Zukunftsvision Das Buch der StundeSeite 3/3
In der Zukunft, wo die sogenannte Methode regiert, heißt das: den Menschen schinden, bis er glücklich wird. Wer sich davor nicht fürchtet, hat über die Pervertierbarkeit der Aufklärung unzureichend nachgedacht. »Gesundheit ist sichtbar gewordener Wille. Ein Mensch, der nicht nach Gesundheit strebt, wird nicht krank, sondern ist es schon«, heißt es in einer Präambel über Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation. Sie ließe sich illustrieren mit Athleten aus einem aktuellen Sportartikelkatalog. Neben trainierte Körper haben die von Nietzsche inspirierten Werbetexter Namen geschrieben wie »Kraftpaket« oder »Selbstüberwinderin«.
Das Buch kommt natürlich ohne solche plakativen Gegenwartsbezüge aus. Durch den knappen Erzählstil, indem Zeh die kursierenden Perfektionsfantasien ohne viel Aufwand an Kulisse ins Extrem treibt, stellen sich Assoziationen ein. Der Leser sieht plötzlich, wohin Rauchverbote führen könnten, nämlich in den Zwang zur Selbstoptimierung, und worauf Fitnessgebote fußen, nämlich auf einem Nützlichkeitsdenken, das den Einzelnen auf die Gemeinschaft verpflichtet.
Es geht hier noch einmal um die großen Themen der letzten 200 Jahre: Freiheit und Gerechtigkeit, Kultur und Natur, Wahrheit und Propaganda. Um sie zukunftsgemäß zu verhandeln, braucht Zeh keine Zeitmaschinen, keine Raumschiffe. Sie beherzigt einfach die Maxime von J. G. Ballard: »Ich war sicher, dass die Sciencefiction aus dem Weltraum und der fernen Zukunft zurückkehren musste, dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht wird – in die Gegenwart.«
Gegenwart aber ist vor allem die Debatte über den Staat. Während seine Verächter nun nach ihm rufen, während die Entstaatlicher hysterisch Verstaatlichung fordern, wirft Juli Zeh stillschweigend die Frage auf, wie ein gelingender Staat aussehen könnte. Dass sie es im Bewusstsein etatistischer Entgleisungen tut, darin besteht ihre Kunst. Dass sie dem Triumphgeschrei vom »Ende der Geschichte« ins Wort fällt, darin besteht ihr Mut.
- Datum 01.03.2009 - 15:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
- Kommentare 28
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Rauchverbot.
Als ob es bei diesem um ein "Verbot" für jemanden ginge - das tut es nicht. Es geht um die Gerechtigkeit und die Möglichkeit, jederzeit selbst frei zu wählen, welche Drogen man gerne in welcher Menge konsumieren möchte - und welche nicht.
Insofern wären Beispiele wie Anschnallpflicht oder Helmpflicht deutlich passender als das - mal wieder - von der ZEIT zu Unrecht verleumdete Rauchverbot.
Aber wieviel vernünftigen Journalismus soll man schon von einer Zeitschrift erwarten, die vom Kampfraucher Helmut Schmidt herausgegeben wird???
Na ja, silent-one , ich glaube kaum , dass sich die redaktionelle Arbeit der ZEIT an dem jeweiligen Nikotin-Konsum des Herrn Altkanzlers orientiert. aber
bitte jeder hat das Recht auf seine Meinung. Ich halte das Rauchverbot gerade noch rechtens in Speiserestaurants, alles Andere ist Heuchelei, Dummheit und Realtitaetsferne. Da massen sich "Politiker" mangels Masse an, den Buerger zu schulmeistern damit wenigstens etwas in ihrer Bilanz steht. Die "Natur" wird das genauso regeln wie das Alkoholverbot in den
USA, ICH wage nicht vorherzusagen ob wir in 10 Jahren noch ein Rauchverbot oder den EURO haben. Uebrigens:Ich bin schon immer Nichtraucher.
Na ja, silent-one , ich glaube kaum , dass sich die redaktionelle Arbeit der ZEIT an dem jeweiligen Nikotin-Konsum des Herrn Altkanzlers orientiert. aber
bitte jeder hat das Recht auf seine Meinung. Ich halte das Rauchverbot gerade noch rechtens in Speiserestaurants, alles Andere ist Heuchelei, Dummheit und Realtitaetsferne. Da massen sich "Politiker" mangels Masse an, den Buerger zu schulmeistern damit wenigstens etwas in ihrer Bilanz steht. Die "Natur" wird das genauso regeln wie das Alkoholverbot in den
USA, ICH wage nicht vorherzusagen ob wir in 10 Jahren noch ein Rauchverbot oder den EURO haben. Uebrigens:Ich bin schon immer Nichtraucher.
Na ja, silent-one , ich glaube kaum , dass sich die redaktionelle Arbeit der ZEIT an dem jeweiligen Nikotin-Konsum des Herrn Altkanzlers orientiert. aber
bitte jeder hat das Recht auf seine Meinung. Ich halte das Rauchverbot gerade noch rechtens in Speiserestaurants, alles Andere ist Heuchelei, Dummheit und Realtitaetsferne. Da massen sich "Politiker" mangels Masse an, den Buerger zu schulmeistern damit wenigstens etwas in ihrer Bilanz steht. Die "Natur" wird das genauso regeln wie das Alkoholverbot in den
USA, ICH wage nicht vorherzusagen ob wir in 10 Jahren noch ein Rauchverbot oder den EURO haben. Uebrigens:Ich bin schon immer Nichtraucher.
... eine Rekombination verschiedener bereits vorhandener Werke aus einer einzelnen "Nischenperspektive" heraus, jedenfalls wenn das Werk der Beschreibung entsprechen sollte.
Man sehe sich mal den Film "Soylent Green" aus 1973 an, "THX 1138" aus 1971, "Getaca" oder lese "Fahrenheit 451", auf dem auch die Verfilmung "Equilibrium" basiert. Oder natürlich die Klassiker "1984" und "Brave New World".
So wie der Artikel die verwendete Allegorik beschreibt, ebenfalls extrem an diese Visionen angelehnt.
Hört sich ex ante schonmal schwach an, lesen werde ich es trotzdem mal, man kann ja nie wissen...
Wenn hier und in anderen ähnlichen Szenarien vom "Staat" als alles korrigierendem Opressor die Rede ist, müsste das ja eine absolute unabhängigkeit der Politischen Instanzen vorraussetzen. Ich frage mich, wo und wann dies jemals so war...
Im Umkehrschluss müsste man dann tatsächlich Fragen, wer den ein Interesse an einer wie auch immer gearteten und maximeirten Profitabilität des Individuums gegenüber der Gemeinschaft haben könnte. Da wurden mal kurz und eher verharmlosend bereits exisitierende Systeme wie die Hartz X Empfänger, die invaliden Alten... die Schmarotzer angesprochen...
Muss man auch da tatsächlich feststellen das der "Staat" als nun eher anonymes System sich verselbstständigt und anfängt die im anvertrauten Bürger zu Massregeln und öffentlich an den Pranger zu stellen... oder währe es nicht doch ehrlicher festzustellen das der "Staat" nicht's mehr als ein Interessenvertreter ist?
Immerhin ist der "Staat" nicht abhängig von Profiten als Selbstzweck. Vielmehr hat der "Staat" das Recht und die Macht sich das benötigte Kapital via Besteuerung zu beschaffen. Auf der anderen Seite stehen die privaten Profitinteressen welchen ab und an aus diversen Gründen zu diesen verholfen werden muss...
Bie Kranken die Versicherungen die deswegen nur Kosten ausweisen.
Bei den Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern die unnötigen Kosten welche lieber in Steuersenkungen gewandelt werden
Bei den Renten die anfallenden Kommissionen und Verwaltunsgebühren der privaten Versicherungsanbieter welche beim Umlagerungsverfahren nicht existieren.
usw.... warum in die Ferne schweifen, alles gute liegt so nah
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
So weit ich weiss hat das Jüngste Gericht schon getagt. Mindestens in Europa. Das letzte Mal waren das die beiden Weltkriege, das erste Mal der 30-jährige Krieg.
Das Gute daran: Wir leben derzeit in einer postapokalyptischen Zeit. Schön.
Einen perfekten Körper als höchstes Gut zu bezeichnen mag als individuelle Meinung gültig sein. JedeR hat wohl ein eigenes höchstes Gut. Ideal aber ist eine Mischung und Integration mehrerer Güter. Etwa mens sana in corpore sano als Integration eines gesunden Körpers und eines gesunden Geistes. Ein perfekter Körper sollte schon mit Weisheit und Intelligenz gepaart sein. Neben dem Besuch des Fitnessstudios sollte der Besuch einer Bibliothek mindestens gleichen Rang haben - meiner Meinung nach.
Warum handeln eigentlich alle Utopien immer davon, dass die Gesellschaft zum Ameisenstaat wird, in dem man nicht mehr Mensch, sondern "Teil des Ganzen" ist?
Dieses Massendenken, dieses "irgendwann werden alle gleich und sind nur noch Maschinen", das widerspricht jedem soziologischen Ansatz. Wertewandel, Individualisierung, Selbstverwirklichung...ich sehe die Zukunft genau andersherum, keine Einheitsgesellschaft, dafür so viele verschiedene Lebensformen, dass dies vielleicht noch viel mehr Probleme mit sich bringen könnte...
...,wie z.B. die Tatsache, dass wenn die Individualisierung Probleme mit sich bringt, bzw nicht mir umgegangen werden kann, das Pendel in die andere Richtung ausschlägt. (Wirklich) Individuell zu leben erfordert einiges mehr an Anstrengung und Sinnbezug.
Und dass die "Gesundheitserziehung" einen breiten Platz in der Öffentlichkeit einhimmt, der brauch ja nur einen Buchladen oder einen Zeitungskiosk (Stichwort: Magazine, man denke nur an den FOCUS) betreten. Für mich ist das schon wirklich ekelhaft und eine Beleidigung der Wissenschaft und der journalistischen Aufgabe, wenn jeder, der mal eine Studie gemacht hat, als Heilsbringer hochgejubelt wird.
Das ist das, was mir auch der Artikel über das Buch sagt: Glück wird in Gesundheit gesucht, Denken wird dafür nicht benötigt , ein Land , in dem nicht gedacht wird, ist der Nährboden für Totalitarismus.
...,wie z.B. die Tatsache, dass wenn die Individualisierung Probleme mit sich bringt, bzw nicht mir umgegangen werden kann, das Pendel in die andere Richtung ausschlägt. (Wirklich) Individuell zu leben erfordert einiges mehr an Anstrengung und Sinnbezug.
Und dass die "Gesundheitserziehung" einen breiten Platz in der Öffentlichkeit einhimmt, der brauch ja nur einen Buchladen oder einen Zeitungskiosk (Stichwort: Magazine, man denke nur an den FOCUS) betreten. Für mich ist das schon wirklich ekelhaft und eine Beleidigung der Wissenschaft und der journalistischen Aufgabe, wenn jeder, der mal eine Studie gemacht hat, als Heilsbringer hochgejubelt wird.
Das ist das, was mir auch der Artikel über das Buch sagt: Glück wird in Gesundheit gesucht, Denken wird dafür nicht benötigt , ein Land , in dem nicht gedacht wird, ist der Nährboden für Totalitarismus.
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momentan stellt sie sich vor, wer macht mit?
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