60 Sekunden für Schäfchen
Die Deutschen sind Sicherheitsfanatiker, das ist bekannt. Trotzdem lassen sie sich an Fasching manchmal zu leichtsinnigen Dingen hinreißen, verkleiden sich zum Beispiel als Schaf. Und stehen dann in der Nähe von Wunderkerzen rum – wie geschehen in Sachsen-Anhalt. Oder im rheinhessischen Merxheim, wo ein als Schafwidder getarnter Mann zum Brandopfer wurde. Bilanz am Aschermittwoch: neun verletzte närrische Schafe.
In normalen Zeiten würden deutsche Politiker fordern, den wolligen Anputz dem Technischen Überwachungsdienst zur Prüfung vorzulegen, am besten einen eigenen TÜV-Test für tierische Kostüme auszuarbeiten. Doch in Zeiten wie diesen wird sich nicht mit leicht Entzündlichem in der Fastnacht beschäftigt, wenn doch gerade die ganze Finanzwelt in Flammen steht. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering fordert daher lieber einen Geld-TÜV, wie die Bild vermeldete, korrekt »einen Geldprodukte-TÜV«. Auf dass niemand mehr wie ein dummes Schaf von seinem Bankberater behandelt werde. Er halte es für wichtig, »dass wir in der Politik dafür sorgen, dass die Menschen Vertrauen haben können in die Zukunft«. Nur: Wer meint, dass vom TÜV geprüfte Fonds kein Geld verlieren, der glaubt auch, dass ihn die Plakette am Auto davor schützt, einen Unfall zu bauen. Wer seine Schäfchen ins Trockene bringen will, muss schon selbst ein bisschen Arbeit investieren. Mäh! Anna Marohn
- Datum 26.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren