MEINUNG WIDERSPRUCH Geld ist gut
Für Kinder und Eltern aber zählt anderes noch mehr
Susanne Gaschke hat ihren Artikel Bilderbuch-Väter (ZEIT Nr. 9/09) offenkundig aus der Sicht einer Frau geschrieben. Danach ändern sich die Männer und werden angeblich zu Bilderbuch-Vätern, weil Politik funktioniert hat. Zuerst die Elternprämie für Jungmänner, danach die Abwrackprämie für Altautos. Deutschland feiert gleichzeitig mehr Geburten und mehr neue Autos. Geld bewegt.
Wenn es denn so einfach wäre!
Erstens ist der staatlich subventionierte Kinderwunsch vor allem ein Thema für die Mittelschicht, die allmählich merkt, dass Kinder dem Leben einfach mehr Sinn geben als inszenierte Events und Konsummaximierung. Für das Prekariat ist das Kinderkriegen selten durchkalkuliert, und für die Reichen spielt Kindergeld keine Rolle.
Zweitens ist die neue Familie, die Erwerbsleben und Kindererziehung miteinander kombiniert, ganz und gar nicht krisensicher. Vielmehr sind die neuen Eltern oft verunsichert und überfordert, wenn sich die natürlichen Probleme mit ihren Kleinen einstellen. Dann reißt allzu schnell eine oder einer aus.
Drittens ist der demografische Wandel in der Bundesrepublik durch Elterngeld allein nicht aufzuhalten, wohl aber wäre dies möglich, wenn endlich die ganze Gesellschaft Kinder als Geschenke des Lebens begrüßen würde und nicht länger als berechenbare Produkte staatlicher Subventionen.
Eltern, die ihre Kinder »be-rechen-bar« groß werden lassen wollen, müssen früher oder später schmerzlich erfahren, dass ihre fein ausgetüftelten Rechnungen nicht aufgehen. Die staatliche Betreuung in Kinderkrippe, Kindertagesstätte oder Ganztagsschule wird zwar immer besser, die Versprechungen der Arbeitgeber zur Familienfreundlichkeit bleiben auch in Krisenzeiten vollmundig, Papa Staat wird die amtliche Jugend- und Familienhilfe noch weiter ausbauen – doch die Verantwortung für die Kinder wird bei den Eltern bleiben müssen, bei Vätern und Müttern. Das bedeutet Anstrengung, aber auch Zukunft.
Werner Bohn ist Grundschullehrer in Bad Sobernheim
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- Datum 26.02.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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