Waljagd Blutiges Brauchtum

Vor den Färöer-Inseln werden mehrmals im Jahr Grindwale zusammengetrieben und geschlachtet. Tierschützer verurteilen das Gemetzel, die Einheimischen verteidigen es als ihre Tradition

Die Meeressäuger werden in die Bucht getrieben. Jäger mit Haken zerren sie an den Strand und schneiden ihnen die Hauptschlagader durch

Die Meeressäuger werden in die Bucht getrieben. Jäger mit Haken zerren sie an den Strand und schneiden ihnen die Hauptschlagader durch

G rindabod!« Wenn dieser Ruf ertönt, lässt man auf den Färöer Inseln alles stehen und liegen. Grindabod heißt: Eine Gruppe von Grindwalen oder von Weißseitendelfinen ist gesichtet worden. Dann laufen Motorboote aus, und die Wale werden zusammengetrieben. Gibt der Sysselmann – der örtliche Polizeichef – sein Einverständnis, werden sie in die nächste Bucht gedrängt. Was dann folgt, ist nichts für zarte Gemüter.

Männer stürmen ins hüfttiefe Wasser und stechen Metallhaken ins Blasloch der Wale. Dann zerren sie die in Panik wild um sich schlagenden Tiere in Richtung Strand. Dort versuchen sie, die Hauptschlagader zu durchtrennen; aber die liegt tief, und die Wale sind stark. Der Todeskampf der Meeressäuger kann lange dauern. Am Ende ist das Wasser in der Bucht blutrot gefärbt, und Dutzende von toten Walen liegen am Strand.

Anfang Januar fand das Gemetzel zuletzt statt, nachdem über ein Jahr lang keine Wale in die Nähe der Färöer gekommen waren – eine Ausnahme, normalerweise ist mehrmals jährlich Grindadráp, »Waltötung«. Durchschnittlich 900 Grindwale und 300 Weißseitendelfine sterben so jedes Jahr auf der zwischen Island und Schottland gelegenen Inselgruppe. Vermutlich zu wenige, um die einst auf rund 750000 beziehungsweise 63000 Tiere geschätzten Populationen zu gefährden. Grindwale wurden zuletzt 1989 gezählt, über die aktuelle Verbreitung herrscht Unklarheit.

Trotzdem treibt das Schlachten Walschützer weltweit auf die Barrikaden. »Das ist eine der brutalsten Formen der Waltötung überhaupt«, sagt Niki Entrup von der Wal- und Delfinschutzgesellschaft WDCS. Außerdem seien die sozialen Einheiten innerhalb der Population durch den Fang gefährdet. Auch der internationale Tierschutzbund IFAW verurteilt die Jagd. »Derzeit kann man zwar leider nicht sagen, dass die Grindwale als Art gefährdet sind«, sagt Andreas Dinkelmeyer vom IFAW, aber die Tiere hätten bereits so sehr mit Plastikresten, Schiffslärm und Schadstoffen im Meer zu kämpfen, dass man sie unbedingt schonen müsse.

Ebendiese Schadstoffbelastung könnte dem Walfang ohnehin bald ein Ende bereiten. Grindwalfleisch enthält derart hohe Konzentrationen an Quecksilber, dass selbst das Färinger Gesundheitsministerium im vergangenen November vor dem Konsum warnte. Besonders schwangere oder stillende Frauen sollten ganz auf Walfleisch verzichten, andernfalls drohten schwere Entwicklungsstörungen bei ihren Kindern. Bei Erwachsenen steigere die Schwermetallverseuchung das Risiko, an Parkinson zu erkranken.

Dennoch beharren die Färinger vorerst auf ihrer Tradition. Sie berufen sich dabei auf ihren politischen Sonderstatus: Ihre Inseln gehören zwar zum Königreich Dänemark, sind aber weitgehend selbstverwaltet – und nicht Mitglied der EU. Unter die Färöer Selbstbestimmung fällt auch die Nutzung der marinen Ressourcen in den Küstengewässern.

»Die Grindwaljagd ist Teil unserer Kultur«, sagt Sigmundur Isfeld, Chefdiplomat der Färinger Autonomieregierung. »Sie gibt uns ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.« Die Argumente der Tierschützer hält man auf den Färöern für irrational. Warum sollte man zum Beispiel Schweine töten dürfen, aber Wale nicht? Die Schadstoffbelastung jedoch macht auch den Traditionalisten Sorgen. »Aber die Verschmutzung der Ozeane geht hauptsächlich von genau den Ländern aus, die uns kritisieren«, beklagt sich Isfeld. »Sie verstehen uns nicht.«

Verfechter der Färinger Tradition bemerken außerdem, dass die Inselbewohner die Wale nicht auf hoher See verfolgen, sondern nur diejenigen töten, die in die Nähe der Inselgruppe kommen. Auch sei die Jagd nicht kommerziell, das Fleisch werde nicht verkauft, sondern unter den am Fang beteiligten Familien verteilt. Und schließlich könne man sich fragen, ob es den Tieren in der Fleischindustrie, die ihr Dasein in Massenhaltung fristen und schließlich im Schlachthof enden, wirklich besser gehe als den Grindwalen, die wenigstens ihr Leben in Freiheit verbrächten.

Detlef Wildraut hat für beide Seiten Verständnis. Der langjährige Vorsitzende des Deutsch-Färöischen Freundeskreises hat auch einmal einen Grindadráp miterlebt. »Das blutige Wasser sah nach einem Gemetzel aus«, sagt er, während die Stimmung unter den Zuschauern eher wie auf einem Volksfest gewirkt habe. Bei vielen Kritikern der Jagd vermisst er die Bemühung, sich in die Mentalität der Färinger hineinzuversetzen. »Ich würde es begrüßen, wenn man dort keine Grindwale mehr töten würde«, fügt er hinzu, »aber die Entscheidung sollte allein von den Färingern getroffen werden.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) Tierschutz aus biologischer Sicht hat Sinn, jedoch gibt es einen Unterschied zwischen den Tierschutz den einige Menschen mittels, Wohnzimmerzoo, an den Tag legen und die Tiere in ihrere freien Laufbahn zu erhalten. Erstzitierte sind geisteskranke, verwoehnte Spiesser!

    Wenn die Tierschuetzer den Tieren helfen wollt, dann helft doch mal mit dem bewaffneten Widerstand gegen den Raubbau im Kongo, aber dafuer sind diese Urwaldfreunde ja viel zu zivilisatorisch. Verzieht euch in euer Wohnzimmerzoo und propagiert von dort aus eueren "Tierschutz".

  2. wie die Animal Liberation Front oder Earth Liberation Front der man beitreten kann um den Tierschutz durchzubringen. Aber das will der normalo Tierschuetzer nicht weil das radikal ist....hey...tiere toeten ist auch radikal ihr feigen pseudotierschuetzer!

    Aber es gibt auch sowas wie den Humanismus! Meiner Ansicht nach kommt der Mensch immer noch vor dem Tier!

  3. (entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Die Redaktion/jk)

  4. 4. Wale

    lieber Herr Filion sind Saeugetiere die wieder ins Meer zurueckgekehrt sind oder so...naja, evolutionszeug....bleibe lieber bei meiner guten, alten Bibel.

    Traditionen sind da um gepflegt zu werden. Verbietet ihnen Herr Filion ja auch niemand bei dem Karnevalsmarsch nicht mitzumarschieren, oder???

    Also, solange die dort kein Nintendo-DS und Atommeiler haben um diese am laufen zu erhalten, sollte man den Urmenschen dort oben doch ihre Traditionen und Braeuche lassen!

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    Traditionen sind nicht einfach da. Sie entwickeln sich genauso wie Lebewesen (kulturelle Evolution). Sie werde als Antwort der Bedingungen, unter denen die Leute leben, geboren und von Generation zu Generation weitertradiert.
    Sie orientieren sich aber dabei stets an den Wünschen und Bedürfnissen; und sei es, die Tradition solle um der Tradition aufrechterhalten werden, denn allein schon das kann dem Menschen feste Haltepunkte im Strom dieser chaotischen Welt liefern. Somit ist eine Tradition als menschengemachtes Verhaltensmuster nicht einfach so da, sondern lässt sich aus dem Kontext der Geschichte und Lebensverhältnisse ableiten.

    Allerdings muss eine Tradition trotzdem stets der Realität stellen und an den momentanen Bedingungen messen lassen: Und da sind wir heute an einem Punkt angekommen, wo konservative Gemüter sich durchaus herausgefordert fühlen können, denn nie zuvor wurde man mit so viel neuen Ideen Möglichkeiten und Informationen bedrängt wie heute. Früher wurden Kriegsgefangene einem Gott als Opfer dargebracht, heute gelten für sie ebenso Menschenrechte wie für alle anderen. Auch wenn es sich bei den Walen um nichtmenschliche Lebewesen handelt, die Fragen, inwiefern wir ihnen Rechte zugestehen, bleibt einzig und allein uns Menschen überlassen und muss im gesellschaftlichen Dialog abgemacht werden. Genau wie für Hunde, Hühner, Hamster und Nashörner. All diese verschiedenen Arten mit Rechten auszustatten, liegt letztlich bei uns. Wir differenzieren dabei zwischen Heim- und Nutztieren, den einen räumen wir mehr Recht ein als den anderen. Aus dem Recht, ein Schwein zu töten somit herzuleiten, dass der Wal auch getötet ist damit ein hinfälliges Argument, weil jede Regel von uns letztlich willkürlich gesetzt wird. Zwar so, dass aus der Regel ein gewisser Vorteil erwächst aber eben doch willkürlich.

    Warum es nützlich ist, keine Tier zu töten, hat Tolstoi so sehr treffend formuliert:
    "Vom Tiermord zum Menschenmord ist es nur ein Schritt und damit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei."
    Natürlich will ich den Menschen dort oben keinen Zwang antun. Aber ich finde, jeder sollte in der Lage sein, sein eigenes Verhalten zu überdenken und gegebenfalls zu ändern. Würden alle der Traditionsblindheit folgen, würden wir heute auch noch unsere Gefangenen opfen.

    Traditionen sind nicht einfach da. Sie entwickeln sich genauso wie Lebewesen (kulturelle Evolution). Sie werde als Antwort der Bedingungen, unter denen die Leute leben, geboren und von Generation zu Generation weitertradiert.
    Sie orientieren sich aber dabei stets an den Wünschen und Bedürfnissen; und sei es, die Tradition solle um der Tradition aufrechterhalten werden, denn allein schon das kann dem Menschen feste Haltepunkte im Strom dieser chaotischen Welt liefern. Somit ist eine Tradition als menschengemachtes Verhaltensmuster nicht einfach so da, sondern lässt sich aus dem Kontext der Geschichte und Lebensverhältnisse ableiten.

    Allerdings muss eine Tradition trotzdem stets der Realität stellen und an den momentanen Bedingungen messen lassen: Und da sind wir heute an einem Punkt angekommen, wo konservative Gemüter sich durchaus herausgefordert fühlen können, denn nie zuvor wurde man mit so viel neuen Ideen Möglichkeiten und Informationen bedrängt wie heute. Früher wurden Kriegsgefangene einem Gott als Opfer dargebracht, heute gelten für sie ebenso Menschenrechte wie für alle anderen. Auch wenn es sich bei den Walen um nichtmenschliche Lebewesen handelt, die Fragen, inwiefern wir ihnen Rechte zugestehen, bleibt einzig und allein uns Menschen überlassen und muss im gesellschaftlichen Dialog abgemacht werden. Genau wie für Hunde, Hühner, Hamster und Nashörner. All diese verschiedenen Arten mit Rechten auszustatten, liegt letztlich bei uns. Wir differenzieren dabei zwischen Heim- und Nutztieren, den einen räumen wir mehr Recht ein als den anderen. Aus dem Recht, ein Schwein zu töten somit herzuleiten, dass der Wal auch getötet ist damit ein hinfälliges Argument, weil jede Regel von uns letztlich willkürlich gesetzt wird. Zwar so, dass aus der Regel ein gewisser Vorteil erwächst aber eben doch willkürlich.

    Warum es nützlich ist, keine Tier zu töten, hat Tolstoi so sehr treffend formuliert:
    "Vom Tiermord zum Menschenmord ist es nur ein Schritt und damit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei."
    Natürlich will ich den Menschen dort oben keinen Zwang antun. Aber ich finde, jeder sollte in der Lage sein, sein eigenes Verhalten zu überdenken und gegebenfalls zu ändern. Würden alle der Traditionsblindheit folgen, würden wir heute auch noch unsere Gefangenen opfen.

  5. Tierschutz, Umweltschutz ist immer sehr leicht, wenn die anderen auf etwas verzichten sollen. Kaufen Sie keinen Rote-Liste-Fisch, schauen Sie nach, wieviel Phosphat in Ihrem Waschmittel ist und verwenden Sie das sparsam ... wir wissen das alles.

    Was dann noch die Färöer betrifft: Nun, ich esse Schweinefleisch, aber ich würde an keinem Volksfest teilnehmen, auf dem Dutzende Schweine laut schreiend über mehrere Stunden abgestochen werden. Nicht mal, weil ich besonders viel Mitleid mit den Schweinen hätte - ich kann das selbst nicht haben. Tatsächlich stimmt der Punkt, daß die Schwermetallbelastung der Wale das größere Problem ist. Das killt nämlich alle Wale, nicht nur ein paar jedes Jahr am Strand.
    Theo Rem

  6. Traditionen sind nicht einfach da. Sie entwickeln sich genauso wie Lebewesen (kulturelle Evolution). Sie werde als Antwort der Bedingungen, unter denen die Leute leben, geboren und von Generation zu Generation weitertradiert.
    Sie orientieren sich aber dabei stets an den Wünschen und Bedürfnissen; und sei es, die Tradition solle um der Tradition aufrechterhalten werden, denn allein schon das kann dem Menschen feste Haltepunkte im Strom dieser chaotischen Welt liefern. Somit ist eine Tradition als menschengemachtes Verhaltensmuster nicht einfach so da, sondern lässt sich aus dem Kontext der Geschichte und Lebensverhältnisse ableiten.

    Allerdings muss eine Tradition trotzdem stets der Realität stellen und an den momentanen Bedingungen messen lassen: Und da sind wir heute an einem Punkt angekommen, wo konservative Gemüter sich durchaus herausgefordert fühlen können, denn nie zuvor wurde man mit so viel neuen Ideen Möglichkeiten und Informationen bedrängt wie heute. Früher wurden Kriegsgefangene einem Gott als Opfer dargebracht, heute gelten für sie ebenso Menschenrechte wie für alle anderen. Auch wenn es sich bei den Walen um nichtmenschliche Lebewesen handelt, die Fragen, inwiefern wir ihnen Rechte zugestehen, bleibt einzig und allein uns Menschen überlassen und muss im gesellschaftlichen Dialog abgemacht werden. Genau wie für Hunde, Hühner, Hamster und Nashörner. All diese verschiedenen Arten mit Rechten auszustatten, liegt letztlich bei uns. Wir differenzieren dabei zwischen Heim- und Nutztieren, den einen räumen wir mehr Recht ein als den anderen. Aus dem Recht, ein Schwein zu töten somit herzuleiten, dass der Wal auch getötet ist damit ein hinfälliges Argument, weil jede Regel von uns letztlich willkürlich gesetzt wird. Zwar so, dass aus der Regel ein gewisser Vorteil erwächst aber eben doch willkürlich.

    Warum es nützlich ist, keine Tier zu töten, hat Tolstoi so sehr treffend formuliert:
    "Vom Tiermord zum Menschenmord ist es nur ein Schritt und damit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei."
    Natürlich will ich den Menschen dort oben keinen Zwang antun. Aber ich finde, jeder sollte in der Lage sein, sein eigenes Verhalten zu überdenken und gegebenfalls zu ändern. Würden alle der Traditionsblindheit folgen, würden wir heute auch noch unsere Gefangenen opfen.

    Antwort auf "Wale"
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    Mag sein. Warum glauben Sie jedoch, dass es hier nur um eine Tradition geht? Die Menschen dort essen das Fleisch, obwohl sie wissen müssten, dass es stark belastet ist - für die Färöer ist das nicht (nur) ein Spektakel, sondern eine Lebensgrundlage. Ich finde es daher außerordentlich peinlich, dass hier Tierschützer Aktionismus betreiben, während die Weltmeere industriell leergefischt werden, wodurch sowohl das biologische Gleichgewicht als auch die Lebensgrundlage vieler in Gefahr ist.

    Fazit: Den Tierschützern geht es hier wohl eher nicht um einen sinnvollen und achtsamen Umgang mit der Tierwelt, sondern um die fehlgeleitete Durchsetzung einer krausen Ideologie, wobei sie an der Realität vorbeigehen. Kunststück, da diese wahrscheinlich nicht im geringsten von Subsistenzwirtschaft abhängig sein dürften.

    Mag sein. Warum glauben Sie jedoch, dass es hier nur um eine Tradition geht? Die Menschen dort essen das Fleisch, obwohl sie wissen müssten, dass es stark belastet ist - für die Färöer ist das nicht (nur) ein Spektakel, sondern eine Lebensgrundlage. Ich finde es daher außerordentlich peinlich, dass hier Tierschützer Aktionismus betreiben, während die Weltmeere industriell leergefischt werden, wodurch sowohl das biologische Gleichgewicht als auch die Lebensgrundlage vieler in Gefahr ist.

    Fazit: Den Tierschützern geht es hier wohl eher nicht um einen sinnvollen und achtsamen Umgang mit der Tierwelt, sondern um die fehlgeleitete Durchsetzung einer krausen Ideologie, wobei sie an der Realität vorbeigehen. Kunststück, da diese wahrscheinlich nicht im geringsten von Subsistenzwirtschaft abhängig sein dürften.

    • gauss
    • 27.02.2009 um 22:02 Uhr

    Der Mensch wird es eines Tages geschafft haben und seine Existenzgrundlage vernichtet haben! Wozu eine solche Treibjagd auf Wale? Es wird ja eh kaum etwas verwertet. Wenn man den Tran noch gebrauchen könnten, die Geschäftsgrundlage der Waljagd hat sich in den letzten hundert Jahren grundlegend gewandelt und ist heutzutage völlig sinnbefreit.

    Stattdessen sollte man lieber den Waltoruismus ausbauen. Auf Island kommt dadurch viel mehr Geld in die Kassen.

    --
    "that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"

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    Lieber Gauss,

    der Punkt ist doch genau, daß die Färöer Bewohner das tun, weil es ihnen Spaß macht. Weil es ein traditionelles "Riesengaudi" ist, so wie Fuchsjagd in England oder Stierhatz in Spanien oder Oktoberfest oder Rauchen oder Formel-1-Rennen ... die alle keinen materiellen Nutzen produzieren. Worauf die Autorin wohl hinaus wollte, ist: Soll man ihnen den Spaß lassen? Wären es Chinesen oder Russen, wäre der Ton hier längst ein anderer, vermute ich. Aber so, das sind ja fast europäische Traditionen und es gibt eine Freundschaftsgesellschaft und die haben Demokratie. Ist es politisch korrekt, denen etwas zu verbieten?

    Sehr schön am Beispiel finde ich auch, daß die Grindwale durch diese Praxis eben nicht im Bestand gefährdet sind. Wie gesagt, ich finde das auch nicht spaßig, wie Sie finde ich es sogar eklig, aber mir ist auch klar: Grindwale und Pottwale sterben eher durch das Verhalten von Deutschen und Briten und Franzosen (die alle nicht jagen) als durch die paar Inselbewohner da im Norden.

    Theo Rem

    Der Mensch wird es eines Tages geschafft haben und seine Existenzgrundlage vernichtet haben!

    Sicher dass Sie den Artikel gelesen haben? Da steht doch extra dass die Populationen durch den Walfang auf den Faröer Inseln nicht gefährdet sind. Was die Populationen wirklich gefährdet ist die Verschmutzung der Meere und die soll ja hauptsächlich von uns kommen.
    Und dass kaum etwas verwertet wird glaube ich nicht, gerade bei solchen Traditionen wird im Gegensatz zu unserer Massentierhaltung und Schlachtung oft fast alles verwertet.

    Wenn man sich die Zustände in unseren Schlachthöfen anschaut brauchen wir über andere glaube ich nicht meckern. Da sollten wir lieber vor unserer eigenen Haustür kehren.
    Außerdem leben diese Wale wenigstens ihr Leben in Freiheit, im Gegensatz zu unseren Schweinen und Rindern. Oder noch besser: im Gegensatz zu unseren frisch gestopften Gänsen die nicht mehr aufstehen können wenn sie umfallen weil sie zu fett sind.

    Dieses ganze Gemecker über ein paar grausame Traditionen die es in anderen Ländern gibt ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.

    Was Ihnen möglichweise nicht in den Sinn kommt, lieber Gauß, ist die Tatsache, daß sich auf den Färöern nicht alles um Geld dreht. Das ist für manche von uns schwierig, zu verstehen.
    Und Waltourismus ist auf den Färöern nicht möglich, Gott sei Dank, denn sonst würden noch mehr solcher Heinis dort die Luft verpesten, die meinen, anderen Völkern, die im Gegensatz zu uns geistig völlig verarmten und politisch korrekt weichgespülten Deutschen noch Tradition und Nationalstolz haben, vorschreiben zu wollen, was sie zu tun oder zu lassen haben.

    Jeder, der offenen Geistes und nicht nur für drei Tage die Färöer besucht hat, ist in vielerlei Hinsicht reicher geworden.

    Und ganz sachlich: Vom Grindwal wird bis auf die Knochen/Flossen/Kopf und die Eingeweide alles verwertet. Und zwar ausschließlich zu Verzehr. Tran wurde von Großwalen gewonnen. Das ist seit den Siebzigern verboten und beendet. So alt scheinen aber die Propagandabilder zu sein, die irgendein Blockwart von Greenpeace ausgegraben haben wird. Und die ebenso alte Gehirnwäsche war außerdem erfolgreich.

    Lieber Gauss,

    der Punkt ist doch genau, daß die Färöer Bewohner das tun, weil es ihnen Spaß macht. Weil es ein traditionelles "Riesengaudi" ist, so wie Fuchsjagd in England oder Stierhatz in Spanien oder Oktoberfest oder Rauchen oder Formel-1-Rennen ... die alle keinen materiellen Nutzen produzieren. Worauf die Autorin wohl hinaus wollte, ist: Soll man ihnen den Spaß lassen? Wären es Chinesen oder Russen, wäre der Ton hier längst ein anderer, vermute ich. Aber so, das sind ja fast europäische Traditionen und es gibt eine Freundschaftsgesellschaft und die haben Demokratie. Ist es politisch korrekt, denen etwas zu verbieten?

    Sehr schön am Beispiel finde ich auch, daß die Grindwale durch diese Praxis eben nicht im Bestand gefährdet sind. Wie gesagt, ich finde das auch nicht spaßig, wie Sie finde ich es sogar eklig, aber mir ist auch klar: Grindwale und Pottwale sterben eher durch das Verhalten von Deutschen und Briten und Franzosen (die alle nicht jagen) als durch die paar Inselbewohner da im Norden.

    Theo Rem

    Der Mensch wird es eines Tages geschafft haben und seine Existenzgrundlage vernichtet haben!

    Sicher dass Sie den Artikel gelesen haben? Da steht doch extra dass die Populationen durch den Walfang auf den Faröer Inseln nicht gefährdet sind. Was die Populationen wirklich gefährdet ist die Verschmutzung der Meere und die soll ja hauptsächlich von uns kommen.
    Und dass kaum etwas verwertet wird glaube ich nicht, gerade bei solchen Traditionen wird im Gegensatz zu unserer Massentierhaltung und Schlachtung oft fast alles verwertet.

    Wenn man sich die Zustände in unseren Schlachthöfen anschaut brauchen wir über andere glaube ich nicht meckern. Da sollten wir lieber vor unserer eigenen Haustür kehren.
    Außerdem leben diese Wale wenigstens ihr Leben in Freiheit, im Gegensatz zu unseren Schweinen und Rindern. Oder noch besser: im Gegensatz zu unseren frisch gestopften Gänsen die nicht mehr aufstehen können wenn sie umfallen weil sie zu fett sind.

    Dieses ganze Gemecker über ein paar grausame Traditionen die es in anderen Ländern gibt ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.

    Was Ihnen möglichweise nicht in den Sinn kommt, lieber Gauß, ist die Tatsache, daß sich auf den Färöern nicht alles um Geld dreht. Das ist für manche von uns schwierig, zu verstehen.
    Und Waltourismus ist auf den Färöern nicht möglich, Gott sei Dank, denn sonst würden noch mehr solcher Heinis dort die Luft verpesten, die meinen, anderen Völkern, die im Gegensatz zu uns geistig völlig verarmten und politisch korrekt weichgespülten Deutschen noch Tradition und Nationalstolz haben, vorschreiben zu wollen, was sie zu tun oder zu lassen haben.

    Jeder, der offenen Geistes und nicht nur für drei Tage die Färöer besucht hat, ist in vielerlei Hinsicht reicher geworden.

    Und ganz sachlich: Vom Grindwal wird bis auf die Knochen/Flossen/Kopf und die Eingeweide alles verwertet. Und zwar ausschließlich zu Verzehr. Tran wurde von Großwalen gewonnen. Das ist seit den Siebzigern verboten und beendet. So alt scheinen aber die Propagandabilder zu sein, die irgendein Blockwart von Greenpeace ausgegraben haben wird. Und die ebenso alte Gehirnwäsche war außerdem erfolgreich.

  7. Lieber Gauss,

    der Punkt ist doch genau, daß die Färöer Bewohner das tun, weil es ihnen Spaß macht. Weil es ein traditionelles "Riesengaudi" ist, so wie Fuchsjagd in England oder Stierhatz in Spanien oder Oktoberfest oder Rauchen oder Formel-1-Rennen ... die alle keinen materiellen Nutzen produzieren. Worauf die Autorin wohl hinaus wollte, ist: Soll man ihnen den Spaß lassen? Wären es Chinesen oder Russen, wäre der Ton hier längst ein anderer, vermute ich. Aber so, das sind ja fast europäische Traditionen und es gibt eine Freundschaftsgesellschaft und die haben Demokratie. Ist es politisch korrekt, denen etwas zu verbieten?

    Sehr schön am Beispiel finde ich auch, daß die Grindwale durch diese Praxis eben nicht im Bestand gefährdet sind. Wie gesagt, ich finde das auch nicht spaßig, wie Sie finde ich es sogar eklig, aber mir ist auch klar: Grindwale und Pottwale sterben eher durch das Verhalten von Deutschen und Briten und Franzosen (die alle nicht jagen) als durch die paar Inselbewohner da im Norden.

    Theo Rem

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  • Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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  • Schlagworte Brauchtum | Island | Wales | Färöer | Schottland
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