Die Welt der Steuerparadiese
So alt wie staatliche Abgaben ist die Flucht des Bürgers vor den Steuereintreibern. Drei bis fünf Billionen Dollar werden heute schätzungsweise in sogenannten Offshore-Finanzzentren gehalten. Gemeint sind damit Steueroasen wie Singapur, Panama, die Bermudas, die Bahamas oder die Britischen Jungferninseln, die das Geld ausländischer Anleger bereitwillig aufnehmen. Einen Ruf als Tummelplatz für dubiose Finanzjongleure genossen lange Zeit die winzigen Kaimaninseln in der Karibik. Mittlerweile gelten sie als anerkanntes Finanz- und weltweit siebtgrößtes Bankenzentrum.
Nach Angaben der Industrieländerorganisation OECD liegen die wichtigsten Steueroasen nicht in der Karibik oder Asien, sondern mitten in Europa. Neben der Schweiz sind das vor allem Liechtenstein und Luxemburg, aber auch die britischen Kanalinseln und Monaco. Der Grimaldi-Staat gehört mit Liechtenstein und Andorra, wo es weder eine Einkommen- noch eine Vermögen-, Erbschaft- oder Kapitalsteuer gibt, zu jenen drei Ländern, welche die OECD auf ihrer schwarzen Liste der nicht kooperationswilligen Steuerparadiese führt. Kapital aus dem Ausland kann dort im absoluten Dunkel verschwinden.
Aus Rücksicht auf das Bankgeheimnis und die ausländische Klientel dürfen EU-Mitglieder wie Österreich und Luxemburg, aber auch Steuerfluchtburgen wie Guernsey oder San Marino eine anonyme Quellensteuer auf Fremdkonten erheben, beginnend mit 15 Prozent und bis 2011 ansteigend auf 35 Prozent. Drei Viertel des Erlöses werden an die Heimatländer überwiesen. Bei den Bundesbürgern gilt noch immer Luxemburg als Klassiker unter den Steueroasen. Der Grund dafür: Im Großherzogtum wird auch die weniger vermögende Kundschaft bedient – Anlagemöglichkeiten gibt es ab 125000 Euro. chw
- Datum 26.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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