Unabhängigkeit»Feminismus sticht Sozialismus«

Das Ideal der Vollzeit arbeitenden Mutter ist nur etwas für Hochqualifizierte: Der Sozialforscher Neil Gilbert über die Lüge vom Job als Weg zur Unabhängigkeit von Christine Brinck

DIE ZEIT: Ihr Buch A Mother’s Work ist ein Plädoyer für die Wahlfreiheit von jungen Müttern. Die haben derzeit wenige Optionen, weil sie weiterhin dem männlichen Modell folgen müssen. Und das bedeutet, fortwährend auf dem Weg durch die Arbeitswelt nach oben zu streben – ganztags. Das entspricht aber nicht dem biologischen Plan. Warum also gibt es kein weibliches, sequenzielles Modell?

Neil Gilbert: Es gab ein weibliches Modell, und das hieß, Lehrerin zu werden. Die Arbeit dauerte täglich von neun bis drei, man hatte Ferien und konnte Arbeit und Mutterschaft wunderbar miteinander verbinden. Frauen konnten kaum Medizin studieren oder Jura, aber dieser Weg stand gebildeten Frauen offen, die Arbeit suchten.

ZEIT: Viele Feministinnen der ersten Stunden waren Lehrerinnen. Feministinnen der zweiten Welle, insbesondere in den USA, haben dagegen lautstark für den männlichen Karriereweg getrommelt. Wie konnte eine zahlenmäßig kleine Gruppe die Definitionshoheit für alle Frauen erobern?

Gilbert: Sie waren die Meinungsmacher. Sie schrieben in Zeitungen, Magazinen, Büchern und beeinflussten die öffentliche Meinung. Es waren nicht die Sarah Palins dieser Welt, die fünf Kinder haben und in die Kirche gehen, sondern Intellektuelle mit guten Jobs. Sie hatten alle Freiheiten und Macht, und sie sagten sich und uns: So muss man es machen. Jeder las es. Niemand sagte, Kinder zu haben sei ein grandioses, transzendentales Erlebnis, das man auf keinen Fall missen sollte. Niemand.

ZEIT: Und so gibt es zum ersten Mal eine erhebliche Zahl von Frauen, die keine Kinder haben?

Gilbert: Es sieht nach Wahl aus, doch Umfragen besagen, dass viele dieser Frauen mehr gewollt haben, als sie bekamen. Viele wachten eines Tages auf und fragten sich: Was ist geschehen?

ZEIT: Wie die berühmte Feministin und Professorin Germaine Greer, die mit 48 Jahren beklagte, nie Kinder bekommen zu haben?

Gilbert: Ja. Da stellt sich doch die Frage, was sich in unserer Gesellschaft, in der Kultur unserer Zeit abspielt? Der Feminismus stach den Sozialismus aus. Statt über die Gleichheit von Einkommen und ein Ende der Klassengesellschaft zu reden, sprach man nur noch von der Gleichheit für Frauen. Und das hieß: Teilhabe am Markt. Es bedeutete, dass alles ein Rohstoff wurde, alles ein Preisschild bekam. Und was keinen Preis hatte, wurde wertlos. Morgens in einem Restaurant Frühstück für Fremde zu bereiten war ein Job, der bezahlt wurde und zum Bruttosozialprodukt beitrug, Frühstück für die Kinder zu machen hatte dieses Preisschild nicht. So begann das große Missverständnis über das, was wertvoll, nützlich und befriedigend ist. Das gute Leben, das den Frauen durch das Einkommen versprochen wird, konzentriert sich auf Konsum. Es gibt den gesellschaftlichen Kontext nicht, der sagt: Sie können für viel Geld zwar auf eine Insel fahren, aber mit Kindern kuscheln und spielen ist auch das gute Leben.

ZEIT: Wer profitiert von dieser Entwicklung, in der sich Feminismus und Markt verbinden?

Gilbert: Diejenigen, die ein gutes Einkommen erzielen und sich all der Segnungen des Marktplatzes erfreuen. Es ist Zeit für ein Korrektiv zur gängigen Debatte über Familie und Arbeit, die hauptsächlich von Akademikern geführt wird. Die Frau am Fließband gehört sicherlich nicht in diese Gruppe. Wenn die Angehörigen der interessanten Berufe über die Freuden und die Bereicherung durch Arbeit schreiben und reden, sollten sie zugeben, dass sie ihre Arbeit meinen. Sie reden nicht von den Arbeitnehmerinnen, die Papierkörbe ausleeren oder Busse steuern. Man muss nicht Marx gelesen haben, um zu erkennen, dass manche Jobs erfüllend und interessant sind, die Mehrheit der Jobs es aber nicht ist und auch kaum wird.

ZEIT: Aber die Frauen arbeiten für ein höheres Familieneinkommen – oder überhaupt für ein Einkommen, wenn sie alleinerziehend sind.

Gilbert: Das ist oft eine Milchmädchenrechnung. Die Frau mit zwei kleinen Kindern, die das Haus verlässt und arbeiten geht, muss nun Geld für die Kinderpflege aufbringen, sie muss für Fertignahrung oder vorgekochtes Essen sorgen, sie muss eine Haushaltshilfe organisieren, sie muss für den Weg zur Arbeit zahlen, sie muss Steuern auf ihr Einkommen entrichten. Wenn man alles zusammenrechnet, und es gibt diese Zahlen, sind es nur Cents, die übrig bleiben.

ZEIT: Wieso machen es Frauen dann? Wenn die bezahlte Arbeit selbst vielen Müttern kein Glück verschafft, ist es dann die Unabhängigkeit?

Gilbert: Die feministische Ideologie enthält die populäre Erwartung, dass eine befreite Frau ihre Unabhängigkeit durch ihre Arbeit im Markt erhält. Aber was heißt das im Familienkontext?

ZEIT: Sie schreiben, dass das Familienleben durch Arbeit ersetzt worden ist…

Gilbert: …weil der Feminismus die Idee der befreiten und unabhängigen Frau als eine definiert hat, die wirtschaftlich nicht von ihrem Mann abhängt. Eigenständigkeit ist aber eine menschliche Fähigkeit, die viel breiter angelegt ist. Die sehr persönliche Eigenständigkeit befreit einen Menschen von dem Gefühl, von anderen kontrolliert zu sein. Sie ist offen für zwischenmenschliche Beziehungen, in denen einzelne Familienmitglieder sich in der Aufteilung sozialer Macht und Verantwortung ziemlich sicher fühlen.

ZEIT: Es gibt trotzdem auch eine Unabhängigkeit durch Arbeit.

Gilbert: Für die meisten Männer und Frauen, die für ein Gehalt arbeiten, wird die finanzielle Unabhängigkeit begleitet vom Gehorsam gegenüber der Macht von Vorgesetzten, von der Unterwerfung unter Terminzwänge und der Disziplin des Jobs, von der Unterwürfigkeit gegenüber Kunden und der allgemeinen Unsicherheit des modernen Arbeitsplatzes.

ZEIT: Klingt eher negativ.

Gilbert: Ausnahmen, wie schon erwähnt, sind die Leute an der Spitze der Wirtschaftspyramide, in der Politik, in der Kunst, in der Universität, im Management – eben die Berufseliten, die Ermächtigung durch Arbeit beschwören. Sie erleben ein hohes Maß an Unabhängigkeit. Doch die in den unteren Rängen erleben vor allem Überwachung, Wiederholung, tägliche Reglementierung und die Forderungen von Kunden.

ZEIT: Heißt das, feministische Erwartungen erfüllen sich für ein paar ehrgeizige Frauen, während die Interessen und Bedürfnisse der meisten Frauen, insbesondere in der mittleren und unteren Mittelschicht, ignoriert werden?

Gilbert: Ja, aber selbst in höheren Rängen der professionellen Eliten scheinen einige Frauen mit kleinen Kindern doch an den angeblichen Segnungen bezahlter Arbeit zu zweifeln.

ZEIT: Es klingt beinahe, als wollten sie zu Küche, Kirche, Kinder zurück.

Gilbert: Wenn ich darauf bestehe, dass viele Mütter mit dem Versprechen von wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Nutzen und ununterbrochener Teilhabe am Arbeitsmarkt übers Ohr gehauen wurden, dann heißt das nicht, wir sollten zu traditionellen Ansichten zurückkehren. Es bedeutet vielmehr, dass der öffentliche Diskurs zum Thema Arbeit und Familie breiter und ausgewogener geführt werden sollte. Vielleicht sollten die höchst unterschiedlichen Interessen und Werte von Frauen und die ganze Bandbreite der Möglichkeiten diskutiert werden, Familie und Arbeit verantwortlich über ein langes Leben von 85 Jahren unter einen Hut zu bekommen.

ZEIT: An wen richtet sich Ihr Appell, eher an Politiker oder zunächst an die Feministinnen?

Gilbert: Die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir lehnte eine Wahlfreiheit total ab und war überzeugt, wenn man den Frauen die Wahl ließe, zu Hause die Kinder großzuziehen, würden »zu viele Frauen sich auch dafür entscheiden«. Diese Ansicht ist immer noch weit verbreitet in Feministenkreisen. Die amerikanische Feministin Linda Hirshman erklärte etwa, dass den Frauen Hausarbeit zu diktieren ungerecht sei. Sie ging sogar so weit zu behaupten, dass es genauso ungerecht sei, wenn »Frauen sich selber für die Hausarbeit entscheiden«.

ZEIT: Nehmen junge Frauen, junge Mütter derlei Hardcore-Feminismus ernst?

Gilbert: Generationen lernen. Junge Frauen sehen, wie die Lebensqualität der Familie beeinträchtigt werden kann, wenn beide Partner Vollzeit arbeiten. Es scheint, als ob das Pendel zurückschwingen könnte. Vorerst sehen wir nur eine Delle in der Statistik – Frauen, die freiwillig selbst bestbezahlte Jobs verlassen, um mehr Zeit mit ihren kleinen Kindern zu verbringen. Das stößt schon eine neue Debatte an über den Wert von Mutterschaft im Vergleich zu dem von Arbeit.

ZEIT: Der Staat ist mit seiner Gesetzgebung weitgehend den feministischen Erwartungen gefolgt. Ändert sich im Zuge neuer Debatten auch die Politik wieder?

Gilbert: Ein frischer Blick auf die neue Situation wirft jedenfalls die Frage auf, ob bestimmte feministische Erwartungen durch die familienfreundliche Politik noch geschürt worden sind.

ZEIT: Wie familienfreundlich sind denn familienfreundliche Akte der Politik in Ihren Augen?

Gilbert: Das typische Paket von familienfreundlichen Maßnahmen wertet die Mutterschaft weiter ab. Sie sind bestimmt vom kapitalistischen Ethos und von feministischen Erwartungen. Ersteres setzt den ökonomischen Nutzen von Hausarbeit und Familienleben zu gering an, vor allem während der frühen Kindheit. Letztere überbewerten die psychologische und soziale Befriedigung durch Arbeit.

ZEIT: Aber wie könnte man die gesellschaftliche Unwucht zwischen Mutterschaft und Arbeit, die Sie sehen, korrigieren?

Gilbert: Es ist schwer, sich eine Veränderung des kapitalistischen Ethos vorzustellen. Und doch könnte der innovative Geist des freien Marktes häusliche Arbeit für Millionen schaffen. Wenn eine telefonische Anfrage für Computerservice irgendwo in Indien bearbeitet wird, warum sollte es nicht durch Hausmänner und -frauen in den USA möglich sein. Die digitale Revolution könnte zur Neuauflage des Familienlebens beitragen.

ZEIT: Und was wird aus den radikalen feministischen Erwartungen?

Gilbert: Da ist ein Wandel ja in Sicht. Es gibt Anzeichen, dass sich gut ausgebildete junge Frauen nicht länger mit der linearen, männlichen Karriere zufrieden geben. Vielmehr sucht man nach anderen Berufswegen, nach besseren Neustarts etwa für Rückkehrer aus der Familienphase.

ZEIT: Wie schafft man es, dass Frauen trotz längerer Auszeiten oder Teilzeitjobs den Anschluss halten?

Gilbert: Es gibt das feministische Argument, dass die Wahl zwischen dem linearen und dem sequenziellen Modell den weiblichen Interessen nicht förderlich sei. Doch von 1997 bis 2007 ging der Prozentsatz berufstätiger wie auch zu Hause gebliebener Mütter, die Vollzeitarbeit als ideal betrachten, um ein Drittel zurück.

ZEIT: Wie könnte also eine veränderte staatliche Familienpolitik aussehen, die den Bedürfnissen der Mütter kleiner Kinder entspricht?

Gilbert: Wer vorschlägt, die bisherige Form familienfreundlicher Politik zu überdenken, stellt nicht den Wert von Elternzeiten, Krankentagen und subventionierter Kinderpflege infrage. Die ermöglichen überhaupt erst, gleichzeitig kleine Kinder zu erziehen und zu arbeiten. Das Ziel ist also nicht, öffentliche Ausgaben zu verringern, sondern mehr Flexibilität zu schaffen. Wirkliche Wahlfreiheit. Dann dürfen sich familienfreundliche Maßnahmen nicht nur auf die Unterstützung von Arbeit konzentrieren. Stattdessen muss der ökonomische Wert von Mutterschaft anerkannt werden, insbesondere während der Vorschuljahre. Also sollte der Übergang von der Mutter-Arbeit in den Arbeitsmarkt erleichtert werden, und Mütter, die sich entschieden haben, zu Hause für ihre Kinder zu sorgen, sollten besser vor den erhöhten finanziellen Risiken geschützt werden.

Das Gespräch führte Christine Brinck

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Leserkommentare
  1. Also das ist ja mal ein sehr schwaches Interview. Wieso wird nicht ein einziges mal gefragt wie es sich mit Familien verhält in denen die Frau arbeitet und der Mann die Kinder betreut? Wie so wird nicht nach der Veränderung der Arbeitsbedingungen durch das Internet und die neuen Medien gefragt? Wie so wird nicht darauf eingegangen das es nicht "den Feminismus" sondern viele Strömungen gibt, von denen viele keineswegs die arbeitende Mutter so positiv sehen. Es gibt mehr als den veralteten Feminismus einer Alice Schwarzer auf dieser Welt.

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    Ganz genau - ausserdem wird so getan, als gaebe es nichts zwischen einer Hausfrauenehe und Eltern mit zwei Vollzeitjobs.

    "Das ist oft eine Milchmädchenrechnung. Die Frau mit zwei kleinen Kindern, die das Haus verlässt und arbeiten geht, muss nun Geld für die Kinderpflege aufbringen, sie muss für Fertignahrung oder vorgekochtes Essen sorgen, sie muss eine Haushaltshilfe organisieren" - oder sie teilt sich diese Arbeiten mit ihrem Mann und kommt mit einem Halbtagskitaplatz aus, da beide nicht genau identische Arbeitszeiten haben und nicht notwendig beide vollzeit arbeiten.
    Bisher war mir auch nicht bewusst, dass sich Berufstaetige schlechter ernaehren ;-)

  2. Kikkoman spricht mir aus der Seele. Viele Argumente, die in dem Interview genannt wurden, kann man sicherlich erwägen, aber ich habe mich sofort gefragt: Warum soll dieses Glück jenseits der Erwerbsarbeit nur für Frauen gelten? Hängt der Interviewte einem biologistischen Weltbild an, in dem Frauen grundsätzlich anders "ticken" als Männer? Damit habe ich als Frau, die einen hochqualifzierten Job hat und diesen sehr liebt, große Schwierigkeiten. Was ist mit Paaren, in denen die Frau solch einem Beruf nadchgeht, der Mann dagegen eher in der Sorge für die Familie seine Erfüllung findet? Und was ist mit Paaren, in denen beide Partner einen eher frustrierenden Beruf haben und größere Zufriedenheit gewinnen würden, wenn sie beruflich kürzer treten könnten? Ihnen würde eine Arbeitswelt helfen, die generell familienfreundlicher eingestellt wäre, aber nicht eine, die einseitig "auf die besonderen Bedürfnisse von Müttern" eingeht.

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    den Begriff "Biologismus". Die Feststellung, dass Männer einen Penis, Frauen eine Vagina haben, entspricht schlicht der Wahrheit und entspringt keiner frauenunterdrückenden "biologistischen" Ideologie...

    Den größten Fehler, den die Feministinnen gemacht haben war und ist aus meiner Sicht, dass sie immer gepredigt haben, dass Frauen die "gleichen" Rechte wie Männer haben sollen und dies gleichgesetzt haben mit "Frauen sollen gleich viel arbeiten wie Männer und die gleichen Berufe ausüben". Dabei haben sie so getan, als gäbe es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Das ist absoluter Unsinn und hat viele Frauen dazu getrieben ihre Freiheit in einer tristen harten Arbeitswelt zu suchen, die von den Kampfweisen von Männern bestimmt werden.
    Zudem haben sie Kinder immer mehr als Belastung empfunden und sich weniger auf die Möglichkeit, Kinder zu kriegen eingelassen. Kinderkriegen wurde zuletzt von den Feministinnen als "Demütigung der Frau und Beschneidung von deren Rechten" verpönt.
    Dabei sind Kinder das schönste, was man haben kann und Frauen sollten für ihre Möglichkeit, letztere in die Welt zu setzen, nicht nur geehrt werden sondern können vielleicht auch ein wenig darum beneidet werden.
    Es ist gut, dass Frauen gleiche Rechte haben, aber sie sollten andere Möglichkeiten haben, sich zu verwirklichen, als in einem Großraumbüro Excel Tabellen zu pflegen oder am Fliessband teile zusammenzuschrauben im Akkord.
    Und man sollte vor allem Frauen, die sich zu Hause um die Kinder kümmern, nicht mehr als abhängig betrachten, sondern diese Frauen als besonders engagierte Frauen betrachten, die eine wirklich große Aufgabe erfüllen. Denn Kinder großzuziehen ist nicht nur viel schöner sondern auch wesentlich anspruchsvoller als superstinklangweilige Excel Tabellen für einen frustrierten Vorgesetzten auszufüllen. Das kann auch der Vorgesetzte selber tun als Mann. Mit Kinderkriegen hat er dagegen mehr Schwierigkeiten.

  3. den Begriff "Biologismus". Die Feststellung, dass Männer einen Penis, Frauen eine Vagina haben, entspricht schlicht der Wahrheit und entspringt keiner frauenunterdrückenden "biologistischen" Ideologie...

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    Eben genau das ist nicht der Fall. Nicht Frauen haben eine Vagina, sondern Menschen mit einer Vagina werden als Frau bezeichnet. Das hat aber nichts damit zutun ob sie auch einen Frau sind, oder sich nach dem klassischen Schema einer Frau verhalten. Menschen ticken nicht anders weil sie eine Vagina oder einen Penis haben, sondern weil jeder Mensch verschiedenen Bedürfnisse hat.

    Vermutlich habe ich den Artikel nicht aufmerksam genug gelesen, aber mir schien er nicht vom unterschiedlichen Genitalien zu handeln sondern von (angeblich) unterschiedlichen Interessen.
    Zum Beispiel ging der Artikel implizit ja davon aus, dass Maenner offenbar ganz gerne auch die stumpfsinnigsten Routinejobs erledigen - und nicht, wie die Frauen davon entlastet werden muessten.

  4. Nach der Lektüre des Beitrags möchte ich aus vollem Herzen sagen: "Irren ist männlich"!

  5. Eben genau das ist nicht der Fall. Nicht Frauen haben eine Vagina, sondern Menschen mit einer Vagina werden als Frau bezeichnet. Das hat aber nichts damit zutun ob sie auch einen Frau sind, oder sich nach dem klassischen Schema einer Frau verhalten. Menschen ticken nicht anders weil sie eine Vagina oder einen Penis haben, sondern weil jeder Mensch verschiedenen Bedürfnisse hat.

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    • leudoc
    • 02. März 2009 15:21 Uhr

    Eben genau das ist nicht der Fall. Nicht Frauen haben eine Vagina, sondern Menschen mit einer Vagina werden als Frau bezeichnet. Das hat aber nichts damit zutun ob sie auch einen Frau sind, oder sich nach dem klassischen Schema einer Frau verhalten. Menschen ticken nicht anders weil sie eine Vagina oder einen Penis haben, sondern weil jeder Mensch verschiedenen Bedürfnisse hat.

    Genau das sagt doch im Kern der Artikel aus. Nur weil sich eine Elite mit bestimmten Bedürfnissen darauf festgelegt hat, was die Bedürfnisse einer "feministischen" Frau sind, sollen sich alle anderen an diesen Bedürfnissen orientieren.
    Im übrigen geht mir dieses - entschuldigen Sie bitte diese etwas grobe Äußerung - dialektische Gequatsche tierisch auf den Senkel, weil es eben an exakt den Bedürfnissen der großen Mehrheit (ja, die mag intellektuell Ihnen im Durchschnitt unterlegen sein) vorbeigeht. Die Bedürfnisse der großen Mehrheit müssen - rein darwinistisch betrachtet - auch diejenigen sein, die mit der höchsten Reproduktionswahrscheinlichkeit der Nachkommen einhergehen. Und da macht ein gewisses angeborenes Rollenverhalten Sinn, denn das muß in Evolutionszeiträumen betrachtet einen Überlebensvorteil bieten und nicht in dem Wimpernschlag, den die Phase der im Artikel angesprochenen Form des Feminismus ausmacht. Wenn Sie selbst Kinder haben und die Kinder Ihrer - sicherlich der Tendenz zur klassischen Rollenerziehung unverdächtigen Freunde und Bekannten - beobachten, so dürfte Ihnen klar werden, daß erstaunlich viele Verhaltensweisen biologisch determiniert zu sein scheinen.
    Dass dies das Recht eines jeden Individuums nicht einschränkt, sich für sein Leben anders zu entscheiden, solange er damit nicht das Leben anderer beeinträchtigt, bleibt dabei unbestritten.

  6. Den größten Fehler, den die Feministinnen gemacht haben war und ist aus meiner Sicht, dass sie immer gepredigt haben, dass Frauen die "gleichen" Rechte wie Männer haben sollen und dies gleichgesetzt haben mit "Frauen sollen gleich viel arbeiten wie Männer und die gleichen Berufe ausüben". Dabei haben sie so getan, als gäbe es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Das ist absoluter Unsinn und hat viele Frauen dazu getrieben ihre Freiheit in einer tristen harten Arbeitswelt zu suchen, die von den Kampfweisen von Männern bestimmt werden.
    Zudem haben sie Kinder immer mehr als Belastung empfunden und sich weniger auf die Möglichkeit, Kinder zu kriegen eingelassen. Kinderkriegen wurde zuletzt von den Feministinnen als "Demütigung der Frau und Beschneidung von deren Rechten" verpönt.
    Dabei sind Kinder das schönste, was man haben kann und Frauen sollten für ihre Möglichkeit, letztere in die Welt zu setzen, nicht nur geehrt werden sondern können vielleicht auch ein wenig darum beneidet werden.
    Es ist gut, dass Frauen gleiche Rechte haben, aber sie sollten andere Möglichkeiten haben, sich zu verwirklichen, als in einem Großraumbüro Excel Tabellen zu pflegen oder am Fliessband teile zusammenzuschrauben im Akkord.
    Und man sollte vor allem Frauen, die sich zu Hause um die Kinder kümmern, nicht mehr als abhängig betrachten, sondern diese Frauen als besonders engagierte Frauen betrachten, die eine wirklich große Aufgabe erfüllen. Denn Kinder großzuziehen ist nicht nur viel schöner sondern auch wesentlich anspruchsvoller als superstinklangweilige Excel Tabellen für einen frustrierten Vorgesetzten auszufüllen. Das kann auch der Vorgesetzte selber tun als Mann. Mit Kinderkriegen hat er dagegen mehr Schwierigkeiten.

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    Tut wohl, so was mal von einer Frau zu lesen.

    Ja, auch ich kann Ihnen vorbehaltlos zustimmen.
    Ich empfinde als ein Grundübel. daß die gesellschaftliche Akzeptanz von Frauen, die Ihre Kinder erziehen oftmals zu schlecht ist.

    Wir haben selber 3 Kinder. Als meine Frau zu Hause blieb mußte sie sich rechtfertigen und als sie dann eine Arbeitsstelle außerhalb des Hauses bekam ebenfalls.

    Ich empfinde, daß hier Frau von der Leyen eine gute Arbeit geleistet hat.

    In der Regel bekommen Frauen in qualifizierten Berufen nicht deshalb weniger Kinder, weil sie selbst Kinder nicht moegen - sondern weil sie keinen Partner finden, der auch dann Kinder moechte, wenn er selbst sich hauptsaechlich um sie kuemmern muesste.

    daß Frauen "ihre Freiheit in einer tristen harten Arbeitswelt" suchen, in der sie "superstinklangweilige Excel Tabellen für einen frustrierten Vorgesetzten" ausfüllen müssen oder in "dreckige Fabriken rennen" (wie in einem anderen Kommentar zu lesen war), weil "die Feministinnen" das angeordnet haben ?

    • TimmyS
    • 02. März 2009 11:14 Uhr

    TiSe

    Die Vor-Kommentare sind genau das Problem, was immer wieder zur Komplikation führt. Ja, es stimmt wohl bei den großen feministischen Diskussionen werden die Männer kaum erwähnt. Das Interview war auch in vielerlei Hinsicht zu einseitig und etwas zu lasch formuliert. Gilbert hat aber Recht, das Grundproblem steckt darin, dass allein schon die Mütterschaft nicht geachtet wird. Es existiert eine bestimmte Phase, in der der Mann nicht viel machen kann, nämlich die Schwangerschaft und die zwei, drei Monate nach der Geburt. Ich habe noch keinen Mann gesehen, der die Brust gibt. Und man sollte sich nicht wirklich einfallen lassen, dass man ja mit Milchpulvern oder so das Kind auch füttern kann. Das kann man (Mann), aber theoretisch künstliche Nahrung für ein Baby sollte nun wirklich nicht als Standard in Erwägung gezogen werden. Ich plädiere natürlich auch dafür, dass die Vaterschaft geachtet wird, ich werde schließlich auch irgendwann mal Vater, aber die geringe Wertschätzung hängt auch mit der geringen Wertschätzung der Mütterschaft zusammen. Es kann nicht alles gleich sein, das geht allein aus biologischer Sicht nicht. Jedes Geschlecht hat andere biologische Voraussetzungen. Diese Unterschiede sollten aber wahrgenommen, akzeptiert und durch gesellschaftliche Regelungen kompensiert werden. Und da kann es passieren, dass Frauen mehr Unterstützung erhalten. Aber ein Mann hat es bei weitem leichter aus einer Vaterschaft in den Beruf einzusteigen als eine Frau, weil gesellschaftlich der Mann eh bevorzugt wird und er verdient auch ein höheres Gehalt. Natürlich werden auch Vaterschaften oft belächelt, aber das beruht darauf, dass das erziehen von Kindern kaum Wertschätzung erhält, besonders in ökonomischer Sicht. Ich ärgere mich auch über Jobangebote, in denen steht, dass Frauen bevorzugt genommen werden, aber anstatt mich ständig darüber zu ärgern, ärgere ich mich darüber, dass es überhaupt so eine Regelung geben muss und erkenne dann auch warum meine Freundin Angst hat. Frauen und Männer haben das gleiche Recht auf Erfüllung. Dieser Sinn sollte auch durch alle Schichten gehen und begriffen werden. Denn viele Berufe werden weit schlechter bezahlt (z.B. Friseur, Sekretärin), ich will nicht unbedingt sagen weil sie hauptsächlich von Frauen bekleidet werden, aber es erscheint schon merkwürdig, dass vorwiegend Berufe weiblicher Dominanz schlechter bezahlt werden und auch ein schlechteres Ansehen haben. Das oft nur von Frauen und Müttern gesprochen wird, liegt daran, dass es diese Gruppe besonders hart trifft. Wir rationalisieren alles runter und grenzen das Leben und die Natur völlig aus, eine grausame Vorstellung. Biologische Unterschiede können nicht einfach rationalisiert werden, wir können diese aber gesellschaftlich kompensieren.

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    Diese Unterschiede werden ja auch von fast allen Frauen, selbst von den meisten Feministinnen akzeptiert. Nicht akzeptiert wird allerdings, warum aus den "2, 3 Monaten nach der Geburt", gerne will ich auch ein halbes Jahr zugestehen, dann auf einmal der oeffentliche Diskurs sich um 3 Jahre pro Kind dreht.

    Sich die Elternzeit von einem Jahr ehrlich zu teilen waere ja auch eine Option.

    • BGrabe
    • 02. März 2009 11:25 Uhr

    Leider bin ich ein Mann, das beeinträchtigt meine Glaubwürdigkeit besonders bei Feministinnen.

    Aber die geschilderten Zustände sind genau das, was in meinem Umfeld von Ehepartnern mit Kindern entweder seit Jahren vertreten oder gelebt wird.
    einschließlich von meiner Frau und mir.

    Die staatliche Frauenförderung ist dabei mehr Belastung und Eingriff in die persönliche Lebensgestaltung, denn ein Segen.

    Es mag durchaus ein berechtigter Reflex sein, die Fokussierung auf den Begriff Mutterschaft und den Wegfall des Begriffes Vaterschaft in diesem Kontext als störend zu erachten.
    Aber 40 Jahre Feminismus sollten doch deutlich gemacht haben, dass Rollenverteilung auch etwas mit Neigungen zu tun haben, nachdem zumindest der gesellschaftliche und rechtliche Zwang entfallen ist.

    Wer mal erlebt hat, wie schwer ein Mann an ein neugeborenes Kind herankommt, wenn Mütter, Tanten, Omas,selbst Freundinnen sich darum drängeln, kann kaum umhin, als festzustellen, dass der Fürsorgedrang der Frau im Allgemeinen wohl deutlich stärker ist und manchmal ebenso rücksichtslos, wie mancher männliche Karrieredrang.

    Es ist einfach naiv zu glauben, das hätte keine Konsequenzen. In einer arbeitsteiligen Welt rutscht man schon allein deshalb schnell in das klassische Verhältnis, weil es schon außerhalb der äußerlichen Zwänge einfach praktisch ist und weniger Nerven kostet.

    Deshalb muss Frau nicht auf diese Rolle festgelegt sein, aber man kann kaum erwarten, dass man sich für ein Karriereleben einen Macho-Partner aussuchen kann, da passen Anspruch und Wirklichkeit gegenüber männlichen Partnern häufig nicht zusammen. Unrealistische Erwartungen gegenüber dem Partner sind halt keine Männerdomäne, wie so manche Feministinnen zu glauben scheinen.
    Da erweist sich Feminismus auch häufig als realitätsferner Egotrip einer kleinen Schicht höherer verwöhnter Töchter.

    Fazit: Das noch vorherrschende Bild der Frauenförderung muss und wird definitiv kippen, das ist lediglich eine Frage der Zeit.
    Man kann nur hoffen, dass das dann kein einseitiger ultrakonservativer Rückfall wird. Angesichts der aktuellen Verunsicherungen ist diese Gefahr jedenfalls real.

    Berthold Grabe

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  • Schlagworte Simone De Beauvoir | Arbeit | Einkommen | Jura | Wahl | Indien
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