Autokrise Opel ist nicht zu retten

Deutschland kann Land der Autobauer bleiben, wenn der Staat den Wettbewerb nicht verzerrt

Nicht zukunftsfähig: Opel-Werk in Bochum

Wer braucht einen Autohersteller, dessen wichtigstes Modell von vorn einem Mercedes ähnelt, von hinten einem Mazda und von der Seite einem BMW? Genau so wirkt das Design des Opel Insignia: Es vereint von allen ein bisschen. Das mag für den Titel »Auto des Jahres« reichen. Aber welche Perspektive hat ein Konzern, der die Konkurrenz imitieren muss, um Käufer zu finden?

Opel hat ein Problem, und dieses Problem heißt Opel. Man muss sich bloß ein paar Zahlen anschauen. Der Marktanteil in Westeuropa sinkt seit Jahren. In Deutschland hat Opel 2008 deutlich weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor – obwohl das Segment der kleinen und mittleren Wagen wuchs. 2,8 Milliarden Euro Verlust hat der Mutterkonzern General Motors zuletzt in Europa gemacht. Opel hat abgewirtschaftet, ist nicht mehr überlebensfähig, braucht 3,3 Milliarden Euro, damit es irgendwie weitergehen kann – und dies auf einem Markt, auf dem schon heute zu viele Hersteller um zu wenige Kunden buhlen. Soll die Regierung da wirklich helfen?

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Ökonomisch jedenfalls spricht nichts dafür. Und doch wird es am Ende wohl so kommen. Zu sehr hat sich die Koalition bereits vorgewagt.

Im Grunde kann Opel seit November darauf bauen, dass sich der Staat finanziell engagieren wird. Damals bat die Kanzlerin das Management ins Kanzleramt, der Vizekanzler diskutierte mit Betriebsräten. Beide, Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, versprachen hinterher, staatliche Hilfen zu prüfen. Und wenn der neue Wirtschaftsminister nun verkündet, das Unternehmen solle zuerst nach privaten Investoren suchen, wird damit nicht einmal der Schein gewahrt: Es ist schließlich das Drama dieser Wirtschaftskrise, dass es zahlungskräftige private Investoren kaum mehr gibt.

Bei einer Pleite fürchtet man in Berlin die Wucht des Protestes

Natürlich kann die Regierung gute Gründe nennen, warum sie Opel helfen sollte. Es sind genau 25.000. So viele Menschen arbeiten für den Autobauer, und mit jedem von ihnen verbindet sich ein persönliches Schicksal. Hinzu kommt: Eine Pleite von Opel hätte nicht nur Folgen für strukturschwache Regionen wie Bochum oder Eisenach. Sie würde das ganze Land erschüttern. Es wäre die größte Insolvenz in dieser Krise, das Ende eines Traditionskonzerns, und fast jeder Arbeitnehmer würde sich fragen, wann wohl der eigene Betrieb fällt. Bei einer Pleite von Opel würden weit mehr als 25.000 Menschen auf die Straße gehen und fordern, die Regierung solle sich entschlossener gegen die Wirtschaftskrise stemmen. Es ist auch die Wucht dieser Bilder, die man in Berlin fürchtet.

Voraussetzung einer staatlichen Hilfe für Opel sei, dass es eine positive Prognose für das Unternehmen gebe, sagt die Kanzlerin. Aber könnte sie sich auf eine solche Voraussage denn wirklich verlassen? Schon vor vier Jahren war Opel in Bedrängnis, auch damals machten sich Politiker für den Erhalt von Standorten stark, und am Ende schloss das Management mit den Arbeitnehmern einen »Zukunftsvertrag«, der das Überleben der deutschen Werke bis 2010 sichern sollte. Man habe das Unternehmen »fit für die Zukunft gemacht«, sagte damals Opel-Geschäftsführer Hans Demant. Derselbe Manager bittet heute um staatliche Hilfe und nennt das Ganze dann »Zukunftsplan«. Und wieder will die Politik den Prognosen glauben.

Leser-Kommentare
    • ADoria
    • 05.03.2009 um 12:23 Uhr

    die sich keinen Mercedes oder BMW leisten können und trotzdem jeden Tag zur Arbeit müssen. Gemeint sind damit jene Menschen, ohne deren Tätigkeit es überhaupt keine Mercedesfahrer (Neuwagen) gäbe.
    Oder aber; einen Opel kaufen die Menschen, die den Wert eines Fahrzeuges am Gebrauchswert festmachen und nicht dazu bereit sind, aus der Liste der Sonderausstattungen das Paket Image auszuwählen. Diesen Schalter habe ich nämlich noch nie vermißt.

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    ...kaufen sie dann nicht? Vielleicht weil es in der Opel-Klasse genügend bessere Alternativen gibt?

    ...kaufen sie dann nicht? Vielleicht weil es in der Opel-Klasse genügend bessere Alternativen gibt?

  1. Der Artikel zeigt einen ganz wichtigen Punkt auf - in Berlin in der Großen Koalition, aber auch bei vielen Lobbyistengruppen hat man Angst. Man hat sogar große Angst - und zwar weniger vor einer Pleite, sondern Angst vor Unruhen, die dann nämlich folgen werden, wenn Hunderttausende ihren Job verlieren und nach 12 Monaten in Hartz IV landen und als Schmarotzer gegeisselt werden, wenn diese Leute ihre vorher immer vehement geforderte 'Eigenvorsorge' auflösen müssen, wenn man sie in jobs mit Hungerlöhnen zu pressen versucht.

    Nicht umsonst träumt man in der Union endlich die Möglichkeit des Kampfeinsatzes der Bundeswehr im Innern zu legalisieren... Und die Armee braucht man mitnichten - wie so gern schwadroniert wird - zur Abwehr irgendwelcher islamistischer Terroristen, nein, man will sie gegen die eigene Bevölkerung einsetzen.

  2. Man kann Opel nicht retten - das weiß jeder, doch niemand darf es aussprechen. Denn in diesem Jahr wird gewählt und deshalb muss das Geld der Millionen Steuerzahler rausgeworfen werden für dieses Himmelsfahrtkommando. Die Milliarden kommen von den Arbeitnehmern, den Rentnern, den Mittelständlern, Rentnern und dienen nicht der Rettung von Arbeitsplätzen sondern der Wiederwahl von Angela Merkel. Das ist die zynische Wahrheit.

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    • RenéS
    • 05.03.2009 um 13:08 Uhr

    Angela Merkel wird öffentlich nicht entscheiden, Opel mit öffentlichen Finanzen zu retten. Das wäre sonst eine riesige Überraschung. Hat sie sich doch in der Zeit der Krise bedeckt gehalten, ja sie hat sich beinahe versteckt.

    Sollte irgendwien Ministerium für eine finanzielle Unterstützung plädieren und auch organisieren, dann kann sich Angela Merkel im Lcihte des Erfolges, wenn es denn einer sein sollte, sonnen und bei den Wahlveranstaltungen sagen: guckt her, ich bin die Retterin Opels. Bleibt die finanzielle Unterstützung ohne Erfolg, weil die Mittel nach Chicago (?) fließen oder weil die Finanzspritze für eine Rettung nicht ausreicht und Opel trotzdem in den Konkurs geht, dann kann sie sich weiterhin bedeckt halten und jede Verantwortung, auch wenn sie die letztendlich trägt, von sich schieben und genauso frisch und unverbraucht in den Wahlkampf gehen, wie es Herr Althaus vielleicht angehen wird.

    • RenéS
    • 05.03.2009 um 13:08 Uhr

    Angela Merkel wird öffentlich nicht entscheiden, Opel mit öffentlichen Finanzen zu retten. Das wäre sonst eine riesige Überraschung. Hat sie sich doch in der Zeit der Krise bedeckt gehalten, ja sie hat sich beinahe versteckt.

    Sollte irgendwien Ministerium für eine finanzielle Unterstützung plädieren und auch organisieren, dann kann sich Angela Merkel im Lcihte des Erfolges, wenn es denn einer sein sollte, sonnen und bei den Wahlveranstaltungen sagen: guckt her, ich bin die Retterin Opels. Bleibt die finanzielle Unterstützung ohne Erfolg, weil die Mittel nach Chicago (?) fließen oder weil die Finanzspritze für eine Rettung nicht ausreicht und Opel trotzdem in den Konkurs geht, dann kann sie sich weiterhin bedeckt halten und jede Verantwortung, auch wenn sie die letztendlich trägt, von sich schieben und genauso frisch und unverbraucht in den Wahlkampf gehen, wie es Herr Althaus vielleicht angehen wird.

  3. ...kaufen sie dann nicht? Vielleicht weil es in der Opel-Klasse genügend bessere Alternativen gibt?

    • Olly66
    • 05.03.2009 um 12:42 Uhr

    Trotz aller Reformen konnte sich Deutschland nicht von der amerikanischen Misere abkoppeln.
    Wegen(!!), meine Herren Redakteure! Die hirnrissigen Schröder/Eichel-Reformen (Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe, Verbriefungsfreiheit für Kredite, no limits für Hedgefonds, Zulassen von Zockerbanken im Ausland zur Bilanzverschleierung) haben sämtliche Wassergräben gegenüber der US-Zockerwirtschaft zugeschüttet. Und mit dem Wasser aus den Burggräben haben sie die Firewalls gelöscht.

    Etwas mehr Sorgfalt und Detailkenntnis beim Argumentieren!

    Trotz eines gigantischen Rettungspakets für die Banken ist der Geldmarkt nicht wieder angesprungen.
    Ist doch logisch: Banken vergeben Kredite nur gegen Sicherheiten, selbst wenn der Staat ihnen aus der Patsche hilft und die Zentralbank ihnen das Geld zu Fastnullzinsen hinterher schmeißt. Dann haben die Banken vielleicht mehr zum Zocken und für die nächste Blase - mehr Unternehmenskredite werden sie kaum gewähren.

    Aber erklär das mal einem Politiker.

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    • self22
    • 05.03.2009 um 13:27 Uhr

    Wegen(!!), meine Herren Redakteure! Die hirnrissigen Schröder/Eichel-Reformen (Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe, Verbriefungsfreiheit für Kredite, no limits für Hedgefonds, Zulassen von Zockerbanken im Ausland zur Bilanzverschleierung)´

    Ganz genau!

    und dazu kam noch der 2. Denkfehler (auf den ich auch hereingefallen bin)
    Lasse Dein Volk kräftig klotzen und Marktführer-Produkte schaffen. Sorge aber dafür, dass dieses Volk von den Erfolgen nicht viel abbekommt. Wegen billiger Spitzenprodukte kannst du dann weltmeisterlich exportieren und dann kann dir keine Krise mehr etwas anhaben".

    Aber nein.

    Ein Volk, welches weltmarkfähige Produkte herstellt und diese sich selbst nicht leisten kann, wird schlicht betrogen. Es entsteht nur eine andere Art von Blase: eine Exportblase! Und weil die geplatzt ist, stehen wir jetzt genauso schlecht da wie die, bei denen eine Immobilien- oder Investmentblase geplatzt ist. Nur dass die vorher eine schöne Zeit hatten.

    Sie haben uns betrogen, es bringt nichts, dem Volk den Erfolg zu verweigern!!!!

    • self22
    • 05.03.2009 um 13:27 Uhr

    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

    • self22
    • 05.03.2009 um 13:27 Uhr

    Wegen(!!), meine Herren Redakteure! Die hirnrissigen Schröder/Eichel-Reformen (Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe, Verbriefungsfreiheit für Kredite, no limits für Hedgefonds, Zulassen von Zockerbanken im Ausland zur Bilanzverschleierung)´

    Ganz genau!

    und dazu kam noch der 2. Denkfehler (auf den ich auch hereingefallen bin)
    Lasse Dein Volk kräftig klotzen und Marktführer-Produkte schaffen. Sorge aber dafür, dass dieses Volk von den Erfolgen nicht viel abbekommt. Wegen billiger Spitzenprodukte kannst du dann weltmeisterlich exportieren und dann kann dir keine Krise mehr etwas anhaben".

    Aber nein.

    Ein Volk, welches weltmarkfähige Produkte herstellt und diese sich selbst nicht leisten kann, wird schlicht betrogen. Es entsteht nur eine andere Art von Blase: eine Exportblase! Und weil die geplatzt ist, stehen wir jetzt genauso schlecht da wie die, bei denen eine Immobilien- oder Investmentblase geplatzt ist. Nur dass die vorher eine schöne Zeit hatten.

    Sie haben uns betrogen, es bringt nichts, dem Volk den Erfolg zu verweigern!!!!

    • self22
    • 05.03.2009 um 13:27 Uhr

    [Entfernt wegen Doppelpostings. / Die Redaktion as]

  4. Mal wieder ein guter Artikel und danke, dass nun die Lösung des Problems auch mal klar ausgesprochen wird.
    Vielleicht wird sich Opel und GM noch auf das Angebot aus Bonn zurücksehen, als Solarworld zur Belustigung aller die Übernahme Opels angeboten hatte.
    Ob heute noch die gleichen Bedingungen gelten?
    Und zu Opel passt auch ein wenig was der amerikanische Dokumentarfilmer Michael Moore (bowling for columbine, etc) in der Larry King show gesagt hatte:
    Sinngemäß: Gm hat Autos gebaut und dann seinen Kunden gesagt, so jetzt kauft mal schön, aber im Laufe der Zeit wollten die Kunden einfach bessere, komfortablere und sparsamere Autos und sind dann erst zu den Japanern, Deutschen und anderen asiatischen Herstellern gegangen.
    Wenn langfristig der Kontakt und die Wahrnehmung des Marktes völlig ignoriert wird, darf man sich nicht ob der Folgen wundern.
    Schade um Opel, aber vielleicht gibt es ja auch neuen Elan für neue Ideen im nachhaltigen Umweltbereich!

    "The best way to predict the future is to invent it." Alan Kay

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    • lef
    • 05.03.2009 um 14:44 Uhr

    Die sind inzwischen auch am Ende - siehe deren Aktien...

    Wenn man zwei Kranke in ein Bett tut, krabbelt niemals ein Gesunder heraus..

    • lef
    • 05.03.2009 um 14:44 Uhr

    Die sind inzwischen auch am Ende - siehe deren Aktien...

    Wenn man zwei Kranke in ein Bett tut, krabbelt niemals ein Gesunder heraus..

  5. Sicher, es fällt schwer, die Opelaner erstmal auf die Strasse zu setzen. Nur muss man sich fragen, was denn in 5 Jahren kommt. Heißt es dann immer noch, "wir haben Opel fir für die zukunft gemacht, brauchen aber nochmals xx Mrd".

    Ich denk, man braucht kein Prophet zu sein, um an dieses Szenarion zu glauben. Zu viele Hersteller für zu wenig Kunden.
    Opel wird nicht übnerleben können. Auf der anderen Seite sind aus deutscher Sicht die verbleibenden Autobauer dringend angehalten, das Loch mit innovativen Produkten zu füllen und nicht zu warten, bis andere ausländische Hersteller sich den Opelkuchen unter sich aufteilen. Vielleicht besteht so wenigstens die Möglichkeit, die Opelaner nicht auf der Strasse stehen zu lassen.

  6. ... sollte man eine Firma wie Opel retten, bei der nicht ein Punkt als marode anzusehen ist, sondern das Gesamtkonzept nicht lebensfähig ist.

    Da wurde von Opel über Jahre so viel verschlafen, dass nun der Steuerzahler die Zeche auslöffeln und eine nicht konkurrenzfähige Firma künstlich am Leben halten soll?

    Was für eine kranke Idee, die nebenbei teuer und am Ende doch zum Scheitern verurteilt ist.

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