Carsten Maschmeyer, ein Mann mit schmalem Oberlippenbart, ist 49 Jahre alt und Eigner von Europas größtem unabhängigem Finanzberatungsunternehmen, das den offiziösen Namen Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) trägt. AWD verkauft Lebens- und Krankenversicherungen, Fondsanteile und Sparverträge im Auftrag von Banken und Versicherungen und hat bei Verbraucherschützern einen ganz schlechten Ruf: Das straff geführte Unternehmen soll Kunden nicht bedarfsgerechte, sondern provisionsträchtige Verträge verkauft haben. Wie denn ja derzeit überhaupt viel von Gier am Finanzmarkt die Rede ist, von dreisten Bankmanagern und allerlei Prasserei auf Kosten der Allgemeinheit.

Veronica Ferres wiederum ist eine bekannte deutsche Schauspielerin, die gern heroische Frauenrollen übernimmt und einen, in diesem Berufszweig durchaus üblichen, Hang zur Weltverbesserung hat: Sie kämpfte gegen Amyotrophe Lateralsklerose, sexuelle Gewalt gegenüber Kindern, der Verbreitung von Aids und so weiter. Maschmeyer hatte Ferres bei ihren Dreharbeiten zu dem Film Der Gesang der Wale in Südafrika besucht. Es verdichteten sich nicht zu Unrecht Gerüchte, das hier eine schöne, eine neue Liebe entflammt sei.

Schon Maybrit Illner hatte uns gezeigt, dass Manager auch nur Menschen sind; dass hinter hässlichen Spitznamen wie "Bulldozer" und "Dobermann" ein womöglich liebenswerter und, ach, gewiss doch, auch verletzlicher Telekom-Chef stecken mag, mit dem sie nunmehr seit über einem Jahr liiert ist: René Obermann, der sich zudem mit dieser hässlichen Spitzelaffäre herumschlagen muss. Auch die Fernsehmoderatorin engagiert sich mit Passion für das Allgemeinwohl: Als Botschafterin für das Deutsche Rote Kreuz bereiste sie den Irak und Pakistan und hat ein Buch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf herausgegeben.

Ach, hätte Deutschland nur mehr solcher Paare! Paare, die das Musische und das Unternehmerische, die Schauspielerei und die nackten Zahlen, die Wohltätigkeit und den Geschäftssinn dialektisch zusammenführen. Dissonanzen dieser von der Finanzkrise so gebeutelten Nation werden durch die Macht der Herzen aufgehoben, das Land wird geheilt.

Der kalte Manager ist nur halb so kalt, wird er von Veronica Ferres umarmt. Die Frauen, diese warmherzigen Wohltäterinnen des Landes, suchen sich gezielt jene Männer aus, deren Ruf am heftigsten beschädigt ist. Sie irritieren den unbarmherzigen Blick auf das Gewinnstreben ihrer Partner. So schlecht können diese Männer doch gar nicht sein, wenn sie sich von diesen Engeln der Güte verführen lassen! Ergriffen blicken wir mit purer Zuneigung auf das Liebesglück der Krise.