SchaefflerDie Mutter der Belegschaft

Wie Maria-Elisabeth Schaeffler ein romantisches Unternehmerbild inszeniert, das mit der Realität kaum etwas zu tun hat von 

Es gibt viele Geschichten, die vom Kampf der Maria-Elisabeth Schaeffler um ihr Lebenswerk erzählen. In der Geschichte von der gierigen Witwe spielt sie eine zockende Milliardärin, die sich beim Kauf des Autozulieferers Continental so fatal überschätzt hat, dass nun gleich zwei Unternehmen mit mehr als zweihunderttausend Arbeitsplätzen am Abgrund stehen. Und während sie staatliche Hilfe fordert, flaniert sie im Pelzmantel durchs vornehm-verschneite Kitzbühel.

Das ist die Geschichte von der gierigen Witwe. Und sie gefällt vor allem jenen, denen Unternehmer schon immer suspekt waren.

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In der Geschichte vom unschuldigen Opfer spielt Maria-Elisabeth Schaeffler eine besonnene Firmenchefin, die lediglich Pech hatte. Die ihr Geld stets brav in Deutschland investierte und mit einer Beteiligung an Continental nur die Zukunft ihres Unternehmens sichern wollte. Woher sollte die 67-jährige Geschäftsfrau auch ahnen, dass die Weltwirtschaft derart schnell kollabieren und ihren an sich ganz vernünftigen Plan zunichte machen würde?

Das ist die Geschichte vom unschuldigen Opfer, und sie gefällt vor allem Frau Schaeffler.

Etwa fünf Milliarden Euro möchte Schaeffler angeblich vom Staat. Doch die Regierenden in Berlin zögern, ob der Staat sich die Rettung leisten sollte. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bislang nicht bereit, "die Zeche für riskante Unternehmensentscheidungen" zu zahlen. Die Banken haben schon so viel Geld bekommen, was sollte sie dann Opel und den anderen Bittstellern sagen? Die SPD ist gespalten. Inzwischen aber machen die Banken Druck auf Maria-Elisabeth Schaeffler, die schon bald gezwungen sein könnte, sich von Großteilen ihres Imperiums zu trennen. Eine Lösung muss her, und zwar schnell.

Solange sie als gierige Witwe gilt, weiß Maria-Elisabeth Schaeffler, wird sie in Berlin nicht viel erreichen. Und so führt sie dieser Tage ein Rührstück auf, bei dem vor allem feuchte Augen getrocknet werden. Als "Tränenmilliardärin" ließ sie sich jüngst von Bild am Sonntag bemitleiden, und das war ein wichtiger Etappensieg. Wer das Mitgefühl der Massen besitzt, der hat in Berlin in Zeiten des Vorwahlkampfs schon viel erreicht. Am Montag erlaubte Schaeffler sogar die Mitbestimmung in der familieneigenen Firmengruppe, um die Kritiker unter den Sozialdemokraten milde zu stimmen. Die IG Metall, ein alter Gegner von Schaeffler, steht plötzlich fest zu ihr. Gewerkschaftschef Berthold Huber schwärmt bereits von einem "Grundstein für eine gute Zukunft".

Leserkommentare
  1. Dies soll keine Schleichwerbung für den Spiegel sein, Die Zeit hat allerdings nicht darüber berichtet:

    http://www.spiegel.de/wir...

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