Pflanzentier
Saftsauger wie dieses Exemplar der Art Elysia chlorotica wandeln zwischen den Welten. Die kleinen grünen Meeresnacktschnecken sind zwar Tiere, aber was ihren Stoffwechsel angeht, arbeiten sie wie sonst nur Pflanzen: Sie betreiben Fotosynthese , die lichtbetriebene Umwandlung von Kohlendioxid und Wasser in Zucker und Sauerstoff. Wie dieser Prozess auch im Schneckenorganismus funktionieren kann, haben amerikanische Forscher jetzt herausgefunden. Saftsauger ritzen die Zellen von Algen an und saugen den Zellsaft aus. Dabei schlürfen sie Chloroplasten ein, die in Pflanzen für die Fotosynthese zuständig sind. Diese winzigen Solarkraftwerke integrieren die Saftsauger in ihren eigenen Körper. Dort produzieren die Chloroplasten dann noch mehrere Wochen bis Monate lang weiter Zucker und Sauerstoff – aber nun im Dienste der Schnecken.
In Pflanzen sind Chloroplasten jedoch für ihre Arbeit auf eine Steuerung durch Gene im Zellkern angewiesen. Wie können die Chloroplasten unabhängig von diesen Kommandos im Körper der Schnecke funktionieren? Um das herauszufinden, haben Mary Rumpho und Kollegen von der University of Maine in den USA die Gene von Elysia chlorotica mit den Gensequenzen in den Zellkernen der Algenart, die sie frisst, verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Im Erbgut der Schnecke tauchen Steuergene auf, die exakt mit denen der Algen übereinstimmen. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass die Schnecke auch diese einst aus der Alge übernommen hat. In einem sogenannten horizontalen Gentransfer hat die Schnecke also Stücke aus dem Erbgut einer Pflanze in ihr eigenes Erbe eingebaut. Wir
- Datum 05.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren