MEINUNG BERLINER BÜHNE Mein Gott, Heinrich

Freiherr überall: Was der Wirtschaftsminister hat – und was ihm fehlt

Wahrscheinlich hat er doch den richtigen Beruf gewählt – und ist nicht Journalist geworden. Als Praktikant hat er einst für Die Welt gearbeitet, bevor er sich entschloss, die steilste Politikerkarriere hinzulegen, die Deutschland seit Langem gesehen hat. Welch einem aufgeregten Hühnerhaufen er entkommen ist, durfte er neulich am eigenen Namen erleben. Auf Wikipedia, der Heimstatt kollektiven Kurzzeitwissens, hatte ein Pfiffikus einen Heinrich in den Vornamen-Bandwurm Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester hineingeschmuggelt – und renommierte Zeitungen hatten den verlängerten Freiherr von und zu Guttenberg gutgläubig nachgedruckt. Welches Versagen! Wollen die vierte Gewalt sein – und können noch nicht einmal einen Heinrich entlarven! Schrieb die Presse über die Presse. Wie angenehm es der Freiherr da doch in seinem neuen Job hat. Da taucht zwar nirgends ein neuer Heinrich auf, aber überall der neue Wirtschaftsminister – und nur Peer Steinbrück gackert. In drei Wochen war Guttenberg öfter in den Nachrichten als Michael Glos in dreieinhalb Jahren. Die Krise hat zwar immer noch das Gesicht des Finanzministers, jetzt aber auch Öl im Haar.

Den Nicht-Heinrich täglich zu sehen, wirft die Frage auf, wie wir so waren mit 37. Hatten wir da auch Öl im Haar? Hatten wir da auch schon zwei Töchter? Hatten wir da auch schon eine Karriere als Außenexperte und Generalsekretär hinter uns? Hatten wir natürlich alles nicht. Dafür haben wir aber heute noch etwas, was dem Freiherrn für alle Zeiten fehlen wird. Peter Heinrich Dausend

 
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