Finanzmärkte Kätzchen-Kapitalismus
Regulierungswut wird die nächste Krise nicht verhindern

© Christopher Furlong/Getty Images
Die Aufsicht am Roulette zu verstärken beseitigt das Glückspiel nicht: Das Casino gehört raus aus der Bank
»Jetzt sind wir alle Sozialisten«, titelte Newsweek zum Auftakt der »Euro-7«, des Gipfels der großen EU-Wirtschaftsmächte am Wochenende. Nach dem Raubtier- der Kätzchen-Kapitalismus, war die Gipfel-Botschaft – die lückenlose Kontrolle der Finanzmärkte weltweit. Teil zwei war die Ersatzhandlung: die Strafwut gegen die »Steueroasen«, als wenn die Schweiz die Weltwirtschaftskrise verursacht hätte.
Der Kater erzeugt die besten Vorsätze, aber mit brummendem Kopf denkt’s sich nicht gut. Ist dies wirklich eine Regulierungskrise? In Amerika wird jede Bank von acht Behörden (Bund und Land) überwacht. In Deutschland gehören ausgerechnet die Staatsbanken (BLB bis KfW) zu den dümmsten Spekulanten. Die Sache geht aber noch tiefer.
Woher soll ein Regulator wissen, welches neue Finanzinstrument, sagen wir das »Solar-gesicherte Nachhaltigkeitszertifikat mit Goldrand« (SNG), notwendig oder frivol ist? Wie will ein junger Ministerialrat einem Herrn Ackermann dessen Geschäfte vorschreiben? Nicht einmal Aufsichtsratschefs haben derlei Kenntnis oder Autorität. Wie sonst hätte die Hypo Real Estate 600 Milliarden außerhalb der Bilanz platzieren können?
Zehn Beamte in jedem Boardroom sind nicht die Erlösung. Das Problem ist vielmehr die wundersame Verwandlung der modernen Bank in ein Versorgungsunternehmen mit angeschlossenem Kasino, notiert der britische Ökonom John Kay. Die Bank-als-Versorger kennen wir seit 1500: Sie borgt kurz und verleiht lang; sie nimmt das Geld von unseren Konten und gibt es – gut abgesichert – weiter als Darlehen und Hypotheken.
- Datum 29.07.2009 - 10:15 Uhr
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- Serie opi
- Quelle DIE ZEIT, 26.02.2009 Nr. 10
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in Sachen finanzen blickt doch keiner mehr durch.....2000€ auf rot!
Es irrt der Mensch, solang er strebt.
mal kurz zu machen. Vor Jahren waren das Banker- und das Brokergeschäft in den USA strikt getrennt. Diese Situation sollte wieder hergestellt werden.
Bezüglich der Aufsichtssituation:
Sowohl in der SEC als auch in der CFTC sitzen alte Hasen. Das hat den Vorteil, dass sie alle Schliche kennen; kann aber den Nachteil haben, dass man noch ein wenig verbandelt ist.
Nicht jeder ist so straight wie Pat Gerrit mit Billy the Kid.
In Deutschland ist das Geschäft noch relativ jung. Daraus ergibt sich, dass in der Aufsicht auch eine relativ junge Erfahrung gebündelt ist.
Wenn`s mal nur Ackermann wäre. Gegen das in Jahrzehnten erworbene Wissen der Wall Street hat die deutsche Aufsicht, die ja die Verstrickungen mit diesen Geschäften checken müsste, null Chance.
Dazu kommt, dass in Deutschland Pat Gerrit zurück gepfiffen wird. Weshalb muss man die Fragen, die pfeifen.
Die 8 Behörden scheinen nicht die Hellsten zu sein, sie haben nicht nur die Derivate nicht begriffen sondern auch das gewöhnliche kriminell Vorgehen von Madoff und Stanford nicht mitgekriegt. Aber vielleicht hatten sie auch ganz andere Aufgaben.
die wundersame Verwandlung der modernen Bank in ein Versorgungsunternehmen mit angeschlossenem Kasino, formulierte John Kay.
Wenn den Bankstern etwas gelungen ist, dann, die Bank als Instrument zu nutzen, sich selbst zu versorgen. Trotz eklatanten Versagens haben sie sich Millionen genehmigt einschließlich einer Altersversorgung, von der selbst Spitzenpolitiker nur träumen können.
Natürlich alles auf der Grundlage gültiger Arbeitsverträge.
diese Idee der strikten Trennung Investment-Zweig vs "Einlage-Geschäft" (bin offen für bessere Bezeichnungsvorschläge) klingt gut, reicht aber nicht.
Wie soll dann bitte verhindert werden, dass "Finanzinvestoren" (die keine Investoren sind) Teile gesunder Unternehmen übernehmen, diese ihre eigene Übernahme durch Aufhalsen großer Schulden selbst finanzieren lassen, dann filetieren und mit Gewinn wieder verkaufen?
Das Problem des Casino-Vergleichs für den Investment-Banking-Bereich ist dieses: Ins Casino wird niemand gezwungen - man geht da freiwillig hin.
Hedgefonds & Co. mischen sich aber in die reale Wirtschaft ein - so dass auch zum unfreiwilligen Mitspieler (besser: zur Spielfigur) wird, wer das eigentlich gar nicht wollte...
Warum soll der Staat nicht der bessere Banker sein? Die Beispiele der Landesbanken hinken, da sich diese ja ebenso aufs Zocken verlegt hatten, wie die Ackermanns dieser Welt. Gegen die Gier von abgehobenen Größenwahnsinnigen hilft keine Regulierung, keine Deckelung der Boni und auch sonst kein wirtschaftspolitisches Instrument. Es hilft nur die Verstaatlichung um die freie Wirtschaft ohne erhöhten Zinsdruck an Kredite gelangen zu lassen. Private Banken sind eine Fehlentwicklung der Wirtschaft, sofern sie über die Tätigkeit des Wechselbriefes den Templer und italienische Kaufleute einst nutzen hinaus gehen.
In Deutschland gehören ausgerechnet die Staatsbanken (BLB bis KfW) zu den dümmsten Spekulanten.
Ach wirklich? Ich für meinen Teil hätte diesen Preis ja HRE zuerkannt? 102 oder 122 oder viele Milliarden das heute gerade sind - aber bei mir bewirkt das Wort "Staat" allein ja auch keinen Pawalowschen Reflex - Speichelfluss, hervorquellende Augen, Bluthochdruck. Allerdings habe ich in der Schule auch aufgepasst - Prädikatenlogik, nicht wahr. Denn was erkennt ein durchschnittlich begabter Hauptschüler mit Migrationshintergrund? Sowohl Banken im Privat- wie auch solche im Staatsbesitz haben ... [Unglück] gebaut. Und was schliesst er daraus? Er schliesst daraus, dass in diesem Zusammenhang die Besitzverhältnisse egal sind. Alles andere wäre für den nüchtern denkenden Betrachter ja auch eine grosse überraschung - warum sollte es?
Und nun erst "Regulierung" - was für ein tolles Wort! Tiefenpsychologisch, meine ich. Wir wollen keine "Regulierung" - wir wollen Regeln. Die alten waren offensichtlich gar nicht so schlecht - sonst hätte die SPD sie ja nicht abgeschafft. Ich denke da an die Legalisierng der Bilanzfälschung - durch Bad banks in Irland.
Glass-Steagall für Amerika - ja, sicher. Warum nicht auch für Deutschland?
Was für Regeln brauchen wir?
Die allermeisten dieser Papiere haben das gemeinsame Merkmal, dass Gewinn und Einkommen des jeweiligen Urhebers von Anfang an gesichert sind, während das sorgfältig verborgene Risiko der Wertminderung eines Derivats oder gar eines Absturzes allein beim Käufer des Papiers liegt – eine gut getarnte Form von Raubtierkapitalismus.
http://images.zeit.de/tex...
schrieb ein kluger Kopf ganz in Ihrer Nähe.
Transparenz heisst also die Devise. Luft und Sonne!
Die Vertragsbedingungen müssen für jedermann im Internet offen gelegt werden - dann werden sich schon Spezialisten finden, die die krummen Wege aufdecken!
Besser noch: Ein Einlagensicherheitsfond - aller deutschen (europäischer) Banken als Rating-Argentur - mit Bonus-Malus-System der Analysten. und abgerechnet wird zum Schluss.
»Solar-gesicherte Nachhaltigkeitszertifikat mit Goldrand« (SNG)? Die kann meinethalben jeder emittieren. Nur darf er sie nicht als "kapitalgesichert" ausgeben. Keine Bank darf sie als "Vermögen" ausweisen. (Nachdem die Boni verteilt waren, ist man ja ganz schnell ab von "Mark-to-Market", gell?)
Und wenns schief geht? Nun: "Eine Million, keine Tränen".
Keiderschrank "Trelleborg", Lösung "Bleubeuren".
Ich bin ja auch durchaus für Atomkraft. Meinetwegen! Immer zu!
Allerdings:
Die Betriebs-Versicherung kann natürlich nicht die Allgemeinheit tragen, sondern eine leistungsfähige Rückversicherung, die auch mal eine Billion Euro Schaden stemmen kann. Zweifellos - Eintrittswahrscheinlich mal Schadenhöhe - wird diese Versicherung billige Prämien anbieten! Ein, zwei Promille pro Betriebsstätte - aber ich vergass, Überschlagsrechnen ist ja keine weit verbreitete Fähigkeit.
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