekommen wie ein »trauriger Mann, der gern ein großer sein wollte«.
Frost/Nixon – Das Original-Interview zur Watergate-Affäre
edel entertainment GmbH, 1 DVD, 100 Min.
- Datum 26.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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