Nachruf auf ein Kultobjekt Das Querdenker-Auto

Ein Nachruf auf Saab, die Lieblingsmarke der Intellektuellen

Schön und gerade unter "bewusst" lebenden Menschen beliebt: der Saab. Doch leider ist er gar nicht umweltbewusst

Es ist kein Zufall, dass die Nachricht von der Insolvenz des schwedischen Autobauers Saab die Feuilletons erschüttert hat wie sonst nur der Brand eines Opernhauses oder der Tod eines Nobelpreisträgers. Keine zweite Marke erfreute sich bei Intellektuellen einer vergleichbaren Beliebtheit.

Der Saab war ein Erkennungsmerkmal wie die Fliege beim Architekten oder der schwarze Anzug mit schwarzem T-Shirt beim Theaterregisseur. Das soll nicht heißen, dass alle Intellektuellen Saab fuhren; manche haben gar keinen Führerschein oder bevorzugen das Fahrrad. Aber nahezu alle Saabs, die außerhalb Schwedens unterwegs sind, wurden von Angehörigen künstlerischer Berufe gefahren oder doch solchen, die ihrem Beruf einen künstlerischen, zumindest querdenkerhaften Anstrich geben wollten. Welchen Grund hätte es sonst gegeben, Saab zu fahren?

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Ein Saab war teuer und schwer, der Zündschlüssel steckte nicht am Lenkrad, sondern im Getriebe, und der Motor hatte, zumindest in den klassischen Baureihen bis 1989, als General Motors die Marke übernahm und sukzessive in Opel verwandelte, ein Turboloch, das ebenso gewaltig war wie der Benzindurst. Der Saab steckte voller Besonderheiten, die man eben ihrer Besonderheiten halber lieben musste. Dieser gleichsam ästhetische Zugang zum Automobil ist aber natürlich ein genuin intellektueller Zugang; höchstens Botaniker kennen eine vergleichbare Freude an der Merkwürdigkeit um der Merkwürdigkeit willen.

Der Saab war das vierblättrige Kleeblatt unter den Automobilen, nutzlos, aber selten, und ganz anders als ein Alfa Romeo, der das Quadrifoglio Verde als Typenbezeichnung kennt, aber im Übrigen durch handfeste Rabaukenqualitäten überzeugte. Was wiederum nicht heißen soll, dass die Saabs nicht schnell waren, sie waren schwerfällig und schnell zugleich; aber wer einen fuhr, wollte doch nicht zuallererst als Temposünder erkannt werden. Als was wollte er dann erkannt werden? Um diese Frage zu beantworten, muss man in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück, zu der Bewunderung für die schwedische Neutralität, das Sozialstaatsmodell, die paternalistische Pädagogisierung aller Lebensbereiche.

Die Rüstungs- und Flugzeugfirma Saab, deren Automodelle bis dahin untüchtig sabbernde Zweitakter waren, die mit ihren winzigen kantigen Frontscheiben aussahen wie aus der Nase eines Jagdfliegers des Zweiten Weltkriegs geschnitzt, legten plötzlich moderne Wagen vor, die an Solidität und Sicherheit und Dicke der verbauten Bleche (ein Verkaufsargument!) alles übertrafen, was selbst Volvo anzubieten hatte. Ein Saab, gerne in Verkehrsorange lackiert, war das kinderschützende, familienfreundliche Vorsorgeauto schlechthin. Wer Saab kaufte, zeigte ein Maximum an Fortschrittlichkeit, sozialem Engagement, Pazifismus und Verehrung für Olof Palme. Was die Rüstungsfirma Saab sonst noch weiterhin produzierte, wurde geflissentlich ausgeblendet.

Auf eine bestimmte Weise, die zum Geheimnis dieser Zeit gehört, war der Saab mit Kindermalfarben und antiautoritären Kinderläden verwandt, ein Automobil ohne Agression, im Zustand neu eroberter Unschuld, die auf eine gerechtere Gesellschaft verwies. Wer Saab fuhr, war vielleicht kein besserer Mensch, aber man sollte es doch glauben. Jedenfalls wollte er nicht als Drängler und Überholer gesehen werden, zumindest nicht, bevor er drängelte und überholte. Ach ja! Dass der Saab dann immer stärker und durstiger wurde und seine Unschuld wenigstens faktisch wieder verlor, wurde kaum bemerkt, er blieb ein Zeichen humanitärer Avantgarde, bis er schließlich an General Motors geriet und zum Opel im Schwedendesign mutierte. Jetzt ist der Traum endgültig vorbei; wir wollen ihm nicht rückwirkend vorwerfen, dass er zur Hälfte aus Heuchelei bestand.

 
Leser-Kommentare
  1. ...wie ein wehmütiger Abschiedsbrief an eine Frau, die man auch gerne als Geliebte gehabt hätte...;-))

    • mobern
    • 26.02.2009 um 20:10 Uhr

    ... jede zweite Ehe wird heute geschieden. Nach zwei Saab weiss ich, diese Autos SIND das, was man gerne als Geliebte gehabt hätte -oder hatte. Unvergesslich.

  2. Ich mochte Saab wegen des Designs; nicht nur als Antihaltung und vor Allem nicht als Schrulligkeit, dachte ich zumindest, na, nun weiß man mehr.
    Oder: Saab hatte in der letzten Zeit vor GM ein Design, dass zwar, zugegeben, nicht alltäglich war. Gerade aber die alltäglichen Serienautos sind so stark verästhetisiert, dass von Kunst nichts mehr übriggeblieben ist; nach diversen Windkanal- und Umfragenabrundungen bleibt ein Blob von einem Auto, eine Amöbe auf der Suche nach Stil, widerspiegelnd, wie das ja auch richtig sein kann, den Geschmack des durchschnittlichen Fahrers in einer von 4 Gehaltsklassen mit jeweils, sag ich mal - ohne Näheres zu wissen, 3 Fahrzeugklassen zur Auswahl. Saab hat bis zu GM einen Stil verfolgt. Andere Automarken verfolgen einen Hauch von einem Stil, Variationen von dem immer gleichen Modell Null. Variationen, die nur noch aufrecht erhalten werden, um überhaupt Unterschiede in der Produktpalette zu rechtfertigen. Stil zu haben, bedeutet nicht, anders zu sein. Unterschiede zwischen Modellen zu schaffen, um neue Kunden zu erschließen, bedeutet in Massenbranchen immer mindestens gekappten Stil.

  3. Saab wurde nicht 1989 von GM uebernommen, sondern erst 1993! Was den Spritverbrauch betrifft so ist er nicht so exorbitant wie im Artikel dargestellt, schon garnicht zu der Zeit, er liegt bei ca.11l in der Stadt und bei ca. 9,5l auf der Autobahn fuer einen 16V Turbo mit 160PS, wenn man dann zu Grunde legt, dass immer noch Autos vom Band laufen die nicht viel weniger verbrauchen, nach 20 Jahren Entwicklung in WAS? Vielleicht auch ein Grund fuer die jetzige Krise der Automobilindustrie!?

  4. Lieber Jen Jessen

    auch wenn ich alliterierte Vornamen sehr mag, weil sie vielleicht doch etwas interlektueller klingen, war dieser Artikel keine Meisterleistung, sondern klingt eher wie aus einer Praktikanten Hand geschmettert.

    Weder stecken Zündschlüssel in Lenkrädern, geschweige denn in Getrieben, wo man sie schwerlich wieder heraus bekommen dürfte. SAAB hatte nicht nur zu SAAB Zeiten Turbolöcher, sondern war die erste Firma, die den Turbo - der gerade ein Revival als Downsizing Motor bei VW et. al. erlebt - massentauglich machte. Dass ein solches 185 PS Gefährt für 10 Ltr zu bewegen war, muss heute noch erstaunen. Beim Gasgeben war es alles andere als schwerfällig und ließ manchen Redakteur verdutzt im Regen stehen.

    Auch war der SAAB 900 kein "Zeichen humanitärer Avantgarde" - er war nie als top designtes Rote Kreuz Rettungsfahrzeug zum humanitären Einsatz bestimmt, sondern nur ein ziemlich wertbeständiger, avantgardistischer Entwurf eines heute durchaus autmobilen Kulturgutes. Sollten Sie jedoch die humanistische Avantgarde gemeint haben, dann sollten Sie konkret auf die Freiberufler und Beamtenschaft rekurrieren, die mit Saab sich das Stückchen Unterscheidung vom Einheitsbrei durchaus lustvoll erkauften.

    Sicherlich finden sich auch dort eine Menge typisch deutscher Lebenslügen, die allerdings ehere die damaligen Fahrer als das Auto betreffen mag - das völlig unbeindruckt von solchen unqualifizierten, journalistischen Schnellschüssen sicherlich gerne bereit sein wird, auch Sie zu einer Testfahrt einzuladen.

    Sie sollten sich diese Gelegenheit wirklich nicht entgehen lassen.

    Karin Kammann
    (Überschrift entfernt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/jk)

  5. 6. Saab

    Ich bin weder Architekt, noch Künstler und fahre Saab.
    Wer einmal dieses Auto selbst gefahren hat, weiß warum er nie im Leben ein BMW, Audi oder anders Proletenmobil fahren würde. Es sind nicht die PS es ist einfach zu wissen, man hat ein eigenes Auto und kein Firmen Pkw, man muss keine Jogginghose tragen oder etliche Schulden auf das Mobil haben.
    Wir Saab - Fahrer kompensieren unsere Freude am Fahren auf ein Auto, was ausserordentlich relativ sicher ist für ein PKW, PS hat, ein angenehmes zeitloses Ambiente, perfekte Sitze und gewisse Macken, die uns nicht weh tun.

  6. Schwach geschriebener Nachruf auf eine gute Automarke.

  7. Schade um diese Marke! Was will mir der Autor des Artikels sagen? Dass er keine Ahnung hat?

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