Hochschule GEFRAGT Gegenreformation
Der Rektor der Uni Bielefeld kritisiert das neue Lehramtsstudium in NRW
DIE ZEIT: Die nordrhein-westfälische Regierung hat eine Reform für die Lehrerausbildung entwickelt. Sie üben scharfe Kritik. Warum?
DIETER TIMMERMANN: Weil wir im Gegensatz zu anderen Universitäten bereits ein funktionierendes Reformmodell haben – eines, das deutliche Vorteile gegenüber den Plänen der Landesregierung hat.
ZEIT: Welche Vorteile meinen Sie?
TIMMERMANN: Wir haben einen Bachelor entwickelt, der in Kombination mit dem Master of Education eine professionelle Lehrerausbildung gewährleistet, der aber auch den Übergang in einen fachwissenschaftlichen Master ermöglicht. Die Reform der Landesregierung läuft auf die bekannte Kopplung hinaus: Der Bachelor wird nur in Kombination mit Master und Vorbereitungsdienst Sinn ergeben.
ZEIT: Sie beklagen auch einen Autonomieverlust.
TIMMERMANN: In der Tat. Wir haben durch das Hochschulfreiheitsgesetz Spielraum bekommen, der sich auch auf die Ausgestaltung von Studiengängen bezieht. Jetzt will die Landesregierung uns wieder zu viel vorschreiben: von der Einrichtung spezieller Zentren für Lehrerbildung bis zu Leistungspunktvorgaben für die verschiedenen Lehrämter.
ZEIT: Haben Sie noch Hoffnung, Gehör zu finden?
TIMMERMANN: Ehrlich gesagt, nein. Wir haben schon erfolglos eine Stellungnahme abgegeben, als am Referentenentwurf des neuen Gesetzes noch Änderungen möglich gewesen wären. Dabei wurde unser Modellstudiengang sogar von der Landesregierung finanziert. Doch statt abzuwarten, bis erste Absolventen in die Schulen kommen und man den Erfolg einschätzen kann, hat man einfach losreformiert.
ZEIT: Wie geht es weiter?
TIMMERMANN: Wir werden wie verlangt bis 2011 umstellen und dabei versuchen, zu retten, was von unserem Konzept noch zu retten ist.
- Datum 05.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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