Weltraumtourismus All inclusive
2010 starten die ersten Weltraumflüge für Touristen. Was nimmt man auf solch eine Reise mit? Humor und ein Diktiergerät, sagt Buchautor Martin Kohn
DIE ZEIT: Herr Kohn, Sie haben das Handbuch Weltraumtourismus verfasst, eine Art Reiseführer ins All. Warum sollte man sich so etwas kaufen?
MARTIN KOHN: Weil hier ein großer Markt entsteht! Sie erfahren, wie Sie sich vorbereiten, welche Anbieter es gibt, von welchen Bahnhöfen aus Sie ins All starten können. In Singapur etwa wird gerade einer gebaut, der nur für Touristen gedacht ist.
ZEIT: Können denn bald die ersten Allurlauber ihre Koffer packen?
Kohn: Oh ja! Virgin Galactic will schon im nächsten Jahr jede Woche mit sechs Passagieren in den Weltraum fliegen. Space Adventure möchte ab 2011 regelmäßig Touristen ins All schicken. Urlaub im All ist ja heute schon möglich – wenn man mehrere Millionen Euro auf den Tisch legt. Dann nämlich kann man 14 Tage in die Weltraumstation ISS ziehen. Neu ist, dass es bald auch günstigere Angebote gibt.
ZEIT: Dann gönnt man sich also statt des Zweitwagens einen Weltraumtrip.
Kohn: Genau. Die Reise ins All soll 2010 bei Virgin Galactic schon für 14.000 bis 15.000 Euro zu haben sein. Und die Preise werden weiter fallen. Das kennen wir doch aus der Reisebranche. Heute ist ein Flug nach Spanien so billig wie eine Taxifahrt in die Innenstadt. Das hätte vor 50 Jahren auch niemand gedacht.
ZEIT: Was bekomme ich denn für mein Geld – eine Reise zum Mond?
Kohn: Nein. Das ist zu weit. Bei Virgin Galactic wird man an die Grenze des Weltraums in 20 bis 25 Kilometer Höhe gebracht. Dort bleibt man dann fünf Minuten. Space Adventure will auch Touren auf 100 Kilometer anbieten, die 90 Minuten dauern. Für die muss man aber 100.000 Dollar hinblättern.
ZEIT: Mehr ist also für Nichtmillionäre nicht drin?
Kohn: Vorläufig nicht. Aber 2050 dürfte das anders werden. Dann soll es Wohnmodule geben, die an die ISS angedockt werden können. Auch lange Urlaube werden dann erschwinglich sein.
ZEIT: Was muss ich denn tun, wenn ich in den Weltraum fliegen will?
Kohn: Zuerst müssen ein paar Eckdaten stimmen. Sie müssen volljährig sein, dürfen höchstens 115 Kilogramm wiegen und nicht größer als 2,15 Meter sein. Außerdem müssen Sie einen Weltraumarzt aufsuchen, etwa bei der Esa in Köln. Er prüft zum Beispiel, ob Herz und Lunge gesund sind. Auch psychisch müssen Sie einen robusten Eindruck machen. Sie sollten weder zu ängstlich noch zu forsch auftreten und auch etwas Humor mitbringen. Der gilt nämlich als Grundvoraussetzung, um die Enge an Bord und Krisensituationen zu überstehen. Gibt der Arzt sein Okay, können Sie sich anmelden.
ZEIT: Und dann geht’s gleich los?
Kohn: Vorher machen Sie ein zweitägiges Training. Dabei wird in der Zentrifuge die Belastung simuliert, die der Start verursacht. Und es wird trainiert, wie man mit der Schwerelosigkeit umgeht. Wer länger im All bleibt, übt in einem Wassertank. Da lernt man, wie man im Weltraum spazieren geht. Man wird mit Gewichten behängt, sodass man im Wasser schwebt.
ZEIT: Was muss denn ins Handgepäck, wenn das Abenteuer startet?
Kohn: Zehn Kilo Freigepäck sind die Obergrenze. Also sollte man mit Bedacht packen. Man sollte sich eine sehr lichtstarke, leichte Kamera mit gutem Objektiv leisten. Sonst werden bei den hohen Geschwindigkeiten die Bilder unscharf. Auch ein Diktiergerät kann helfen, um Gedanken und Gefühle festzuhalten. Die Zeit ist knapp, und Schreiben ohne Schwerkraft erfordert einige Übung. Dafür sollte man auch bei längeren Aufenthalten sein Shampoo zu Hause lassen. Flüssigkeiten eignen sich nicht für die Schwerelosigkeit. Und ohnehin werden diese Reisen all inclusive angeboten. Das Hygieneset mit einer Art Waschpuder wird vom Reiseveranstalter gestellt.
ZEIT: Auf was muss man im All noch verzichten?
Kohn: Aufs morgendliche Duschen. An den herumfliegenden Wassertropfen würden Sie ersticken. Außerdem müssen Sie sich entscheiden, ob Sie eine Windel benutzen möchten oder die Vakuumtoilette mit dem Saugrohr.
ZEIT: Und wie steht’s mit dem Gläschen Wein als Sundowner?
Kohn: Schön wär’s, zumal die Sonne am Tag 16-mal auf- und untergeht. Alkohol und Rauchen sind aber tabu.
ZEIT: Das klingt sehr anstrengend. Warum sollten Menschen all diese Mühe auf sich nehmen, nur um einmal im All zu sein?
Kohn: Ich habe bei der Recherche zu meinem Buch mit vielen Astronauten gesprochen. Sie sagen: Es ist berauschend, unseren Planeten vom Orbit aus zu betrachten. Die irdischen Probleme sind auf einmal so fern. Ich jedenfalls werde sofort fliegen, wenn ich mir das mal leisten kann.
- Datum 02.03.2009 - 08:05 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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Das klingt sehr anstrengend. Warum sollten Menschen all diese Mühe auf sich nehmen, nur um einmal im All zu sein?
Ich formuliere es einmal um: Das klingt sehr anstrengend. warum sollten Menschen all diese Mühe auf sich nehmen, nur um einmal auf einem hohen Berggipfel zu sein?
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Herzlichst Crest
wie schön, dass es noch Platz für die wichtigen Dinge des Lebens gibt! Kann man im Orbit auch zum Frisuer? Gibt es eine angemessene Shopping Mall im Weltraumbahnhof? Wie kommt man dauerhaft ohne Prosecco in dieser Höhe über die Runden...??? Fragen über Fragen, die hoffentlich in einem weiteren unverzichtbaren Buch beantwortet werden!
.... 4 minutes to dump out your fridge into space! Erklärung (auf Deutsch) unter:
http://beltwild.blogspot....
CANABBAIA
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