Was für ein Lamento!

Jörg Burger: »Wir haben abgetrieben« Zeitmagazin Nr. 8

Nach Lektüre des Artikels muss ich vor Mitgefühl beinahe weinen! Diese armen Väter! Aber eine vorsichtige Frage hätte ich zuvor: Könnte die Verzweiflung dieser Herren nicht eher einem schwindenden Machtgefühl zugeordnet werden?

Ich hatte die Hoffnung, dass hier einmal Männer gestehen, dass sie eine Frau zur Abtreibung überredet haben oder sie dazu erpressen wollten und das möglicherweise sogar später bereut haben. Aber darüber wird auch weiter geschwiegen. Zulasten der Frauen.

Gisela Rindle, per E-Mail (65, glücklicherweise eine Tochter)

Die Einseitigkeit ist höchst ärgerlich. Sämtliche vorgestellten Männer leiden unter der Abtreibung und sind »verletzt«, sämtliche Frauen haben »eigenmächtig« und scheinbar skrupellos gehandelt. Mal abgesehen davon, dass die Zahl der Männer, die Frauen dazu bringen, gegen ihren eigenen Willen abzutreiben, auch signifikant ist – es ist immer noch die Frau, die schwanger ist und stillt und in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle für das alltägliche Wohl der Kinder verantwortlich ist; die die Nachteile im Beruf zu spüren bekommt und die Konsequenzen der Entscheidung für oder gegen ein Kind jeden Tag zu tragen hat. Und das bedeutet mehr, als sich, wie einer der Männer bekundet, tagsüber darauf zu freuen, abends seine Kinder ins Bett zu bringen – gerne auch noch ein viertes.

Die Parole »Mein Bauch gehört mir«, durch die sich die Männer laut Jörg Burger »an die Wand gedrängt« fühlen, ist doch als Reaktion auf die Besitzansprüche und Bevormundungen geprägt worden, die Ende der sechziger Jahre gang und gäbe waren. Offenbar trauern einige diesen Zuständen immer noch nach.

Dr. Nicole Seifert, Hamburg

Die meisten Frauen suchen alleine (ohne den Erzeuger) eine Schwangerschaftskonfliktberatung auf, weil die Männer nicht bereit sind, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Es gibt aus meiner Sicht viel zu viele Männer, die sich nicht oder kaum um das von ihnen getrennt lebende Kind kümmern und häufig auch noch versuchen, sich vor den Unterhaltszahlungen zu drücken. Es gibt auch zu viele Männer, die ihre Frau beziehungsweise Geliebte zu einer Abtreibung drängen, obwohl diese sich ein Kind wünscht, da sie nicht bereit sind, Verantwortung zu tragen, die sie bereits beim Thema Verhütung von sich gewiesen haben.

Und sicher gibt es da auch eine kleine Gruppe von Männern, deren Partnerinnen gegen den Willen der Männer abgetrieben haben. Nur in diesem Zusammenhang verdient dieses Thema Aufmerksamkeit!

Frank Dähling, Kiel (Sozialpädagoge, Psychotherapeut und Supervisor)

Eines macht Burger dankenswerterweise deutlich: Die Fanfare der siebziger Jahre »Mein Bauch gehört mir!« muss ergänzt werden von den Vätern: »…aber was drin ist, ist ein Teil von mir!« Deshalb ist das Beratungsgesetz zu novellieren. Die Erzeuger des werdenden Kindes sollten dringend gehört werden. Gewiss, sie sind nicht immer greifbar. Aber wenn fast die Hälfte der abtreibungswilligen Frauen verheiratet ist und die Väter nur an einem Viertel der Gespräche teilnehmen, läuft etwas falsch. Es ist höchste Zeit, das zu ändern. Über die möglichen Nachwirkungen einer Abtreibung auf die Psyche müssen auch Männer aufgeklärt werden. Am besten schon in der Schule.

Helmut Mehrer, Brühl

Dass Männer überwiegend negativ über die Folgen ihrer (!) Abtreibungen berichten, wundert mich nicht. Überrascht und gefreut hat mich aber, dass Sie das so offen thematisieren – ohne Vereinfachung der Einzelfälle. Wir brauchen solche Tabubrüche, um das Ausmaß der beschriebenen Tragödie in den Blick zu bekommen.

Daniel Renz, Stuttgart

Was für »mutige Bekenner«! Haben die Frauen auf dem Titelbild des sterns 1981 sich selbst bezichtigt, so haben diese selbstgefälligen Herren auf dem Titelblatt Ihrer Zeitung doch vor allem ihre Expartnerinnen angeklagt.

Obwohl für mich eine Abtreibung nie infrage kam, kann ich gut verstehen, dass es Frauen gibt, die diesen Männern nicht zugetraut haben, die Verantwortung für ein gemeinsames Kind mit zu übernehmen.

Hannelore Haubold, Braunschweig

Die Familie ist dabei, sich aufzulösen, die Männer haben sich weitgehend aus der Verantwortung für den Nachwuchs verabschiedet, und die ZEIT macht sich stark für ein männliches Mitspracherecht bei der Abtreibung!

»Mein Bauch gehört mir«, hieß es mal vor 40 Jahren, nachdem jahrhundertelang Männer über den weiblichen Körper verfügt hatten. Nun gibt sich Ihre angeblich liberale Zeitung dazu her, die Ohnmacht der Männer zu beklagen. Das scheint das eigentliche Problem zu sein: eine Sphäre, die dem männlichen Zugriff weitgehend entzogen ist.

Uns, die wir den Paragrafen 218 in seiner alten Form durch die Selbstanzeige 1971 zu Fall brachten, ist nichts geschenkt worden. Solange die Schwangerschaft im Bauch der Frau stattfindet, kann nur sie darüber entscheiden, auch wenn ein Mann das als narzisstische Kränkung erfahren sollte.

Dr. phil. Christine Wittrock Tazacorte, Spanien

 
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