Stil Lichtschalter Tillmann Prüfer fragt: Warum machen uns Schalter so wenig an?

Man sollte meinen, dass etwas, das es seit mehr als hundert Jahren gibt und in so gut wie jeder Wohnung zahlreich vorhanden ist, die ganz besondere Aufmerksamkeit der Designer genießt. Noch dazu, wo es jeder etliche Male am Tag berührt. Eigentlich müsste es so viele verschiedene Lichtschalter geben wie Lampen. Dem ist aber nicht so. Das Schaltelement, ohne das jede Wohnung dunkel bleibt, ist in genau einer Ausführung verbreitet: quadratisch, praktisch, hässlich. Der Lichtschalter ist aus weißem Plastik gefertigt, macht ein müdes »Klick« und verspricht nichts anderes als Licht oder Dunkelheit. Müsste man nicht hin und wieder etwas sehen, wäre man absolut nicht versucht, so ein Ding anzufassen.

Die Ignoranz, die wir dem Lichtschalter entgegenbringen, zeigt, wie selbstverständlich für uns die Elektrizität geworden ist. Das war nicht immer so. Anfang des Jahrhunderts waren die Lichtschalter noch rund und aus Porzellan gefertigt. In der Jugendstilära wurden sie mit Efeuranken geschmückt angeboten, im Nachkriegsdeutschland prangte auf ihnen oft stolz der Schriftzug »Licht«.

In den sechziger Jahren war man des Lichtes schon satt. Der einfache Kippschalter setzte sich durch. Vorbild war ein Modell der Schweizer Firma Feller. Anfangs waren die Schalter noch rund, Mitte der sechziger Jahre wurden sie eckig. Und so sind sie es bis heute geblieben.

Nun endlich tut sich etwas. Neuerdings zollt man dem Thema Energie und Strom wieder Aufmerksamkeit – und zum Glück gibt es deshalb auch neue Schalter. Erstmals hat der Lampendesigner Tobias Grau eine Serie von Schaltelementen und Steckdosen geschaffen. Die Druckschalter bestehen aus Modulen, die sich beliebig erweitern lassen. Auch die Firma Merten aus Gummersbach, die seit hundert Jahren vor allem Schalter herstellt, lässt neue Zeiten anbrechen. Man hat den Münchner Designer Stefan Diez engagiert, damit er das Produktprogramm neu gestaltet. Diez entwirft Schalter aus Glas und Keramik, die das Schalten wieder zum Erlebnis machen sollen. Nur an einem kann er leider nichts ändern. Es geht immer noch nur um An/Aus.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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