Autotest Deutschland wrackt ab (3)

ZEIT-Reporter Stephan Lebert kassiert die Prämie und erlebt, dass kleine Autos ganz groß sind

Vielleicht beginnt jetzt das Zeitalter des Alberto Giacometti. Das war dieser Schweizer Künstler, dessen Plastiken von Menschen immer dünner, schräger und kleiner wurden. Er sagte immer, er wolle Menschen so abbilden, wie er sie wirklich sehe, das sei sein großes Ziel. Giacometti entkernte Menschen sozusagen, er reduzierte sie auf das Wesentliche. Und das Wesentliche war für ihn eben: schräg, dünn, klein.

Ich muss an Alberto Giacometti denken, der vor 33 Jahren gestorben ist, als ich in meinen kleinen, dünnen, vielleicht auch ein bisschen schrägen Škoda einsteige. Ich fahre los und sehe plötzlich überall kleine Autos herumfahren. Ist mir das früher nur nicht aufgefallen, oder sind das schon die ersten Folgen der Abwrackprämie?

Ich fahre weiter durch die Stadt und überlege, ob mit dem Siegeszug der kleinen Wagen nicht völlig neue Diskussionen beginnen müssten. Brauchen wir nicht kleine und große Parkplätze? Die kleinen kosten natürlich nur die Hälfte. Die Parkhäuser könnten kleiner werden. Brauchen wir nicht in Zukunft kleine und größere Taxis mit unterschiedlichen Tarifen? Würde das nicht eine hübsche Konkurrenzsituation schaffen, die den Siegeszug der umweltfreundlichen Kleinautos beschleunigt?

Ich fahre weiter, und natürlich fährt sich der Škoda wunderbar, er hat eine gute Beschleunigung, er lenkt sich angenehm, und Einparken geht sowieso viel leichter. Mein Beifahrer, der in dieser Magazin-Rubrik bevorzugt Porsche und Ähnliches testet, leistet sich trotzdem den Hinweis, er finde, man höre die Bremsen beim Bremsen. Er will damit einen Hauch Kritik äußern. Der Herr ist schon ein bisschen älter. Er hat die Zeichen der Zeit noch nicht ganz verstanden.

Alle sagen es, und es wird so sein: Die Zukunft des Autos ist klein. Mir kommt die Frage in den Sinn, ob man eigentlich Menschen und Autos vergleichen kann. Von kleinen Menschen heißt es, sie sind oft sehr ehrgeizig, oft beleidigt, sie denken häufig, sie kommen zu kurz. Okay, diese Eigenschaften können einem in diesem Zusammenhang egal sein. Ein anderer Punkt scheint wichtiger zu sein. Egal, was man gegen kleine Menschen vorzubringen weiß, man muss feststellen, sie können alles, was auch Großgewachsene können. Außer vielleicht Basketball.

Technische Daten:
Motorbauart: 3-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 44 kW (60 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 16,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
CO²-Emission: 140 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
Basispreis: 10.280 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. ... daß sich "sinnfrei" steigern läßt, sei hiermit auf die Auto-"Tests" der ZEIT verwiesen.

  2. ein 60 ps auto, das 140 gramm co² emittiert, diesmal allerdings versehen, mit einem , zwar charmant eingeleiteten , aber im weiteren, von selbstbezüglicher unwissenheit geprägten text.

    ein auto, dessen bremsen man beim bremsen hört, geht schon mal gar nicht. das muß natürlich lautlos sein. sonst ist da was "kaputt" :)
    der kulturbeflissene autor wird ja auch kein klavierkonzert goutieren, wo es jedes mal schleift, wenn der pianist aufs pedal steigt.

    keine ahnung von den testkriterien, quasi ein kaputter meßkopf, aber
    vom zeitgeist schwadronieren (damit hat er wahrscheinlich das druckerzeugnis gemeint - das is o.k. wenn die zeit nur noch kleinwagen testet. dann würgt mich wenigstens nicht jedesmal der bittere neid, wenn ich die journalistischen mobilitätsminiaturen rezipiere) .
    es ist allerdings das gegenteil von wahrheit, daß ein 60 ps 3 zylinder alles gleich gut können soll, wie ein aus dickerem blech gefertigter bolide.
    aber der autor würde mich ja auch als klein schräg und dünn wahrnehmen, obwohl ich in wirklichkeit 100 kilo wiege. wenn autohersteller genauso vorgehen würden, dann würden wahrscheinlich, z.B. die fahrersitzlehnen, öfter unter meiner deltoidalen physis zusammen- und abbrechen, wie es mit in meinem 260.000 km alten golf gti I einstmals geschah -.
    aber ganz hübsch sieht er schon aus, der blaumetallisch glänzende tscheche.

    • T.M.
    • 02.04.2009 um 11:06 Uhr

    Was soll das hier sein? Autowerbung in der ZEIT? Heute ist nichts mehr unmöglich, wie's scheint.

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